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Dritte Dosis ab Herbst Die Auffrischungsimpfungen kommen – was man jetzt wissen muss

Spritze mit Biontech-Impfstoff
Für die Drittimpfungen sollen ausschließlich die mRNA-Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna eingesetzt werden.
© Daniel Karmann / Picture Alliance
Der Weg ist frei für die Booster-Impfung. Ab September sollen die dritten Spritzen gesetzt werden, das haben die Gesundheitsminister am Montag beschlossen. Ein Überblick über die wichtigsten Fragen.

Lange wurde diskutiert, jetzt ist es fix. Die Auffrischungsimpfungen kommen, das haben die Gesundheitsminister der Länder am Montag beschlossen – jedoch nicht für alle. Vorerst sollen nur bestimmte Risikogruppen die dritte Spritze erhalten. Die wichtigsten Fakten im Überblick.

Wer soll die Booster-Impfung bekommen?

Der Beschluss der Gesundheitsminister der Länder sieht vor, dass zunächst Höchstbetagte, Pflegebedürftige sowie Patientinnen und Patienten mit Immunschwäche oder Immunsuppression die Auffrischungsimpfung erhalten sollen.

Wo bekommt man die Auffrischungsimpfung?

Mobile Teams sollen die Impfungen bei Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeheimen und anderen Einrichtungen vornehmen. Berechtigte, die zu Hause wohnen, sollen die Auffrischungsimpfungen durch ihre behandelnden Ärztinnen und Ärzte angeboten bekommen. 

Welche Impfstoffe sollen für den Boost sorgen?

Für die Drittimpfungen sollen ausschließlich mRNA-Impfstoffe verwendet werden, also die Vakzine der Hersteller Biontech/Pfizer und Moderna, unabhängig davon, ob vorher etwa die Impfstoffe von Astrazeneca oder Johnson & Johnson verwendet wurden.

Ab wann wird es die Auffrischungsimpfung geben?

Ab September sollen die Corona-Auffrischungsimpfungen zu erhalten sein.

Nach wie vielen Monaten soll die Impfung aufgefrischt werden?

In allen Fällen soll die Zusatzimpfung frühestens sechs Monate nach der erstmaligen Herstellung des vollständigen Impfschutzes erfolgen.

Warum werden die Auffrischungsimpfungen nötig?

Ob die dritte Impfung nötig ist, ist nach wie vor umstritten. Wie lange der Impfschutz anhalte, sei derzeit noch nicht bekannt, schrieb das Robert Koch-Institut kürzlich in einem Strategiepapier. Es sei sinnvoll, schnell reagieren zu können: "Booster-Impfungen (insbesondere ) für Ältere sollten jetzt geplant und vorbereitet werden."

Auslöser der Überlegungen sind Daten aus Studien, die auf ein Nachlassen der Schutzwirkung hindeuten. Auch die Unternehmen Biontech/Pfizer gehen von einem Rückgang der Schutzwirkung ihres Corona-Vakzins gegenüber Infektionen und symptomatischen Erkrankungen ein halbes Jahr nach der zweiten Impfung aus. Daten aus Israel zeigen demnach, dass die Schutzwirkung sechs Monate nach der Zweitimpfung von 96 auf 83,7 Prozent absinkt. Daher sei es wahrscheinlich, "dass eine dritte Dosis innerhalb von sechs bis zwölf Monaten nach der vollständigen Impfung erforderlich sein wird".

Welche Rolle spielt die Delta-Variante?

Die Datenlage zur Delta-Variante ist uneinheitlich. Es gibt aber bereits erste Hinweise, dass die Covid-Impfungen etwas weniger gut vor Ansteckungen mit der neuen Variante schützen. In welchem Maße ist noch unklar. Studiendaten aus Großbritannien, Kanada und Israel klaffen zum Teil weit auseinander. (Mehr dazu lesen Sie hier). Gemein haben die Ergebnisse, dass die Impfstoffe aber weiterhin einen schweren Krankheitsverlauf in den allermeisten Fällen abwehren können.

Was bringen die Auffrischungsimpfungen?

Sowohl Biontech/Pfizer als auch Moderna gaben bereits an, dass die Antikörper nach einer erneuten Impfung deutlich anstiegen. Beide Hersteller sind zuversichtlich, dass eine dritte Dosis auch den Schutz gegen neu entdeckte Varianten erhöhen wird.

Studien weisen darauf hin, so Biontech/Pfizer, dass die Drittimpfung durchaus "eine neutralisierende Wirkung bei der Delta-Variante" habe. Sei zeigten neuere Daten, dass die Booster-Impfung die Anzahl der neutralisierenden Antikörper im Blut erheblich steigere.

Auch erste Daten, die der Hersteller Moderna zu den Booster-Impfungen vorlegte, deuten auf einen starken und schnellen Anstieg der Antikörpertiter hin – "auf ein Niveau, das über dem der Erstimpfung liegt", so Stéphane Bancel, Chief Executive Officer von Moderna. "Wir sind ermutigt durch diese neuen Daten, die unsere Zuversicht bestärken, dass unsere Booster-Strategie gegen die neu entdeckten Varianten schützen sollte", sagte er.

Was weiß man über die Verträglichkeit der Booster-Impfung?

Der Impfstoffhersteller Moderna berichtet, dass die Sicherheits- und Verträglichkeitsprofile nach der dritten Booster-Dosis vergleichbar mit denen seien, die nach der zweiten Dosis in den zuvor berichteten Phase-2- und Phase-3-Studien beobachtet wurden. Die Auffrischungsimpfungen seien im Allgemeinen gut vertragen worden. Die Mehrzahl der unerwünschten Ereignisse war demnach leicht oder mittelschwer. Am häufigsten wurden Schmerzen an der Einstichstelle beobachtet. Einige Studienteilnehmer berichteten zudem über Müdigkeit, Kopf- oder Gelenkschmerzen.

Wieso gibt es keine Drittimpfung für alle?

"Bei der gesunden Bevölkerung ist es jetzt erst einmal wichtig, dass die gesamte Bevölkerung ein Impfangebot bekommt und rasch zweifach geimpft wird", sagte der Virologe Mirko Trilling dem "MDR". Bevor man sich darüber Gedanke mache, ob man die ersten Menschen schon zum dritten Mal impfe, sollten außerdem alle Menschen, die eine natürliche Infektion durchgemacht haben, eine einzelne Impfung erhalten, um langfristig geschützt zu sein, so Trilling weiter.
Die zweifache Impfung böte auch gegen die Delta-Variante einen guten Schutz. Sei ein Teil der Bevölkerung dagegen nur einfach geimpft, steige das Risiko, dass in dieser Situation das Virus weiter mutiert und womöglich noch gefährlicher wird. "Bei Menschen mit einem beeinträchtigten Immunsystem, die leider keine ausreichende Immunität nach der zweiten Impfung aufgebaut haben, ist eine dritte Impfung jedoch eine sinnvolle Maßnahme", so Trilling.
Dritte Dosis ab Herbst: Die Auffrischungsimpfungen kommen – was man jetzt wissen muss
Bekannt ist auch bereits, dass das Immunsystem älterer Menschen etwas schwächer auf die Impfung reagiert und beispielsweise weniger Antikörper ausgebildet werden.

Warum gibt es noch keine Empfehlung der Stiko?

Die Datenlage reiche noch nicht für eine Empfehlung in Deutschland, sagte der Chef der Ständigen Impfkommission (Stiko) Thomas Mertens am Freitag der Deutschen-Presse-Agentur. Den unabhängigen Experten gehe es bei den Daten um zwei Aspekte: ob die messbare Immunantwort im Labor nachlasse und ob trotz Impfung vermehrt Infektionen mit Erkrankung aufträten, erklärte er. Laboruntersuchungen zu Antikörperspiegeln gebe es bereits, diese erlaubten aber nicht die direkte Schlussfolgerung, dass auch die Schutzwirkung beim Menschen nachlässt. 

Quelle: Mit Material der Dpa


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