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Hoffnungsschimmer?: Oxford-Institut will Impfstoff an Tausenden Menschen testen – Verfügbarkeit schon im Herbst?

Forscher der Universität Oxford wollen einen potenziellen Impfstoff gegen das Coronavirus an mehreren Tausend Menschen testen. Ist die Studie erfolgreich, könnte das Mittel schon im Herbst verfügbar sein. Könnte – denn die Wissenschaftler selbst treten auf die Euphoriebremse.

Forschung zum Coronavirus

Weltweit laufen die Forschungen zum Coronavirus auf Hochtouren (im Bild: mikrobiologisches Labor des Universitätsklinikums Lausanne)

DPA

Von einem wirksamen Impfstoff gegen Sars-CoV-2, da sind sich ausnahmsweise alle Experten einig, wird es abhängen, wann das Leben wieder seinen halbwegs gewohnten Lauf nehmen kann.

Weltweit forschen Universitätsinstitute und Pharmaunternehmen an einem Mittel, das gegen das neuartige Coronavirus schützt, immer wieder vermelden sie – entweder aus Überzeugung oder aus PR-Gründen – Fortschritte dabei.

Klinische Studie zu Coronavirus-Impfstoff

Jetzt gibt es einen weiteren Hoffnungsschimmer, diesmal aus der renommierten britischen Universität Oxford, wie unter anderem die "New York Times" berichtet.

Wissenschaftler am Jenner-Institut planen, noch im Mai einen möglichen Impfstoff-Kandidaten in einer klinischen Studie mit rund 6000 Freiwilligen zu testen. Sollte sich dabei herausstellen, dass das Mittel sicher und wirksam ist, könnten durch eine Ausnahmegenehmigung der Aufsichtsbehörden und ein beschleunigtes Herstellungsverfahren schon im kommenden Herbst die ersten Impfdosen verfügbar sein.

Zum Vergleich: In Deutschland hat das Paul-Ehrlich-Institut dem Biotech-Unternehmen Biontech aus Mainz grünes Licht für eine erste klinische Studie an rund 200 Menschen mit einem potenziellen Impfstoff gegeben. Mit einer möglichen Zulassung rechnet Instituts-Präsident Klaus Cichutek nicht vor dem kommenden Jahr.

Am Jenner-Institut der Uni Oxford sind die Forschenden vorsichtig optimistisch, dass ihre Studie zum Erfolg führt. In Versuchen mit Rhesusaffen habe sich ihr Impstoff (ChAdOx1) als wirksam erwiesen. Sechs Tiere wurden mit dem Mittel geimpft und anschließend dem Coronavirus Sars-CoV-2 ausgesetzt. Alle Affen waren vier Wochen später gesund, während ungeimpfte Artgenossen erkrankten.

Das Ergebnis der Studie an Tieren sei jedoch noch nicht mit der Wissenschaftscommunity geteilt worden, sagte einer der Forschenden laut "New York Times". Eine umfassende Bewertung des Ergebnisses durch die Fachwelt ist daher noch nicht möglich. Die Tauglichkeit eines Impfstoffes bei Rhesusaffen ist überdies kein Beweis dafür, dass das Mittel auch beim Menschen wirkt und sicher ist. Dies muss erst in den anstehenden klinischen Tests herausgefunden werden. Auch ist unklar, ob ein Impfstoffkandidat auch bei allen Bevölkerungsgruppen eingesetzt werden kann.

Dennoch: Mit der Ankündigung, eine klinische Studie an Tausenden Menschen durchführen zu wollen, hat das Jenner-Institut eine Vorreiterrolle übernommen. An Probanden für die klinischen Tests mangelt es den Forschenden offenbar nicht. "Wir haben eine große Anzahl von Bewerbungen erhalten und akzeptieren derzeit keine weiteren mehr", erklären sie im Internet.

Finger in einem blauen Handschug greifen eine Plastik-Ampulle mit "Covid-19"-Beschriftung aus einem blauen Halter

Und die Wissenschaftler versuchen, die Euphorie ein wenig zu bremsen. Im Herbst 2020 über einen Impfstoff zu verfügen, sei "das beste Szenario" und "sehr ehrgeizig". Der Zeitrahmen könne sich jederzeit ändern, heißt es. Bei aller Eile versprechen die Forschenden "große Sorgfalt". 

Nach jüngsten Zahlen der Impfallianz Gavi, ein Zusammenschluss von Regierungen, der Weltgesundheitsorganisation, Unicef, der Weltbank, Nichtregierungsorganisationen und Pharmafirmen, wird zurzeit auf der ganzen Welt an mehr als 100 möglichen Impfstoffen geforscht. Das tatsächlich ein wirksamer und sicherer Kandidat gefunden wird, sei keineswegs sicher, urteilte Cavi am vergangenen Freitag. Doch: "Nach dem, was ich über die Wissenschaft weiß, bin ich ziemlich optimistisch", sagte der Chef der Impfallianz, Seth Berkley.

Vorerst heißt es aber trotz des kleinen Hoffnungsschimmers aus Oxford noch für längere Zeit: Abstand halten und Maske auf.

Quellen: "New York Times", "The Jenner Institute", "Oxford Vaccine Trial", Nachrichtenagentur AFP

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