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Chronische Schmerzen: 50 Millionen Europäer leiden täglich

Manchen sitzt es im Rücken oder im Nacken, anderen dröhnt der Schädel: Jeder elfte Europäer hat jeden Tag mit Schmerzen zu kämpfen. Wenn diese erst einmal chronisch geworden sind, kann dies sogar zu Veränderungen im Hirn führen, berichten Experten.

Einem brummt ständig der Kopf, der andere hat es im Kreuz: Jeder elfte Europäer leidet jeden Tag unter Schmerzen

Einem brummt ständig der Kopf, der andere hat es im Kreuz: Jeder elfte Europäer leidet jeden Tag unter Schmerzen

Jeder hat mal Kopfschmerzen. Manchmal ist auch der Nacken verspannt oder der Rücken verzogen. Vielleicht pochert ein entzündeter Zahn. Das alles ist unangenehm, doch das Gute daran ist: Diese Art von Beschwerden gehen wieder vorbei. Bei überraschend vielen Menschen in Europa ist das aber anders. Jeder Elfte leidet Tag für Tag unter irgend einer Art von Schmerz. Die meisten Patienten würden jahrelang von Arzt zu Arzt gehen, bevor sie sich von einem spezialisierten Therapeuten behandeln ließen, sagte Professor Hans Georg Kress, Präsident des Dachverbandes der europäischen Schmerzgesellschaften (EFIC), auf einem Fachkongress in Hamburg.

Allein im vergangenen Jahr hätten in Großbritannien, Frankreich, Spanien, Italien und Deutschland insgesamt 52,7 Millionen Menschen regelmäßig Schmerzen gehabt. Mediziner sprechen dann von chronischen Schmerzen, wenn die Beschwerden länger als drei bis sechs Monate andauern oder ständig wiederkehren. Am häufigsten litten die Menschen in diesen Ländern an Rückenschmerzen (63 Prozent), Gelenkschmerzen (48 Prozent) und Nackenschmerzen (29,6 Prozent). Auch Rheuma oder Tumoren verursachten dieses Leid.

Veränderungen im Gehirn

Und als sei das nicht genug, würden 19 Prozent der Menschen mit mäßigen oder starken chronischen Schmerzen ihre Arbeit verlieren, heißt es im "Survey of chronic pain in Europe" (Erhebung zu chronischen Schmerzen in Europa). 60 Prozent der Betroffenen gingen wegen ihrer Beschwerden innerhalb eines halben Jahres zwei- bis neunmal zum Arzt. Der Verband EFIC fordert, dass chronische Schmerzen als eigenständiges Krankheitsbild anerkannt werden.

Die Begründung: Chronischer Schmerz führe zu Veränderungen im Gehirn, die von ihrer ursprünglichen Ursache unabhängig seien, sagte der niederländische Professor Kris Vissers aus Nijmegen. Diese Veränderungen zögen den gesamten Organismus in Mitleidenschaft. Somit könne chronischer Schmerz nicht nur als Symptom einer Grunderkrankung angesehen werden.

Mehr Forschung zu Nutzen und Risiken von Medikamenten

Vissers plädierte auch dafür, Nutzen und Risiken von Schmerzmedikamenten bei älteren Menschen besser zu erforschen. Die Hälfte der Menschen über 65 Jahren, die noch selbstständig leben, hätte chronische Schmerzen. Viele ältere Patienten würden schon an mehreren Krankheiten, etwa Lungen- und Herzkreislauferkrankungen leiden, was sie gebrechlicher und anfälliger für Schmerzen mache. Zudem verändere sich der Stoffwechsel im Laufe des Lebens; das könne die Wirkung von Medikamenten ändern. Auch führe die Einnahme von verschiedenen Arzneien - wie bei älteren Menschen oft üblich - möglicherweise zu noch nicht ausreichend untersuchten Wechselwirkungen.

Auf der Suche nach Hilfen und der Vorbeugung von chronischen Schmerzen ziehen die Experten auch psychologische Faktoren in Betracht, die Widerstandskräfte geben könnten. Dazu gehört unter anderem Optimismus, sagte Professor Martin Koltzenburg (London).

spo/ DPA / DPA

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