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Billige Fette, falsche Aromen: Die Tricks der Eisdealer

Hersteller ersetzen im Eis immer häufiger Milchfett durch günstigere Pflanzenfette. Worauf Sie beim Griff in die Kühltheke achten sollten.

Von Lea Wolz

Hersteller ersetzen beim Eis Milchfett immer häufiger durch billige Pflanzenfette

Hersteller ersetzen beim Eis Milchfett immer häufiger durch billige Pflanzenfette

Erdbeere, Vanille, Schokolade - mit den steigenden Temperaturen steigt auch der Eisumsatz. Fast acht Liter schleckte jeder Deutsche 2009 laut Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI). Doch auch das Eis ist nicht mehr das, was es einmal war. Wer glaubt, dass ein cremiger Mix aus Milch, Sahne, Butter und Zucker auf der Zunge schmilzt, wird enttäuscht: Immer häufiger ersetzen Hersteller Milchfett, sogenanntes Butterreinfett, und verwenden stattdessen billiges Palm- oder Kokosfett und Butteraroma. Vor allem bei dem industriell hergestellten Eis, das an Restaurants und Supermarktketten geliefert wird, ist das der Fall.

"Für uns ist das nach Analogkäse und Gelschinken ein weiteres Beispiel dafür, dass Verbraucher von der Industrie gezielt getäuscht werden", sagt Claudia Michehl von der Verbraucherzentrale Hamburg. Durch die günstigeren Zutaten wird schlichtweg Geld eingespart. Bis zu 40 Prozent billiger kann es so laut Michehl werden, Eis herzustellen - meistens ohne dass es der Verbraucher merkt.

Denn der kennt die Tricks der Eisindustrie und die Feinheiten der Namensgebung kaum. Oder hätten Sie gewusst, dass es einen Unterschied zwischen Creme-Eis und Eiscreme gibt? Creme-Eis muss mindestens 50 Prozent Milch und zudem eine festgelegte Menge an Ei enthalten, Eiscreme mindestens zehn Prozent Milchfett (siehe Kasten). Festgelegt ist das in den Leitsätzen des Deutschen Lebenmittelbuches für Speiseeis. Die muss zwar keiner auswendig lernen, bevor er die Kühltruhe öffnet und Eis einkauft. Allerdings nutzen die Hersteller die unbekannten Feinheiten in der Deklaration aus.

"Eis" statt "Eiscreme"

So findet sich in den Tiefkühltruhen nur noch selten Eis am Stil oder Eispackungen, die die Bezeichnung "Eiscreme" tragen. Stattdessen werden Eisprodukte, die pflanzliche Fette enthalten, schlichtweg als "Eis" deklariert. Sie fallen damit nicht unter die festgelegten Speiseeiskategorien wie Milcheis oder Sahneeis. Auch Werbeversprechen wie "Mit Sahne verfeinert" sind häufig Augenwischerei. "Das sagt nichts darüber aus, was tatsächlich verarbeitet wurde. Es kann auch nur ein Prozent Sahne und damit nicht mehr als ein Klecks sein", kritisiert Michehl.

Wie die Hersteller die Kunden täuschen zeigt ein Blick ins Kühlregal. So erwecke Langnese bei seinem Cremissimo-Eis allein durch den Namen die Illusion, dass besonders viel Sahne oder Milch verwendet wird, kritisieren Verbraucherschützer. Tatsächlich ist das Milchfett zum größten Teil durch Kokosfett ersetzt. "Verbrauchern soll hier mit einer kunstvollen Bezeichnung ein billiges Eis als Eiscreme verkauft werden", sagt Michehl.

"Ein Etikettenschwindel"

Die Hersteller begründen den Wechsel der Zutaten mit der Nachfrage. "Wir haben aus geschmacklichen Gründen das Milchfett ersetzt. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Verbraucher die schwere, buttrige Note im Eis nicht mehr wollen", sagt eine Sprecherin des Nestlé-Konzerns, zu dem unter anderem auch das Mövenpick-Eis gehört. Außerdem sei immer noch viel an Milch oder Molkenerzeugnissen im Eis. Auch beim BDSI sieht man das ähnlich. "Eis mit Pflanzenfett wird aufgrund seines geringeren Fett- und Kaloriengehaltes von vielen Verbrauchern geschätzt und gewünscht", heißt es dort. Kokosfett habe gesundheitliche Vorteile, sagt ein Sprecher des Lebensmittelriesen Unilever, zu dem Langnese gehört. Es enthalte zum Beispiel weniger Cholesterin. Für Verbraucherschützerin Michehl sind dies billige Ausreden. "So viel Eis isst in der Regel kein Mensch, dass es Schwankungen beim Cholsterinspiegel hervorrufen kann", sagt sie. An gesättigten Fettsäuren, die den Cholesterinspiegel erhöhen, ist Palm- oder Kokosfett zudem reich.

Generell sind die beiden pflanzlichen Fette zwar nicht gesundheitlich bedenklich. "Allerdings ist es ein Etikettenschwindel", kritisiert Michehl. Die Verbraucherschützerin rät Eisliebhabern daher, die Zutatenliste genau zu studieren. "Sind pflanzliche Öle und Fette enthalten, ist das ein Hinweis darauf, dass an Milch und Sahne gespart wurde."

135 Eisprodukte werden getestet

Dass bei Eis geschummelt wird, ist nicht neu. So darf ein Eis eigentlich nur als "Vanilleeis" bezeichnet werden, wenn es ausschließlich Aroma aus der Vanilleschote enthält. Eine Untersuchung von Stiftung Warentest zeigte allerdings, dass viele Hersteller neben echter Vanille zudem synthetische Aromen ins Eis mogeln. Auch beim Fruchteis ist der Fruchtanteil nicht immer wie vorgeschrieben.

Um zu testen, wie es um die Qualität des deutschen Eises bestellt ist, untersucht die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft 135 Eisprodukte - darunter Eiscreme, Frucht- und Wassereis. Neben Geschmack und Aussehen wird die Eismasse auch im Labor getestet und überprüft, ob die Zutaten auf der Verpackung korrekt angegeben sind. Zwar ist es damit immer noch erlaubt, pflanzliche Fette statt Milchfett einzusetzen, solange es nur in der Zutatenliste steht und nicht falsch deklariert ist. Doch wenn die Ergebnisse im Juli veröffentlicht werden, erfahren die Verbraucher wohl, was sie da manchmal wirklich schlecken.

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Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.