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News zur Corona-Pandemie Massenschlägerei im Englischen Garten – 19 Polizisten verletzt

Ein Polizeibeamter steht neben seinem Einsatzfahrzeug
Ein Polizeibeamter neben seinem Einsatzfahrzeug (Symbolbild). In München musste die Polizei an diesem Wochenende wiederholt gegen größere Gruppen von Feiernden vorgehen.
© Nicolas Armer / DPA
EU-Kommissar Breton: Vertrag mit Astrazeneca nicht verlängert  +++ Deutlich mehr Opfer von häuslicher Gewalt während der Pandemie +++ Die Nachrichten zur Coronavirus-Pandemie im stern-Ticker.

EU kauft bis 2023 fast zwei Milliarden Impfdosen von Biontech

Die Europäische Union kauft bis zu 1,8 Milliarden weitere Dosen Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer. Damit sollen bis ins Jahr 2023 die 70 bis 80 Millionen Kinder in der EU gegen Covid-19 geschützt und Impfungen von Erwachsenen aufgefrischt werden. Die EU-Kommission billigte dazu am Wochenende einen weiteren Vertrag mit dem Impfstoff-Entwickler Biontech aus Mainz und dem US-Pharmakonzern Pfizer. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte auch an, dass weitere Vereinbarungen folgen könnten.

Beim Hersteller Astrazeneca stehen allerdings nach großen Lieferproblemen Fragezeichen. EU-Industriekommissar Thierry Breton sagte am Sonntag, die EU habe den bestehenden Impfstoffvertrag mit dem britisch-schwedischen Unternehmen nicht über Juni hinaus verlängert. "Wir schauen, was passiert", sagte der Franzose im Radiosender France Inter.

Ein Drittel der Briten vollständig geimpft

Im Kampf gegen das Coronavirus hat Großbritannien einen symbolischen Meilenstein erreicht. Ein Drittel der Erwachsenen sei nun vollständig geimpft, teilten die Gesundheitsbehörden am Sonntag mit. Etwa 17,7 Millionen Menschen erhielten die für den vollen Schutz als notwendig erachteten zwei Spritzen. Die vier Landesteile England, Schottland, Wales und Nordirland liegen dabei etwa gleichauf. Eine erste Impfung bekamen bisher 35,4 Millionen.

Großbritannien ist eines der am stärksten von der Pandemie betroffenen Länder Europas. Mit oder an Covid-19 sind etwa 150 000 Menschen gestorben. Mittlerweile hat die Regierung aber zahlreiche Corona-Maßnahmen auch wegen des Erfolgs der Impfkampagne wieder aufgehoben. Die Zahl der Neuinfektionen stagniert auf niedrigem Niveau. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag zuletzt bei 20,5.

EU-Kommissar Breton: Vertrag mit Astrazeneca nicht verlängert

Die EU hat nach den Worten von Industriekommissar Thierry Breton ihren Impfstoffvertrag mit dem Hersteller Astrazeneca nicht über Juni hinaus verlängert. Das sagte der Franzose am Sonntag im Radiosender France Inter. "Wir haben die Bestellung nicht über den Monat Juni hinaus erneuert", sagte er auf eine Frage zu Astrazeneca. "Wir werden sehen. Wir schauen, was passiert." Breton äußerte sich jedoch positiv zur Qualität des Impfstoffs des britisch-schwedischen Herstellers. "Das ist ein guter Impfstoff", sagte er. In Frankreich gibt es in der Bevölkerung Vorbehalte gegen den Impfstoff. Die EU-Kommission hatte erst am Samstag mitgeteilt, dass bis 2023 bis zu 1,8 Milliarden weitere Impfdosen von Pfizer/Biontech gekauft werden sollen.

19 Polizisten bei Einsatz im Englischen Garten in München leicht verletzt

Bei einem Polizeieinsatz im Englischen Garten in München sind am Samstag 19 Polizisten verletzt worden. Aus einer Menschenmenge heraus seien etwa 50 Mal Flaschen auf die Polizisten geworfen worden, teilte das Polizeipräsidium München am Sonntag mit. Es handele sich um leichte Verletzungen, alle Beamten seien weiter dienstfähig.

Die Polizisten setzten nach eigenen Angaben Schlagstöcke und Pfefferspray ein. Sechs junge Männer im Alter von 15 bis 20 Jahren wurden vorläufig festgenommen und wegen gefährlicher Körperverletzung, Widerstand und tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte sowie Landfriedensbruch angezeigt.

Die Polizisten wollten den Angaben zufolge eine Schlägerei auflösen, die nach einer sexuellen Belästigung eines 16-Jährigen an einer 16-Jährigen entstanden sei. Bei dem Einsatz habe es Solidarisierungseffekte anderer Anwesenden gegeben, die in den Attacken auf die Polizei mündeten.

Die Polizei führte diesen Einsatz in einer Reihe von Einsätzen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. So mussten Polizisten im Englischen Garten, am Gärtnerplatz und am Viktualienmarkt immer wieder gegen große Gruppen Feiernder, die häufig auch alkoholisiert waren, vorgehen. Am Viktualienmarkt feierten laut Polizei etwa 300 Menschen, am Gärtnerplatz 200 Menschen – dieser beliebte Treffpunkt junger Feiernder wurde am Samstagabend daraufhin gesperrt.

Mehr als 100.000 Corona-Tote in brasilianischem Bundesstaat

Der brasilianische Bundesstaat São Paulo hat die Marke von 100.000 Corona-Toten überschritten. Seit Beginn der Pandemie starben dort 100.649 Menschen im Zusammenhang mit Covid-19, wie am Sonntag aus Behördendaten hervorging. Damit zählt der reichste Bundesstaat Brasiliens rund ein Viertel aller Toten im Zusammenhang mit Covid-19 in dem von der Pandemie schwer getroffenen Land. Wäre er ein Land, würde der Bundesstaat mit mehr als 40 Millionen Einwohnern weltweit den neunten Rang hinter Frankreich und vor Deutschland unter den Ländern mit den meisten Corona-Toten einnehmen.

Brasilien ist eines der weltweit am stärksten von der Pandemie betroffenen Länder. Ende April überschritt das größte Land in Lateinamerika mit rund 210 Millionen Einwohnern die Marke von 400.000 nachgewiesenen Corona-Todesfällen. Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hat das Coronavirus von Anfang an verharmlost, Schutzmaßnahmen lehnt er - aus wirtschaftlichen Gründen - weiterhin ab. Mittlerweile zieht der Rechtspopulist auch den Sinn von Impfungen in Zweifel.

stern-Journalist Jan Christoph Wiechmann zur Corona-Lage in Manaus, Brasilien

Zahl der Opfer von häuslicher Gewalt steigt laut Pressebericht um sechs Prozent

Während der Corona-Pandemie ist die Zahl der Opfer häuslicher Gewalt, die Partner oder Ex-Partner ausüben, nach Informationen der "Welt am Sonntag" deutlich gestiegen. Die Zeitung erstellte eine Umfrage bei Innenministerien und Landeskriminalämtern in den 16 Bundesländern, wonach im vergangenen Jahr 158.477 Opfer polizeilich registriert wurden. Dies entspreche einem Anstieg um sechs Prozent gegenüber dem Jahr 2019.

Zwei Drittel der erfassten Opfer sind dem Bericht zufolge Frauen. Doch das Dunkelfeld sei groß, weil viele Opfer sich nicht trauten, Anzeige zu erstatten. "Der Anstieg um sechs Prozent deutet darauf hin, dass die tatsächlichen Fälle überproportional zugenommen haben", zitierte die Zeitung den Präsidenten des Deutschen Caritasverbandes, Peter Neher. Für Opfer sei es während der Pandemie überdies schwieriger, Kontakt mit Behörden aufzunehmen und Hilfe zu suchen.

Polizei löst illegale Party in ehemaligem Berliner Krankenhaus auf

Eine illegale Party von mehr als 300 Menschen in einem ehemaligen Krankenhaus in Berlin-Buch ist von der Polizei aufgelöst worden. Jemand hatte am Sonntagmorgen die Beamten informiert, dass mehrere Menschen den Zaun zum Gelände überstiegen, wie die Polizei mitteilte. Als die Beamten eintrafen, lief in den Kellerräumen des ehemaligen Krankenhauses trotz Corona-Pandemie bei lauter Musik eine Feier. Die Einsatzkräfte forderten Verstärkung an. Ehe diese eintraf, hatten schon etwa 150 Feiernde die Party verlassen. Von weiteren 157 Teilnehmern wurde die Identität festgestellt. Gegen sie wurden Anzeigen wegen Verstößen gegen den Infektionsschutz und die Ausgangsbeschränkungen, aber auch wegen Hausfriedensbruchs gefertigt.

Belgische Polizei löst Versammlung hunderter junger Leute auf Brüsseler Platz auf

In Brüssel hat die belgische Polizei in der Nacht zum Sonntag eine Versammlung hunderter junger Leute aufgelöst. Auf der Place Flagey, einem beliebten Treffpunkt in der belgischen Hauptstadt, hatten sich nach Polizeiangaben am Samstagabend viele Menschen versammelt, um die Öffnung der Außengastronomie und das Ende der Ausgangssperre zu feiern. Weil sie damit gegen ein nächtliches Versammlungsverbot verstießen, löste die Polizei die Ansammlung schließlich gewaltsam auf.

Nach fast sieben Monaten Lockdown hatten in Belgien am Samstag die Terrassen von Bars und Cafés wieder geöffnet. Viele junge Leute gingen nach der spätabendlichen Schließung nicht nach Hause und blieben auf dem Platz.  

Landesweiter Corona-Ausnahmezustand in Spanien ausgelaufen

In Spanien ist in der Nacht zum Sonntag der landesweite Corona-Ausnahmezustand zu Ende gegangen. Nach mehr als einem halben Jahr dürfen die Menschen nun wieder ohne triftigen Grund in andere Provinzen reisen. "Ich hatte es satt, nicht aus Madrid herauszukommen", sagte die Schmuckdesignerin Blanca Valls, die sich auf ein Wochenende in Galizien und einen Ausflug ans Meer freut. 

12.656 Corona-Neuinfektionen – Inzidenz sinkt weiter

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 12.656 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das geht aus Zahlen vom Sonntagmorgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 5.37 Uhr wiedergeben. Zum Vergleich: Vor einer Woche hatte der Wert bei 16.290 gelegen. Am Sonntag sind die vom RKI gemeldeten Fallzahlen meist niedriger, unter anderem weil am Wochenende weniger getestet wird.

Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner lag laut RKI am Sonntagmorgen bundesweit bei 118,6 (Vortag: 121,5; Vorwoche: 146,5). Die Inzidenz geht seit etwa zwei Wochen ziemlich kontinuierlich zurück. Deutschlandweit wurden den Angaben nach binnen 24 Stunden 127 neue Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 110 Tote gewesen.

Schauspieler um Bruch verteidigen Video-Aktion #allesdichtmachen

Eine kleine Gruppe von Schauspielern um "Babylon Berlin"-Star Volker Bruch hat sich für die Video-Aktion #allesdichtmachen gerechtfertigt. "Unser Ziel war, die Kritik an den Maßnahmen aus dieser als extremistisch gebrandmarkten Ecke zu holen", sagte Bruch in einem Interview, das er gemeinsam mit den Schauspielerinnen Miriam Stein, Nina Gummich und Karoline Teska der "Welt am Sonntag" gab. "Kritik ist ja nicht nur für uns Künstler wahnsinnig wichtig, sondern auch für die Politik. Sie ist eine Form der Rückmeldung, die es ermöglicht, nachzujustieren", fügte er hinzu.

Es gebe Leute, "die sich jetzt trauen, etwas zu sagen, weil wir das getan haben. Aber zugleich versucht man, uns zu kriminalisieren und in eine undemokratische Ecke zu schieben", sagte Bruch. Der 41-Jährige gehört zu den bekanntesten Fernsehschauspielern in Deutschland. In der Serie "Babylon Berlin" spielt er Kommissar Gereon Rath.

Bei der Aktion #allesdichtmachen hatten vor gut zwei Wochen gut 50 Schauspielerinnen und Schauspieler - darunter Bruch, Stein, Gummich und Teska - mit ironisch-satirischen Videos die Coronapolitik in Deutschland kommentiert. Nach heftiger Kritik und teils Zustimmung auch aus dem rechten Lager distanzierten sich mehrere Teilnehmer von ihren Beiträgen.

Die Nachrichten von Samstag, 8. Mai 2021:

EU besiegelt Kauf von bis zu 1,8 Milliarden weiteren Biontech-Impfdosen

Inmitten der Diskussion über die Aussetzung von Patenten für Corona-Impfstoffe hat sich die EU bis zu 1,8 Milliarden weitere Biontech-Impfdosen gesichert. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verkündete die Vertragsunterzeichnung am Samstag am Rande des EU-Sozialgipfels in Portugal. Auf den Vorstoß der USA zur Freigabe von Patenten reagierten die EU-Staats- und Regierungschefs zurückhaltend. Sie forderten Washington auf, den Vorschlag zu konkretisieren. 

Nach Angaben von der Leyens wurde mit dem Mainzer Unternehmen Biontech und seinem US-Partner Pfizer eine Vereinbarung über mehr als 900 Millionen Impfdosen sowie Optionen auf 900 Millionen weitere Impfdosen für die Jahre 2021 bis 2023 erzielt. Die EU will sich damit für Auffrischungsimpfungen und gegen mögliche künftige Mutationen des Virus rüsten.

Papst für Aussetzung von Patenten bei Corona-Impfstoffen

In der Debatte um die Freigabe von Patenten für Corona-Impfstoffe hat sich Papst Franziskus für die vorübergehende Aussetzung der Rechte am geistigen Eigentum ausgesprochen. Das Oberhaupt der katholischen Kirche äußerte sich in einer Videobotschaft, die der Vatikan am Samstag in Rom veröffentlichte. Darin warnt der 84-jährige vor zu viel Nationalismus in der Corona-Krise: "Es ist ein geschlossener Nationalismus, der zum Beispiel einen Internationalismus der Impfstoffe verhindert."

Linke fordert Aufklärung über Maskendeal von Tochter von Ex-CSU-Generalsekretär

Die Linke fordert Aufklärung über einen Maskendeal, für dessen Vermittlung die Tochter des früheren CSU-Generalsekretärs Gerold Tandler Millionen-Provisionen bekommen haben soll. Laut Berichten von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" soll Andrea Tandler zwei Schweizer Jungunternehmern und deren Firma Emix geholfen haben, Corona-Schutzmasken aus China an deutsche Ministerien zu verkaufen. Dafür habe sie Provisionen in zweistelliger Millionenhöhe erhalten. Linken-Fraktionsvize Fabio de Masi forderte am Samstag, das Geld müsse vollständig an den Bundeshaushalt gestiftet werden.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte gegenüber dem Bundestags-Haushaltsausschuss angegeben, dass ihn Tandler im März 2020 über das Angebot der Firma Emix informiert habe. Es war einer der größten Maskendeals im Zuge der Corona-Pandemie. Für mehr als 670 Millionen Euro kaufte Deutschland persönliche Schutzausrüstung bei Emix ein, deren beide Betreiber damit vermutlich 130 bis 200 Millionen Euro verdienten, wie NDR, WDR und "SZ" berichteten.

Zustande gekommen war der Kontakt zu Emix demnach über Andrea Tandler, wiederum vermittelt durch die CSU-Europaabgeordnete Monika Hohlmeier, Tochter von Franz Josef Strauß. Hohlmeier und Tandler sind dem Bericht zufolge "bestens bekannt". 

Spahn: Sommerurlaub in EU wohl auch ohne Impfung möglich

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zeigt sich mit Blick auf einen Sommerurlaub in Europa optimistisch. "Innerhalb der EU wird das Reisen voraussichtlich nicht von der Impfung abhängig sein. Auch mit den Testungen wird man sich europaweit gut bewegen können", sagte Spahn der "Rheinischen Post". Er selbst plane seinen Urlaub in Deutschland. "In dieser hoffentlich letzten Phase der Pandemie würde ich keine großen Fernreisen planen, Nordsee statt Südsee quasi."

EKD-Chef wirbt für Freiheiten für Geimpfte und ein "Gönnen-Können"

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat für mehr Freiheiten für Geimpfte und einen Geist des "Gönnen-Könnens" geworben. "Dass die seelischen Inzidenzwerte immer mehr in die Höhe steigen, wissen wir seit Langem", sagte Bedford-Strohm am Samstag in Hannover auf der digital organisierten Tagung der EKD-Synode. "Deswegen ist es so wichtig, alles an Freiheiten zu ermöglichen, was mit dem Gesundheitsschutz vereinbar ist." Er ermutige alle, die noch nicht gegen das Coronavirus geimpft seien, dazu, sich mit den bereits Geimpften zu freuen, die nun ohne Risiko bestimmte Freiheiten wieder genießen können.

Kuba beginnt Impfungen mit selbst entwickelten Corona-Impfstoffen

Kuba will in der kommenden Woche mit den Impfungen mit zwei selbst entwickelten Corona-Impfstoffen beginnen, obwohl die klinischen Tests noch laufen. Wie Gesundheitsminister José Angel Portal am Freitagabend mitteilte, soll die Impfkampagne in der Hauptstadt Havanna und den Provinzen Santiago de Cuba und Matanzas beginnen. Es handelt sich offiziell um eine großangelegte Praxisstudie, bei der zwei von fünf kubanischen Impfstoffkandidaten zum Einsatz kommen sollen. Kuba ist bisher das einzige lateinamerikanische Land, das eigene Corona-Impfstoffe entwickelt.

Kubicki: Bundesregierung war beim Abfassen der Notbremse ahnungslos

Der FDP-Vizevorsitzende Wolfgang Kubicki hat der Bundesregierung vorgeworfen, die Bundesnotbremse in einem Zustand der Ahnungslosigkeit über die Faktenlage verfasst zu haben. "Die Notwendigkeit der Ausgangssperre wurde mit der Nichteinhaltung der Kontaktbeschränkung begründet", sagte der Vizepräsident des Deutschen Bundestags der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Diese Begründung beruhte offensichtlich nicht einmal auf einer Vermutung, sondern auf einer bloßen Behauptung."

Kubicki bezog sich auf eine Antwort des Bundesgesundheitsministeriums auf eine von ihm gestellte Anfrage. Er wollte wissen, wie hoch die Bundesregierung den Anteil der Menschen einschätze, die sich vor dem Inkrafttreten des vierten Bevölkerungsschutzgesetzes mit der darin enthaltenen Bundesnotbremse nicht an die Kontaktbeschränkungen gehalten hätten. Der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Gebhart wies in der Antwort darauf hin, dass dafür ausschließlich die Länder zuständig gewesen seien. "Der Bundesregierung liegen hierzu keine Erkenntnisse vor."

Kubicki erklärte: "Inzwischen ist es auch egal, ob diese Unwissenheit in Inkompetenz oder politischer Berechnung gründet. Beides ist nicht hinnehmbar." Familien, Wirtschaft, Kunst und Kultur hätten derzeit viel zu ertragen. "Die Bundesregierung scheint sich nicht einmal dran zu stören, dass sie die gesamte Bevölkerung in Haftung für ihr Unvermögen nimmt. Wo Ahnungslosigkeit zur Grundlage von Entscheidungen wird, wird sie zur Gefahr", sagte der stellvertretende Vorsitzende der FDP.

Mehr als 15.600 Corona-Neuinfektionen in Deutschland – Sieben-Tage-Inzidenz sinkt auf 121,5

In Deutschland sind innerhalb eines Tages 15.685 Neuinfektionen mit dem Coronavirus registriert worden. Wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Samstagmorgen unter Berufung auf Angaben der Gesundheitsämter mitteilte, wurden zudem 238 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit dem neuartigen Erreger gemeldet.

Die Zahl der Neuinfektionen war um 2800 Fälle niedriger als am Vortag. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz sank weiter auf nunmehr 121,5, nachdem am Vortag ein Wert von 125,7 und am vergangenen Samstag ein Wert von 148,6 gemeldet worden war.

Die Sieben-Tage-Inzidenz ist ein wesentlicher Maßstab für die Verschärfung oder Lockerung von Corona-Auflagen. Sie gibt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche an.

Die Gesamtzahl der verzeichneten Corona-Fälle in Deutschland seit Beginn der Pandemie liegt nach Angaben des RKI mittlerweile bei 3.507.673. Die Zahl der insgesamt registrierten Todesfälle stieg auf 84.648. Die Zahl der von einer Covid-19-Erkrankung Genesenen bezifferte das RKI auf mehr als 3,14 Millionen.

Schweinfurt verbietet Großdemo gegen Corona-Auflagen

Die Stadt Schweinfurt in Unterfranken hat eine für Samstag geplante Großdemonstration gegen die Corona-Auflagen verboten. Wie die Stadt und die Polizei am Freitagabend mitteilten, wurde das Verbot aufgrund neuer Erkenntnisse über das "Gefährdungspotenzial" der Versammlung verhängt.

Das bayerische Innenministerium habe am Freitagabend eine Gefahrenprognose erstellt, die "weitaus brisanter" ausgefallen sei als es die bis dato vorliegenden Informationen vermuten ließen. Die Schweinfurter Polizei werde "das Verbot am Samstag konsequent durchsetzen und keine Zuwiderhandlungen tolerieren", hieß es weiter.

Ein Aktionsbündnis hatte die Versammlung unter dem Motto "Wahrheit, Freiheit, Demokratie" für Samstag auf dem Schweinfurter Volksfestplatz angekündigt. Oberbürgermeister Sebastian Remelé äußerte sich erleichtert über das Verbot und rief die Bürger der Stadt zum Zusammenhalt bei der Pandemiebekämpfung auf. Es dürfe nicht zugelassen werden, "dass rechtsgerichtete und gewaltbereite Gruppierungen die aktuelle Situation nutzen, um sich in unserer Stadt auszubreiten".

Indien meldet mehr als 4000 Corona-Tote

Indien hat neue Höchstwerte von mehr als 4000 Corona-Todesfällen und mehr als 400.000 Neuinfektionen innerhalb eines Tages verzeichnet. Die Regierung meldete am Samstag 4187 Corona-Tote und 401.078 Neuansteckungen binnen 24 Stunden. Damit steigt die Zahl der seit Pandemie-Beginn in Indien registrierten Infektionen auf rund 21,9 Millionen.

Das Land mit seinen 1,36 Milliarden Einwohnern erlebt derzeit eine heftige zweite Corona-Welle. Das Gesundheitssystem ist völlig überlastet. Immer wieder gibt es Berichte über Todesfälle wegen mangelnden Sauerstoffs in Kliniken. Deutschland und andere Staaten schickten inzwischen Nothilfe.

Die Nachrichten von Freitag, 7. Mai 2021:

Astrazeneca soll in Großbritannien nur noch bei über 40-Jährigen eingesetzt werden

Der Corona-Impfstoff von Astrazeneca soll in Großbritannien nur noch bei über 40-Jährigen eingesetzt werden. Diese Empfehlung veröffentlichte das Wissenschaftskomitee JCVI, das die Impfkampagne im Königreich überwacht. Nach Angaben der Arzneimittelbehörde MHRA wurden nach den inzwischen mehr als 28 Millionen Impfungen mit dem Vakzin in Großbritannien 242 Thrombose-Fälle registriert. Unterdessen lockert die Regierung ab 17. Mai die Reisebeschränkungen für England. Das JCVI hatte im April bereits empfohlen, Astrazeneca wenn möglich nur bei über 30-Jährigen einzusetzen. Nun hob es die empfohlene Altersgrenze nochmals an. Es betonte zugleich, dass es sich um eine "Vorsichtsmaßnahme" handele.

England hebt striktes Reiseverbot Mitte Mai auf

Nach mehr als vier Monaten striktem Ausreiseverbot dürfen die Menschen in England ab Mitte Mai unter strengen Auflagen wieder ins Ausland reisen. "Wir müssen sicherstellen, dass die Länder, mit denen wir uns wieder verbinden, sicher sind", sagte der britische Verkehrsminister Grant Shapps, der die Lockerung ab dem 17. Mai bestätigte. Ein Ampelsystem bestimmt je nach Infektionslage einzelner Länder, welche Regeln bei der Einreise beziehungsweise Rückkehr nach England gelten. So müssen Rückkehrer und Einreisende aus "gelben Ländern", zu denen zunächst auch Deutschland gehört, vor ihrer Einreise sowie am Tag zwei und acht nach ihrer Ankunft einen Test machen und sich für zehn Tage in Quarantäne begeben. Wer aus "roten Ländern" einreist, muss sogar auf eigene Kosten für zehn Tage in ein Quarantäne-Hotel. Nur Einreisenden aus "grünen Ländern" bleibt die Quarantäne erspart - auch sie müssen sich jedoch testen lassen. Zu Beginn gehören nur zwölf Länder zu jenen mit grünem Status, darunter Portugal, Israel, Island und Australien.WHO erteilt Corona-Impfstoff von chinesischem Hersteller Sinopharm Notfallzulassung

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat dem Corona-Impfstoff des chinesischen Herstellers Sinopharm eine Notfallzulassung erteilt. "Damit ist er das sechste Vakzin, das von der WHO auf Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität geprüft wurde", sagte der Generaldirektor der UN-Gesundheitsbehörde, Tedros Adhanom Ghebreyesus. Mit Sinopharm erhält die erste chinesische Pharmafirma eine Zulassung der WHO für einen Corona-Impfstoff. Der Impfstoff wird bereits in 42 Ländern auf. Auch die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) leitete in dieser Woche eine Prüfung des Corona-Impfstoffs von Sinovac ein. 

Senat will Ausgangsbeschränkung in Hamburg aufheben

Die seit fünf Wochen in Hamburg wegen der Corona-Pandemie geltende nächtliche Ausgangsbeschränkung soll fallen. Das sagte Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) im Anschluss an eine Sondersitzung des Senats. Voraussetzung sei jedoch, dass die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen an fünf Werktagen stabil unter 100 bleibe. Am Freitag lag sie mit 92,3 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner und Woche den dritten Tag unter diesem Wert. Die dritte Corona-Welle sei gebrochen, sagte Tschentscher und dankte der Bevölkerung für ihre Disziplin bei der Beachtung der verhängten Corona-Maßnahmen.

Bereits seit Karfreitag dürfen Hamburgs Bürgerinnen und Bürger ihre Wohnungen zwischen 21.00 Uhr abends und 5.00 Uhr morgens nicht ohne triftigen Grund verlassen. Die Lebensmittelläden müssen ebenfalls bereits um 21.00 Uhr schließen. Ausgenommen sind Arbeitswege oder Notfälle. Auch die körperliche Betätigung von einzelnen Personen ist nachts erlaubt, ebenso die Versorgung von Tieren, also etwa das Ausführen von Hunden.

Macron fordert von USA und Großbritannien Ende von Exportstopp für Impfstoffe

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat von den USA und Großbritannien ein Ende des Exportstopps für Corona-Impfstoffe und ihre Grundstoffe gefordert. "Die Angelsachsen" blockierten die Ausfuhr vieler Inhaltsstoffe und Impfstoffe, sagte Macron beim EU-Gipfel im portugiesischen Porto. "Heute gehen 100 Prozent der in den Vereinigten Staaten von Amerika produzierten Impfstoffe in den amerikanischen Markt."

Macron zeigte sich gleichzeitig "offen" für eine Diskussion über die Aussetzung von Patenten für Corona-Impfstoffe, die diese Woche von den USA vorgeschlagen worden war. Allerdings nütze die Freigabe nichts, wenn das Know-how, die Impfstoffe zu produzieren, nicht vorhanden sei, sagte der Präsident. "Schlüssel", um die weltweite Knappheit bei Impfstoffen zu bekämpfen, sei deshalb "das Spenden von Dosen".

Lettland meldet höchste Corona-Zahlen seit Februar

In Lettland hat die Anzahl an Corona-Neuinfektionen an einem einzigen Tag erstmals seit Februar wieder die 1000er-Marke überschritten. Mit 1036 Fällen innerhalb von 24 Stunden verzeichnete die Gesundheitsbehörde in Riga am Freitag den höchsten Stand seit 20. Februar. In dem EU-Land mit 1,9 Millionen Einwohnern wurden seit Beginn der Pandemie mehr als 122.000 Corona-Fälle registriert. Etwa 2200 Menschen starben.

Pfizer und Biontech beantragen vollständige US-Zulassung für Corona-Impfstoff

Der US-Pharmakonzern Pfizer und sein Mainzer Partner Biontech beantragen in den USA eine vollständige Zulassung ihres Corona-Impfstoffes. Wie beide Unternehmen mitteilten, begannen sie mit dem Einreichen der notwendigen Unterlagen bei der US-Arzneimittelbehörde FDA. Biontech und Pfizer werden demnach die Dokumente in den kommenden Wochen fortlaufend einreichen und haben eine "priorisierte Prüfung der Unterlagen" beantragt. Angestrebt wird eine vollständige Zulassung für Impfungen bei Menschen ab einem Alter von 16 Jahren.

Arme Länder müssen wegen Krise in Indien länger auf Impfstoff warten

Die verheerende Coronakrise in Indien hat auch für ärmere Länder im Rest der Welt gravierende Folgen. Sie erhalten versprochene Impfdosen nicht, weil Indien die Produktion aus dem indischen Serum-Institut nun selbst beansprucht. Dort hatte das internationale Impfprogramm Covax, auf das sich viele ärmere Länder bei der Versorgung mit Impfstoff verlassen, einen großen Teil seiner Impfdosen bestellt. "Covax rechnet nicht mehr damit, dass die Lieferung von Impfdosen aus dem Serum-Institut im Mai wieder aufgenommen werden", sagte eine Sprecherin der Impfinitiative Gavi, die Covax managt, der Deutschen Presse-Agentur in Genf.

Rheinland-Pfalz öffnet in Regionen mit Inzidenz unter 100 wieder

Rheinland-Pfalz lockert von kommenden Mittwoch an die Corona-Regeln in Kreisen und kreisfreien Städten mit einer stabilen Inzidenz unter 100. Der gesamte Handel kann wieder öffnen, für ihn gelten dann die gleichen Bedingungen wie in den Lebensmittelgeschäften, kündigte die Staatskanzlei nach einer Sitzung des Corona-Kabinetts am Freitag in Mainz an. Zudem soll die Vermietung von Ferienwohnungen und die Übernachtung in Wohnmobilen mit eigenen sanitären Anlagen dann wieder möglich sein.

EU-Arzneibehörde untersucht neue Covid-19-Therapie

Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) hat die Prüfung eines Medikaments zur Behandlung von Covid-19-Patienten in Gang gesetzt. Studienergebnisse des Antikörper-Mittels Sotrovimab würden nach dem beschleunigten Rolling Review-Verfahren bewertet, teilte die EMA am Freitag in Amsterdam mit. Das Präparat wird von dem britischen Hersteller GlaxoSmithKline gemeinsam mit dem US-Unternehmen Vir Biotechnology produziert.

Erste Ergebnisse von Studien deuten nach Angaben der EMA darauf hin, dass das Mittel einen schweren Verlauf der Covid-19-Erkrankung und damit Krankenhausaufnahme und auch Tod verhindern könne. Da die EMA aber noch nicht alle Daten erhalten habe, könne man Nutzen und Risiken noch nicht gegeneinander abwägen. Wie lange die Prüfung dauern wird, ist unklar. Im Rolling Review-Verfahren werden Daten bereits bewertet, bevor die Studien abgeschlossen sind und ein Antrag auf Marktzulassung gestellt wurde. Die Experten der EMA prüfen bereits drei weitere Antikörper-Mittel gegen Covid-19. Bisher ist Remdesivir das einzige Medikament, das die Behörde zur Behandlung von Covid-19 zugelassen hat.

Biontech und Pfizer beantragen vollständige US-Zulassung

Die Impfstoffhersteller Biontech und Pfizer wollen in den USA eigenen Angaben zufolge die vollständige Zulassung ihres Covid-Vakzins für alle Menschen über 16 erreichen. Die Firmen aus Deutschland und den USA begannen nach Angaben vom Freitag den Prozess der Einreichung bei der zuständigen US-Behörde FDA und beantragten eine bevorzugte Prüfung. Bis zur abschließenden Entscheidung könnte es Wochen oder Monate dauern. Bislang hat der sehr erfolgreiche und effektive Impfstoff von Biontech/Pfizer in Amerika eine Notfallzulassung und wurde bereits mehr als 130 Millionen Mal gespritzt. Die Firmen bemühen sich auch um eine Zulassung für die Altersgruppe von 12 bis 15.

Merkel: Corona-Impfung für Jüngere soll schnell kommen

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat bekräftigt, dass Kinder und Jugendliche nach Zulassung von Corona-Impfstoffen für ihre Altersgruppe beim Impfen schnell an die Reihe kommen sollen. "Wir wollen ja sowieso dann ab Anfang Juni die Priorisierung aufheben. Aber wir werden auch mit den Ländern darüber sprechen: "Wie können wir möglichst sicherstellen, dass dann die jungen Leute auch schnell drankommen?"", sagte Merkel am Freitag bei einer Online-Diskussion im Rahmen von sogenannten Jugendpolitiktagen.

Der deutsche Impfstoffhersteller Biontech und sein US-Partner Pfizer hatten kürzlich bei der europäischen Zulassungsbehörde EMA die Zulassung ihres Präparats für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 15 Jahren beantragt. Merkel zeigte sich sehr zuversichtlich: "Das wird sicherlich sehr zeitnah passieren." 

Stiko will Impfstoff von Johnson & Johnson nur für über 60-Jährige empfehlen

Dem nächsten Corona–Impfstoff droht offenbar ein ähnliches Schicksal wie dem von AstraZeneca: Nach Informationen des "Spiegel" will die Ständige Impfkommission (Stiko) den Impfstoff des Herstellers Johnson & Johnson ab Montag nur noch für Personen ab 60 Jahren empfehlen. Jüngere sollen den Impfstoff demnach aber nach Aufklärung durch einen Arzt weiter nutzen dürfen. Ähnlich wie beim Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers AstraZeneca wurden auch bei Johnson & Johnson in einzelnen Fällen Blutgerinnsel nach einer Impfung beobachtet.

Jugendliche klagen bei Merkel und Giffey über psychische Belastung in Coronakrise

Bei einer Veranstaltung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesjugendministerin Franziska Giffey (SPD) haben Jugendliche auf die psychischen Belastungen für ihre Altersgruppe im Corona-Lockdown aufmerksam gemacht. Mehrere Teilnehmer der "Jugendpolitiktage 2021" in Berlin berichteten am Freitag über Stress und psychischen Druck in der Pandemie. Merkel sagte, in der aktuellen Situation seien viele "einfühlsame Pädagogen" nötig. 

Epidemiologe Timo Ulrichs im "ntv Frühstart"

Doppelt so hoch: Forscher schätzen 6,9 Millionen Corona-Todesfälle weltweit

Die Corona-Pandemie könnte mehr als doppelt so viele Todesfälle ausgelöst haben wie bisher angenommen. Schätzungen von Forschern der Universität Washington im gleichnamigen US-Bundesstaat hätten ergeben, dass weltweit 6,9 Millionen Menschen durch eine Infektion mit dem Coronavirus gestorben sein dürften, erklärte der Direktor des verantwortlichen Uni-Instituts IHME, Christopher Murray, am Donnerstag (Ortszeit). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gab die Zahl der weltweiten Coronatoten am selben Tag mit rund 3,2 Millionen an.

In fast jedem Land der Welt gebe es signifikante Lücken bei der Erfassung der Todesfälle, es gebe aber deutliche Unterschiede zwischen den Ländern, erklärt das Institut. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass in Deutschland rund 120 700 Menschen infolge einer Infektion mit dem Erreger Sars-CoV-2 starben. Die WHO nennt über 84 000. Global betrachtet stehe Deutschland mit Blick auf die Erfassung nicht schlecht da, sagt Murray. Als Grund für die, auch in reichen Ländern wie Deutschland, deutlich abweichenden Zahlen vermutet das Institut die mangelnde Erfassung älterer Menschen, vor allem in der Langzeitpflege.

Malta und Algarve werden von Corona-Risikoliste gestrichen

Die Bundesregierung streicht am Sonntag weitere beliebte Urlaubsgebiete im Ausland wegen stark sinkender Infektionszahlen von der Corona-Risikoliste. Wer aus Malta oder von der portugiesische Algarve nach Deutschland einreist, muss dann nicht mehr in Quarantäne. Das gab das Robert Koch-Institut am Freitag auf seiner Internetseite bekannt. Für die Algarve sind die Auswirkungen aber zunächst gering, weil dort für deutsche Touristen wegen der hohen Infektionszahlen hierzulande ein Einreiseverbot gilt.

Das Nachbarland Polen wird am Sonntag vom Hochinzidenz- zum Risikogebiet heruntergestuft. Damit entfällt die Corona-Testpflicht vor Einreise auf dem Landweg. Es reicht dann wieder, wenn man sich bis zu 48 Stunden nach Einreise testen lässt.

Tourismusverbände begrüßen Öffnungen – einheitliche Pläne gefordert

Deutsche Tourismusverbände begrüßen die einzelnen Länderinitiativen zur Öffnung und fordern bundeseinheitliche Konzepte für die touristischen Betriebe. "Wir begrüßen, dass die Politik endlich erkannt hat, dass verantwortungsvoller Tourismus mit Sicherheitskonzepten selbst bei einem Inzidenzwert bis 100 möglich ist", sagten Michael Buller und Petra Thomas, die Sprecher des Aktionsbündnisses Tourismusvielfalt, am Freitag.

Ein "Flickenteppich" aus sechzehn unterschiedlichen Verordnungen sei allerdings keine Lösung, kritisiert Buller. "Wenn in Hessen andere Regeln gelten als in Bayern, ist das für Gäste, Gastgeber und Reiseunternehmen nicht nachvollziehbar. Urlauber wollen jetzt wissen, ob sie ihren Urlaub sicher buchen können." Das Aktionsbündnis fordert daher eine einheitliche bundesweite Regelung. Mittels sinnvoller Teststrategien, Impfungen und Corona-Schutzmaßnahmen lasse sich bereits eine hohe Sicherheit im Urlaub gewährleisten.

Spahn will an Patentschutz für Impfstoffe festhalten

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat Forderungen nach einer Aussetzung des Patentschutzes für Corona-Impfstoffe zurückgewiesen. "Das Hauptthema ist nicht die Frage von Patenten, sondern von Produktionskapazitäten", sagte Spahn am Freitag in Berlin. Der für deren Aufbau notwendige Technologietransfer lasse sich aber leichter in einem kooperativen Ansatz bewerkstelligen. Spahn wies darauf hin, dass sich etwa die modernen mRNA-Impfstoffe wie der von Biontech/Pfizer "nicht einfach per Lizenz mal irgendwo produzieren" ließen. Wichtig seien hier Kooperationen, wie es sie auch beispielsweise mit Indien und Südafrika bereits gebe. "Wenn mehr Kooperation möglich ist, helfen wir gerne mit, solche Kooperationen zu befördern."

Auch er halte es für wichtig, weltweit mehr Impfstoffe zur Verfügung zu stellen "und auch bezahlbar zu machen", sagte Spahn. Allerdings habe Deutschland "als Innovationsstandort auch ein Interesse daran, dass es geistiges Eigentum gibt", rechtfertigte er sein Festhalten an Patentrechten der beteiligten Firmen gegen Kritik. Es gehe hier auch um die Anerkennung von Forschungsleistungen, die "wir gerade gefeiert haben".

Spahn: Kommende Woche eine Million Astrazeneca-Dosen ohne Priorität

In der kommenden Woche sollen eine Million Astrazeneca-Dosen an die Arztpraxen in Deutschland geliefert werden, die dann ohne Priorisierung vergeben werden. Das kündigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag in Berlin an. Am Vortag hatten Bund und Länder die Priorisierung mit einer festen Vorrangliste für diesen Impfstoff aufgehoben. Künftig ist es dem Arzt in Absprache mit dem Impfling auch freigestellt, den Abstand für eine Astrazeneca-Zweitimpfung von zwölf auf bis zu vier Wochen zu verkürzen.

Spahn betonte: "Die Wirksamkeit ist umso höher, desto länger der Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfung ist." Die Wirksamkeit einer zweimaligen Impfung im Abstand von vier bis acht Wochen liegt laut Studien bei 50,4 Prozent, bei zwölf und mehr Wochen bei bis zu 82,4 Prozent. Auf die Frage, ob mit einer Verkürzung des Intervalls die Urlaubsplanung von Impfwilligen zulasten der Wirksamkeit unterstützt werden soll, verteidigte Spahn den Schritt: Viele wollten sich augenscheinlich derzeit nicht mit Astrazeneca impfen lassen, weil sie dann erst im August den vollen Impfschutz bekommen. Da auch die Erstimpfung schon gegen das Virus schütze, sei so eine geringere Akzeptanz aber für die Pandemiebekämpfung insgesamt nicht gut. "In dieser Phase der Pandemie haben wir ein großes Interesse daran, dass viele Menschen sich impfen lassen."

RKI-Chef gegen schnelle Lockerungen – "Ballon unter Wasser halten"

Trotz der Fortschritte bei der Pandemiebekämpfung dringt der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI) auf Geduld und vorsichtige Öffnungsschritte. Die gegenwärtige Entwicklung mit sinkenden Inzidenzen, leicht sinkender Belegung der Intensivstation und immer mehr Impfungen gebe Hoffnung, "dass wir die Pandemie bald kontrollieren können", sagte Lothar Wieler am Freitag in Berlin. Dennoch blieben noch Maßnahmen zur Kontaktreduktion und die Einhaltung der Regeln nötig.

"Die Pandemie ist quasi wie ein prall gefüllter Luftballon, den wir zusammen unter der Wasseroberfläche halten." Das sei ein gemeinsamer Kraftakt. Würden schlagartig alle Maßnahmen aufgehoben, breite sich das Virus wieder rasant aus. "Um im Bild zu bleiben: Wenn wir den Ballon jetzt loslassen, springt er über die Wasseroberfläche. Wir dürfen also nicht ungezielt lockern." Mit zunehmenden Impfungen von Woche zu Woche könnten aber nach und nach auch einzelne Maßnahmen zurückgenommen werden. "Der Ballon verliert sozusagen langsam Luft, und es braucht aber immer weniger Kraft, ihn unten zu halten." Noch habe der Ballon aber genug Luft. "Zügig impfen, kontrolliert öffnen", betonte Wieler. 

Ein weißer Mann mit kurzen braunen Locken steht in blauem Anzug an einem Rednerpult und gestikuliert mit der linken Hand

Mehr als 31 Prozent der Bürger gegen Corona erstgeimpft

In Deutschland haben 31,5 Prozent der Menschen mindestens eine Corona-Impfung erhalten. Das teilte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit Verweis auf das Impfquotenmonitoring des Robert Koch-Instituts (RKI) am Freitag bei einer Pressekonferenz mit. Den vollen Impfschutz erhielten demnach bislang 8,8 Prozent der Bevölkerung.

Am Donnerstag wurden nach Angaben des RKI (Stand: 7. Mai, 10.10 Uhr) 932.495 Impfungen gemeldet. Der bislang höchste Tageswert seit Beginn der Impfkampagne war am Mittwoch vergangener Woche mit 1.116.608 Impfungen erreicht worden. Insgesamt verabreichten alle Impfstellen bislang knapp 33,6 Millionen Dosen, davon etwas mehr als 26,2 Millionen bei Erstimpfungen und weitere fast 7,4 Millionen bei Zweitimpfungen.

Gesundheitsminister Spahn und RKI-Präsident Wieler zur Pandemie-Lage

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und der Präsident des Robert-Koch-Instituts Lothar Wieler äußern sich in Berlin zur aktuellen Corona-Lage in Deutschland. Es gelte nun, steigende Zahlen zu verhindern, sagte Spahn. Es gehe in den nächsten Wochen darum, jetzt nicht nachzulassen. Er appellierte, Lockerungen möglichst nur im Außenbereich vorzunehmen, da das Infektionsrisiko dort geringer sei. "Es braucht Umsicht und Vorsicht." 

31,5 Prozent der deutschen Bevölkerung sei mittlerweile erstgeimpft, 8,8 Prozent sind vollständig geimpft, verkündete Spahn. Man sei beim Impfen jetzt auf der "Überholspur". 

"Die letzten Monate waren hart", sagte Spahn. Man sei aber mit niedrigeren Inzidenzen als in anderen Staaten besser durch die zweite und dritte Welle gekommen. Das Gesundheitswesen sei zwar gefordert, aber nicht überfordert gewesen. "Jetzt geht es darum, die nächsten Wochen durchzuhalten." Das Erreichte solle nicht verspielt werden, Ungeduld würde dem Virus helfen.

RKI-Präsident Wieler sagte, dass mehr als 70 Prozent der Intensivbereiche begrenzt oder ausgelastet sind. "Das sind Höchstwerte", sagte er in Berlin. Die Entwicklung sei aber "sehr positiv" und gebe Hoffnung, "die Pandemie bald kontrollieren" zu können. Je höher die Impfquote, desto mehr Fälle könnten verhindert und Maßnahmen gelockert werden, so Wieler. Bei einer Immunität von mehr als 80 Prozent könnte Infektionen nicht verhindern, aber Wellen und schwere Verläufe und Todesfälle minimieren oder gar verhindern. 

Bundesrat stimmt Erleichterungen für Geimpfte zu

Für vollständig Geimpfte und von Corona Genesene werden die Pandemie-Regeln gelockert. Einen Tag nach dem Bundestag passierte die entsprechende Verordnung am Freitag auch den Bundesrat. Wenn sie nun zügig im Bundesgesetzblatt veröffentlicht wird, könnten die Lockerungen bereits am Wochenende gelten.

Laut Verordnung fallen nun etwa Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen für vollständig Geimpfte und Genesene weg. Bei Treffen mit anderen Personen werden sie nicht mitgezählt. Also könnten sich zum Beispiel auch in Regionen mit hohen Infektionszahlen zwei nicht geimpfte Menschen mit einer unbegrenzten Zahl Geimpfter treffen. Geimpfte müssen zudem in Läden oder beim Friseur keinen Test mehr machen. Abendliche Ausgangsbeschränkungen fallen für beide Gruppen ebenfalls weg, nach Reisen oder nach Kontakt zu Infizierten müssen sie in der Regel auch nicht mehr in Quarantäne – außer man hat sich mit einer in Deutschland noch nicht verbreiteten Virusvariante angesteckt oder man reist aus einem Virusvarianten-Gebiet ein. Auch Geimpfte und Genesene müssen aber weiter Masken an bestimmten Orten und in Gebäuden tragen und Abstandsregeln befolgen.

Altmaier stimmt aus Versehen für Patentfreigabe von Impfstoffen

Als einziges Mitglied seiner Fraktion und der Bundesregierung hat der CDU-Abgeordnete und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier am Donnerstag für die Patentfreigabe bei Impfstoffen gestimmt – und damit gegen eine Beschlussempfehlung des Gesundheitsausschusses. Wie Altmaier am Freitagmorgen auf Twitter mitteilte, handelte es sich dabei um ein Versehen. "Richtigstellung: Es handelt sich offenbar um einen Irrtum. Ich teile in dieser Frage die einhellige Haltung meiner Fraktion", schrieb der Bundeswirtschaftsminister auf Twitter. Anträge der Linken lehne er grundsätzlich ab. "Möglicherweise habe ich eine falsche Karte in die Urne geworfen", schrieb Altmaier weiter. Er werde den Vorgang klären. 

RKI registriert 18.485 Corona-Neuinfektionen und 284 neue Todesfälle

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 18.485 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das geht aus Zahlen des RKI von Freitagmorgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 05:10 Uhr wiedergeben. Zum Vergleich: Am Freitag vor einer Woche hatte der Wert bei 24.329 gelegen. Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner lag laut RKI am Freitagmorgen bundesweit bei 125,7 (Vortag: 129,1; Vorwoche: 153,4).

Deutschlandweit wurden nach RKI-Angaben binnen 24 Stunden 284 neue Todesfälle verzeichnet. Vor genau einer Woche waren es 306 Tote.

Weitere Expertenstimmen zum Thema:




"Die Fälle, die wir zu Beginn der Epidemie berichtet bekommen haben, repräsentierten nur die absolute Spitze des Eisbergs. Die Menschen mit starken Symptomen waren primär Ältere. Viele junge Patienten hingegen zeigten nur geringe oder auch keine Krankheitszeichen. Deshalb wurden sie anfangs oft übersehen, da nur getestet wurde, wer Symptome und direkten Kontakt zu einer Person mit nachgewiesener Infektion hatte. Zusätzlich wurden durch die SchulschließungenKinder und Jugendliche geschützt. Daher ist es logisch, dass wir, wenn wir jetzt mehr und unabhängig von Symptomen testen, auch mehr Junge unter den Infizierten beobachten.

"Zwei wichtige Punkte sind zu bedenken: Je weiter sich das Virus bei jungen Menschen verbreitet, desto stärker und diverser kann es sich in der Gesellschaft verbreiten. Junge Menschen haben in der Regel einerseits mehr soziale Kontakte, an die sie das Virus weitergeben können, als ältere. Andererseits bemerken sie eine Infektion angesichts ausbleibender Symptome häufig nicht und isolieren sich daher auch nicht. Stecken sich mehr Menschen an, steigt auch die Zahl der schweren Krankheitsverläufe. Je weniger Symptome Infizierte zeigen, desto weniger Überblick haben wir darüber, wer wirklich infiziert ist. Maßnahmen können dadurch weniger zielgerichtet eingesetzt werden, Einschätzungen der aktuellen Lage sind weniger realistisch."

"Es ist davon auszugehen, dass die Infektionszahlen in den kommenden Tagen und Wochen vermutlich weiter ansteigen werden – und dass das durchschnittliche Alter der Infizierten weiter sinken wird. Faktoren hierfür sind unter anderem vermutlich Urlaubsreisen und die Öffnungen der Schulen. Dadurch werden künftig verstärkt auch junge Menschen betroffen sein, die bisher intensiv geschützt und aus dem Infektionsgeschehen herausgehalten worden sind. Sie werden jetzt vermehrt exponiert. Der Altersdurchschnitt wird dadurch noch deutlich nach unten gehen.“

„Da der Schulunterricht für Kinder jedoch sehr wichtig ist, sollte unser Hauptaugenmerk auf einer sicheren Gestaltung dessen liegen. An dieser Stelle könnte der Einsatz von regelmäßigen Tests gesellschaftlich sinnvoller sein als zum Ermöglichen von Fußballspielen vor Publikum."


"Die aktuelle Dynamik ist klar ersichtlich: Die Infektionszahlen nehmen jeden Tag zu und wir sind derzeit wieder auf einem Stand von Mai. Allerdings muss man berücksichtigen, dass die Teststrategie heute eine andere ist, wir testen beispielsweise im größeren Stil auch Reiserückkehrer aus den Sommerferien. Es ist daher nicht verwunderlich, dass wir in den aktuellen Ergebnissen mehr Infektionen bei jungen Erwachsenen aber auch Kindern registrieren. Diese werden jetzt systematisch getestet, wenn sie gerade aus dem Familienurlaub aus Risikogebieten zurückkommen. Diese Gruppe gab es so im Mai nicht, sie ist nicht getestet worden und tauchte daher auch nicht in den Daten auf. Daher ist die aktuelle Entwicklung auch nicht gleichzusetzen mit der Aussage, dass die jungen Altersgruppen nun doch ein höheres Risiko hätten zu erkranken als die älteren. Das hängt einfach von sehr vielen äußeren Faktoren, wie der Teststrategie, aber auch von dem Testumfeld ab. Beispielsweise ist der Anteil der Kinder an den positiven Tests in Sachsen oder Mecklenburg-Vorpommern insgesamt immer noch sehr gering, was beispielsweise auch mit traditionell anderen Urlaubszielen im Vergleich zu Nordrhein-Westfalen oder Bayern zusammenhängen kann. Ich glaube die Schulöffnung in einzelnen Bundesländer wie NRW, Berlin, Hamburg oder auch Hessen spielen bei dem aktuellen Anstieg der Fälle in den jüngeren Altersgruppen keine große Rolle und sollte daher auch nicht überschätzt werden.

Die Zunahme der positiven Tests unter den Jungen hängt damit aus meiner Sicht – und da stimme ich sehr mit der Einschätzung des RKI überein – hauptsächlich mit den Tests der Reiserückkehrern zusammen. Wie bereits das RKI beobachtet hat und wie es auch andere Länder erfasst haben, spielen außerdem Feiern im privaten und öffentlichen Umfeld eine große Rolle bei der Weiterverbreitung. Wenn sich viele Menschen unbesorgt treffen und ungeschützt austauschen, dann kann da immer auch jemand dabei sein, der ohne wesentliche Symptome infiziert ist. Ich glaube, man muss sich davor hüten zu glauben, nur weil die Sonne scheint wäre jetzt alles ganz entspannt, und es gäbe kein Ansteckungsrisiko.

Ich halte es für absolut sinnvoll die Reiserückkehrer aus Risikogebieten, bei denen wir annehmen, dass sie ein Risiko für den Eintrag der Infektion auch in andere Bevölkerungsgruppen darstellen, großzügig zu testen, auch wenn man damit natürlich eine ungewöhnliche oder eine bisher nicht beobachtete Verteilung der prozentualen Häufigkeiten erhält. Meiner Meinung nach sollte man auch überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre bei diesen Menschen systematisch einen zweiten Test durchzuführen. Nur weil ein Test am Flughafen negativ ausgefallen ist, heißt es nicht, dass dieser in drei, vier Tagen nicht trotzdem positiv ausfallen könnte. Dieses negative Testergebnis ist kein Freibrief.

Das Bild darüber, inwiefern Kinder durch eine SARS-CoV-2-Infektion gefährdet sind und insbesondere inwiefern sie auch relevant zur Übertragung des Virus beitragen, fügt sich mit jeder Studie wie bei einem riesigen Puzzle nach und nach zusammen. Und das Puzzle ist noch lange nicht fertig.

Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass die Kinder keine extrem große Rolle in der Verbreitung des Virus spielen. Aber bei mutmaßlich insgesamt stark steigenden Fallzahlen im Herbst, werden wir auch Infektionen in Schulen und Kindergärten und Kindertagesstätten haben. Da muss sehr genau überlegt werden, wie wir damit umgehen. Eine wesentliche Herausforderung wird dabei sein, sinnvolle Konzepte zu entwickeln, um großräumige Schul- oder Kita-Schließungen zu verhindern.


"Der Anstieg in der Altersgruppe unter 20 Jahren beziehungsweise die Verschiebung des Altersdurchschnitts ist bedenklich, besonders in Hinsicht auf den bevorstehenden Beginn des Schuljahrs und des Semesters. Falls die Übertragung in dieser Altersgruppe stattfindet, muss man unpopuläre Maßnahmen ergreifen, die zur Einhaltung von mehr ‚sozialer Distanz‘ führen.

Familienurlaube als einzige Erklärung reichen für den Trend als Erklärung nicht aus, Infektionen werden auch in den Peer Groups weitergegeben. Im Hinblick auf das Schuljahr ist das keine gute Entwicklung.

Auf die Frage, inwiefern die aktuelle Dynamik mit vermehrten Tests unter Reiserückkehrern erklärbar ist:
Das Testen von Kontaktpersonen und Reiserückkehrern findet selbstverständlich vermehrt eben dort Infektionen, aber diese kommen offensichtlich auch häufiger vor als in der gesamten Bevölkerung. Die Fallzahlen werden nach dem Ende der Urlaubszeit nur fallen, wenn sich das Verhalten ändert.

Auf die Frage, welche Risikoumgebungen sich derzeit herauskristallisieren, in denen gehäuft Ansteckungen stattfinden:
"Selbstverständlich bei Reiserückkehrern, zusätzlich bei privaten Feiern – häufig entstehen kleinere Cluster aus einer Kombination dieser beiden Faktoren."

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.491.988 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 3.128.800 an. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 84.410.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Donnerstagabend bei 0,88 (Vortag: 0,83). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 88 weitere Menschen anstecken. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor 8 bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen.

Impfkommission: Zunächst an Priorisierung festhalten

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat sich zunächst weiter für eine bevorzugte Impfung besonders gefährdeter Gruppen gegen Covid-19 ausgesprochen. "Nach Ansicht der Stiko sollte an der Priorisierung zunächst festgehalten werden", berichtete das Gremium am Robert Koch-Institut am Donnerstagmittag. Die Erklärung wurde vor der Mitteilung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) veröffentlicht, dass die Priorisierung für das Produkt von Astrazeneca im gewissen Rahmen aufgehoben worden sei.

Es gibt laut Stiko bei anhaltend hoher Impfbereitschaft einen "noch beträchtlichen Anteil an impfbereiten Personen mit hohem Risiko für einen schweren Covid-19 Verlauf, die noch keine Möglichkeit zur Impfung hatten". Das Gremium verteidigte die getroffene Priorisierung: Dies habe dazu beigetragen, dass besonders gefährdete Menschen zuerst geimpft wurden "und dadurch schwere Covid-19- Verläufe und Todesfälle deutlich reduziert werden konnten". 

EU-Gipfel berät über Patente für Corona-Impfstoffe und soziales Europa

Die EU-Staats- und Regierungschefs kommen am Freitag in Portugal zu einem zweitägigen Gipfel zur Corona-Pandemie und der Stärkung der europäischen Sozialpolitik zusammen. Das Spitzentreffen in der Hafenstadt Porto beginnt am Abend (20.45 Uhr MESZ). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nimmt wegen der Corona-Lage in Deutschland nur per Video-Schalte teil. EU-Vertretern zufolge soll auch über die US-Initiative beraten werden, den Patentschutz für Corona-Impfstoffe auszusetzen, um weltweit mehr Impfungen zu ermöglichen.

EU-Diplomaten erwarteten zudem, dass am Freitagabend die jüngsten Spannungen mit Russland diskutiert werden. Am Samstag wollen die EU-Staats- und Regierungschefs dann eine politische Erklärung zum Ausbau des sozialen Europas verabschieden. Am Freitag findet hierzu bereits eine Konferenz mit den Spitzenvertretern der EU-Institutionen, Ministern und Sozialpartnern statt (15.00 Uhr MESZ).

Die Nachrichten von Donnerstag, 6. Mai 2021:

Harry und Meghan rufen zu Geburtstag ihres Sohns zu Spenden für Impfungen auf

Prinz Harry und seine Frau Meghan haben zum zweiten Geburtstag ihres Sohnes Archie zu Spenden für Corona-Impfungen in ärmeren Ländern aufgerufen. Rund 80 Prozent der bislang weltweit fast eine Milliarde Corona-Impfungen seien in wohlhabenden Ländern verabreicht worden, erklärte das Paar. Dagegen habe in vielen ärmeren Ländern noch nicht einmal die Verteilung der Impfstoffe begonnen. Die Krise könne erst überstanden werden, "wenn jeder überall einen gleichen Zugang zu Impfungen hat", erklärten der Herzog und die Herzogin von Sussex auf der Website ihrer wohltätigen Archewell-Stiftung. "Wir laden Sie alle ein, beizusteuern was Sie können - wenn Sie die Mittel dazu haben - um Impfstoffe zu den Familien in den verwundbarsten Orten der Welt zu bringen."

Moderna-Impfstoff bei Jugendlichen zu 96 Prozent wirksam

Der Corona-Impfstoff des US-Pharmaunternehmens Moderna hat laut ersten Studienergebnissen bei Jugendlichen eine Wirksamkeit von 96 Prozent. Die Studienteilnehmer im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren hätten das Vakzin grundsätzlich gut vertragen, erklärte das Unternehmen. Das Moderna-Vakzin ist derzeit unter anderem in Europa und in den USA ab einem Alter von 18 Jahren zugelassen. Der Impfstoff der Allianz Biontech/Pfizer ist bereits ab einem Alter von 16 Jahren genehmigt, die Unternehmen haben zudem Anträge auf eine Zulassung ab zwölf Jahren gestellt. Kanada ließ den Biontech/Pfizer-Impfstoff als erstes Land weltweit für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren zu.

Gesundheitsminister heben Impfpriorisierung für Astrazeneca komplett auf

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern haben die Impfpriorisierung für den Impfstoff von Astrazeneca komplett aufgehoben. "Bei Impfungen in Arztpraxen entscheiden Ärzte, wer wann geimpft wird", sagte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nach der Gesundheitsministerkonferenz. Sie sollen entscheiden, mit welchem Impfstoff Patienten geimpft werden. Mit der Aufhebung solle die Impfkampagne optimiert und flexibler werden. Spahn kündigte zudem an, dass allen Jugendlichen ab zwölf Jahren bis Ende August ein Impfangebot gemacht werden könne, wenn der Impfstoff von Biontech von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) zugelassen werde. Nach derzeitigem Stand sei die Zulassung für den Juni zu erwarten.

Zweiter deutscher Hilfsflieger kommt in Indien an

Ein zweites Flugzeug mit deutschen Corona-Hilfslieferungen ist in Neu Delhi angekommen. Dies teilte die Luftwaffe mit. Sie brachte damit Bauteile einer Sauerstoffgewinnungsanlage nach Indien, das gerade unter einer heftigen zweiten Welle leidet und wo Krankenhäusern angesichts der vielen Kranken immer wieder der medizinische Sauerstoff ausgeht. Die restlichen Teile der deutschen Anlage sollen am Freitag in einem weiteren Transportflieger in Indien ankommen. 13 deutsche Sanitätssoldatinnen und Sanitätssoldaten sollen sie aufbauen und Personal des örtlichen Roten Kreuzes einweisen. Die Anlage macht Außenluft zu medizinischem, hochprozentigem Sauerstoff, der anschließend abgefüllt werden kann. Sie soll bei einem Corona-Krankenhaus in der Hauptstadt stehen.

Belgien zählt eine Million Corona-Fälle

Belgien hat in der Coronakrise die Marke von einer Million Infektionen überschritten. Nach Angaben der zuständigen Behörde gab es bislang 1 003 746 bestätigte Fälle. Der erste Corona-Fall in dem Land mit rund 11,5 Millionen Einwohnern wurde am 4. Februar 2020 registriert. Zum Vergleich: In Deutschland mit rund 83 Millionen Einwohnern wurden bislang gut 3,47 Millionen Corona-Fälle registriert.

EU-Kommission will mehr in Entwicklung von Corona-Medikamenten investieren

Die EU-Kommission will sich neben der Beschaffung von Impfstoffen gegen das Coronavirus mehr auf die Entwicklung von Medikamenten konzentrieren. Ziel sei es, bis Oktober drei neue Mittel zur Behandlung von Covid-19 zu entwickeln und zu genehmigen, sagte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides in Brüssel. Besonderer Fokus solle dabei auf den Langzeitfolgen der Erkrankungen liegen.

EU verlängert Exportkontrolle von Corona-Impfstoff

Die Europäische Union verlängert die Exportkontrolle von Corona-Impfstoffen bis Ende Juni. Die EU-Staaten hätten zugestimmt der Verlängerung zugestimmt, sagte eine Sprecherin der EU-Kommission am in Brüssel. Angesichts knappen Impfstoffs und ausfallender Lieferungen hatte die EU-Kommission den Mechanismus am 1. Februar eingeführt. Seitdem müssen Impfstoff-Exporte aus EU-Staaten in viele Länder angemeldet und genehmigt werden. Im März wurde das Instrument verschärft. In bestimmten Fällen kann die Ausfuhr untersagt werden.

Bundestag stimmt Lockerungen für Geimpfte und Genesene zu

Für vollständig Geimpfte und genesene Menschen sollen zahlreiche Corona-Beschränkungen entfallen. Der Bundestag billigte eine entsprechende Verordnung der Bundesregierung mit großer Mehrheit. Dafür stimmten die schwarz-rote Koalition, Grüne und Linke. Die FDP enthielt sich, die AfD votierte dagegen. Wenn an diesem Freitag auch der Bundesrat zustimmt, könnten die Erleichterungen am Wochenende in Kraft treten.

Für Geimpfte und Genesene sollen auch automatisch die Erleichterungen gelten, die bisher Menschen mit negativen Coronatests vorbehalten sind. Vorgesehen ist, dass sich vollständig geimpfte oder genesene Personen unbeschränkt treffen können. Bei Treffen mit anderen Personen sollen sie nicht mitgezählt werden. Also könnten sich zum Beispiel auch in Regionen mit hohen Infektionszahlen zwei nicht geimpfte Menschen mit einer unbegrenzten Zahl geimpften treffen.

EU-Einreisestopp gilt nicht mehr für Israel

Reisende aus Israel können künftig wieder leichter in die Europäische Union einreisen. Aufgrund der verbesserten Corona-Lage gilt für das Land eine Ausnahme der zu Beginn der Corona-Pandemie eingeführten Einreisebeschränkungen, wie der Rat der EU-Staaten mitteilte. Die Einschränkungen für Reisende aus Israel sollten schrittweise aufgehoben werden.

Auf der Liste jener Staaten, aus denen die Einreise möglich ist, stehen neben Israel sechs weitere Länder: Australien, Neuseeland, Ruanda, Singapur, Südkorea und Thailand. Für alle anderen Staaten gelten drastische Einschränkungen. Die Liste wird regelmäßig überarbeitet.

Tourismusverband: "Sommerurlaub steht nichts mehr im Wege"

Der Geschäftsführer des Deutschen Tourismusverbandes, Norbert Kunz, ist davon überzeugt, dass die Bürger im Sommer wieder verreisen werden können. "Es wird Sommerferien, Tourismus im Sommer geben. Davon bin ich überzeugt", sagte Kunz der "Passauer Neuen Presse". Würden die Corona-Vorsichtsmaßnahmen eingehalten, "dann steht dem Sommerurlaub, davon bin ich mir ganz sicher, nichts mehr im Wege." Kunz rechnet mit einem "moderaten" Anstieg der Preise.

Kunden müssten sich bei Buchungen des Pfingst- oder Sommerurlaubs nicht besonders beeilen, beruhigte Kunz. "Es geht nicht darum, sehr schnell zu sein. Die Geschwindigkeit ist nicht das entscheidende. Wichtiger ist es, sich zu informieren über das Reiseziel, zu sehen, was dort geöffnet ist, was man schon alles nutzen kann." Dafür biete sich der Kontakt mit dem Gastgeber oder der örtlichen Touristeninformation an, empfahl der Verbandschef.

Spahn offen für US-Pläne zur Lockerung von Patentschutz für Covid-Impfstoffe

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich offen gezeigt für die Pläne von US-Präsident Joe Biden, den Patentschutz für Impfstoffe gegen das Coronavirus weltweit zu lockern. "Das Ziel des US-Präsidenten teilen wir ausdrücklich. Die ganze Welt mit Impfstoff zu versorgen ist der einzig nachhaltige Weg aus dieser Pandemie", erklärte Spahn. 

"Wir sind erst sicher, wenn alle auf der Welt sicher sind", hob er weiter hervor. Entscheidend sei dafür vor allem der weitere Ausbau von Produktionsstätten für Corona-Impfstoff. Bislang hatte die Bundesregierung eine Aussetzung des Patentschutzes für Impfstoffe mit dem Argument abgelehnt, dies würde die Impfstoff-Entwicklung durch die beteiligten Unternehmen behindern.

412.000 Neuinfektionen in Indien – Internationale Hilfe läuft an

In Indien ist ein weltweiter Höchststand bei den Corona-Neuinfektionen erfasst worden. Es wurden mehr als 412.000 Fälle in den vergangenen 24 Stunden gemeldet, wie Zahlen des Gesundheitsministeriums vom zeigten. Demnach starben 3980 Menschen in Verbindung mit dem Coronavirus. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen – auch weil es in Teilen des Landes schwer ist, getestet zu werden und besonders in ländlichen Regionen viele zu Hause sterben und nicht immer in der Statistik auftauchen.

Nach Angaben indischer Behörden haben mehr als 40 Länder Hilfslieferungen unter anderem in Form von Beatmungsgeräten und Sauerstoffkonzentratoren versprochen. Deutschland schickt eine große Sauerstoffgewinnungsanlage sowie 120 Beatmungsgeräte.

Erste Corona-Fälle seit einem Monat beunruhigen Sydney

Erstmals seit einem Monat sind in Sydney wieder Corona-Infektionen aufgetreten. Die Behörden der australischen Metropole suchten am Donnerstag fieberhaft nach dem Ursprung der Ansteckungen – und erließen strikte Vorsichtsmaßnahmen: Die fünf Millionen Einwohner müssen vorerst wieder eine Maske in Innenräumen und im öffentlichen Nahverkehr tragen. "Wir denken, dass dies angesichts des Risikos eine angebrachte Maßnahme ist", erklärte die Regierungschefin des Bundesstaates New South Wales, Gladys Berejiklian.

Zuvor waren ein Mann in den Fünfzigern und seine Frau positiv getestet worden. Es waren die ersten Ansteckungsfälle in Sydney außerhalb von Quarantäne-Hotels seit Anfang April. Wie das Virus zu ihnen gelangte, ist noch unklar. Erste Untersuchungen zeigten nach Angaben der Gesundheitsämter einen Zusammenhang mit einem Reisenden, der kürzlich aus den Vereinigten Staaten zurückgekehrt war und seine Quarantäne in einem der Hotels der Stadt beendet hatte.

Weitere Corona-Lockerungen in Dänemark – Kinos und Theater wieder auf

Die Däninnen und Dänen können jetzt wieder ins Kino und Theater gehen oder ihre Homeoffice-Kilos im Fitnessstudio abtrainieren. All diese Einrichtungen durften am Donnerstag gemäß dem dänischen Plan zur schrittweisen Abkehr von den geltenden Corona-Maßnahmen erstmals seit Monaten wieder öffnen. Alle Schüler bis zur achten Klasse sowie die Abschlussklassen kehren nun komplett zum Präsenzunterricht zurück.

Als Voraussetzung für einen Besuch im Kino, Theater oder Fitnessstudio gilt, dass man per App in seinem Corona-Pass einen maximal 72 Stunden alten negativen Test, eine Impfung oder eine überstandene Infektion vorweisen kann. In den bereits vor zwei Wochen geöffneten Restaurants und Kneipen fällt darüber hinaus die Vorgabe weg, dass die Gäste bis zu 30 Minuten vorher einen Tisch bestellen müssen. Die Versammlungsgrenze in geschlossenen Räumen wurde nun zudem auf 25 Teilnehmer angehoben, draußen liegt sie jetzt bei 75.

Mehr als 30 Prozent in Deutschland erstgeimpft

In Deutschland haben 30,6 Prozent der Menschen mindestens eine Corona-Impfung erhalten. Das geht aus dem Impfquotenmonitoring des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Donnerstag hervor (Stand: 6. Mai, 9.45 Uhr). Den vollen Impfschutz erhielten bislang 8,6 Prozent der Bevölkerung.

Am Mittwoch wurden demnach rund 1,1 Millionen (1.092.765) Impfungen gemeldet. Wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf Twitter mitteilte, sei das nach dem Start der Impfkampagne in Deutschland der zweite Tag, an dem die Zahl der verabreichten Impfdosen siebenstellig sei. Der bislang höchste Tageswert seit Beginn der Impfkampagne war am Mittwoch vergangener Woche mit 1.116.608 Impfungen erreicht worden.

Je nach Bundesland variiert die Impfquote. Die höchste Quote an mindestens Erstgeimpften hat das Saarland mit 34,3 Prozent. Brandenburg liegt mit 27,2 Prozent leicht hinter den anderen Bundesländern zurück. Von etwa 35,7 Millionen gelieferten Impfdosen wurden bislang 91,3 Prozent verbraucht. Die Impfkampagne in Deutschland hat Ende vergangenen Jahres begonnen. 

UKE-Virologin Addo: Nach der dritten Welle aus Schlimmstem raus

Die Hamburger Virologin Marylyn Addo hat einen optimistischen Blick auf den weiteren Verlauf der Corona-Pandemie. "Sobald wir die dritte Welle hinter uns haben, sollten wir mit einer Kombination aus gutem Impfschutz und regelmäßigem Testen raus sein aus dem Schlimmsten – wenn es nicht noch irgendwelche schlimmen Überraschungen gibt", sagte Addo der "Schleswig-Holsteinischen Landeszeitung". Addo ist Leiterin der Infektiologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE). Generell seien solche Vorhersagen zwar schwierig, aber sie sei zuversichtlich. "Wir verfügen jetzt über alle die Bausteine, die wir brauchen." 

Von der Leyen: EU offen für Gespräche über Patent-Aussetzung für Corona-Impfstoffe

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen zeigt sich offen für eine Debatte über den US-Vorstoß zur Aussetzung von Corona-Impfstoffpatenten. "Die Europäische Union ist bereit, jeden Vorschlag zu diskutieren, der diese Krise wirksam und pragmatisch angeht", sagte von der Leyen am Donnerstag. Man müsse sehen, wie der US-Vorschlag diesem Ziel dienen könne. "Kurzfristig rufen wir jedoch alle Länder mit Impfstoffproduktion auf, Exporte zu erlauben und alles zu vermeiden, was Lieferketten stören könnte."

Von der Leyen betonte in ihrer online übertragenen Rede für eine Konferenz in Italien: "Um es klar zu sagen, Europa ist die einzige demokratische Region der Welt, die Exporte im großen Maßstab erlaubt." Bisher seien mehr als 200 Millionen Dosen Corona-Impfstoff in den Rest der Welt geliefert worden. Das sei fast so viel, wie hier in der EU verabreicht worden sei. Die EU sei die Apotheke der Welt.

Die US-Handelsbeauftragte Katherine Tai hatte am Mittwoch Unterstützung für die Aussetzung von Impfstoffpatenten signalisiert, die viele Länder seit langem fordern. 

Olympia-Stadt Tokio hält Verlängerung des Corona-Notstands für nötig

Weniger als drei Monate vor den Olympischen Spielen in Tokio erwägt die japanische Hauptstadt eine Verlängerung des Corona-Notstands. Angesichts der weiter angespannten Lage sei eine Verlängerung "notwendig", erklärte Tokios Gouverneurin Yuriko Koike. Eine Entscheidung über eine solche Maßnahme trifft die Regierung des Landes. Diese hatte erst kürzlich den Notstand zum dritten Mal bis bis zum 11. Mai verlängert. Der Olympia-Gastgeber plädiert nun für eine nochmalige Verlängerung um weitere zwei Wochen. Das gilt auch für die westlichen Präfekturen Osaka, Kyoto und Hyogo. Die Lage erlaube keine Aufhebung des Notstands, sagte Tokios Gouverneurin.

Zwar hatte die Olympia-Stadt während der vergangenen "Goldenen Woche", einer Aneinanderreihung nationaler Feiertage, relativ geringe Neuinfektionen gemeldet. Am Donnerstag waren es 591 Fälle innerhalb von 24 Stunden. Doch war wegen der Feiertage auch weniger getestet worden. Daher befürchten Experten, dass die Infektionen nun wieder steigen dürften. Der Notstand bedeutet jedoch keine Ausgangssperren wie in Europa. Die Bürger des Landes sind lediglich aufgefordert, nach Möglichkeit zu Hause zu bleiben. 

Pflege-Petition: Franziska Böhler

RKI: 21.953 Corona-Neuinfektionen, Inzidenz leicht gesunken

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 21.953 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das geht aus Zahlen des RKI von Donnerstagmorgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 05.01 Uhr wiedergeben. Zum Vergleich: Am Donnerstag vor einer Woche hatte der Wert bei 24.736 gelegen. Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner lag laut RKI am Donnerstagmorgen bundesweit bei 129,1 (Vortag: 132,8; Vorwoche: 154,9)

Deutschlandweit wurden nach RKI-Angaben binnen 24 Stunden 250 neue Todesfälle verzeichnet. Vor genau einer Woche waren es 264 Tote. Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Mittwochabend bei 0,83 (Vortag: 0,82). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 83 weitere Menschen anstecken.

Spahn will Astrazeneca-Impfstoff für alle freigeben

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) strebt eine sofortige Freigabe des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca für alle Impfwilligen an – ohne Priorisierung nach Alter, Vorerkrankung oder Berufsgruppe. An diesem Donnerstag wolle er mit seinen Länderkollegen darüber reden, kündigte er am Mittwochabend in der WDR-Fernsehsendung "Aktuelle Stunde" an. Man werde dann "bei Astrazenca eindeutig sagen für Arztpraxen wie für Impfzentren, dass es dort keine Priorisierung mehr gibt". Für Astrazeneca gelte das dann sofort. Zudem solle das Intervall zwischen Erst- und Zweitimpfung mit Astrazeneca – derzeit zwölf Wochen – flexibler gehandhabt werden können.

Inzidenz 0,0 – diese zwei Landkreise sind wieder coronafrei

Gegen das Präparat des britisch-schwedischen Pharmakonzerns gibt es teils erhebliche Vorbehalte. Es wird nach dem Auftreten von Blutgerinnseln im Gehirn bei jüngeren Geimpften nur noch für über 60-Jährige eingesetzt. Andererseits gibt es viele Jüngere, die sich gerne damit impfen lassen würden, aber in der Impf-Reihenfolge noch nicht dran sind.

Bisher haben 29,5 Prozent der Bevölkerung zumindest eine Impfung erhalten. 8,3 Prozent sind vollständig geimpft, haben also erforderlichenfalls auch eine zweite Impfung erhalten.

Die Nachrichten von Mittwoch, 5. Mai 2021:

USA unterstützen Aussetzung von Patenten für Corona-Impfstoffe

Für den Kampf zur weltweiten Eindämmung der Pandemie unterstützt die US-Regierung die Aussetzung von Patenten für die Corona-Impfstoffe. Die USA stünden hinter dem Schutz geistigen Eigentums, die Pandemie sei aber eine globale Krise, die außerordentliche Schritte erfordere, erklärte die US-Handelsbeauftragte Katherine Tai am Mittwoch. Die USA würden sich im Rahmen der Welthandelsorganisation (WTO) für die Erstellung eines entsprechenden Abkommens einsetzen. Wegen des Konsensprinzips und der Komplexität der Materie könnte dies zeitaufwendig werden, hieß es.

Franziska Giffey (l., SPD), Bundesfamilienministerin, und Anja Karliczek (CDU), Bundesbildungsministerin

Sehen Sie im Video: Groko schnürt "Corona-Aufholpaket" für Kinder – das steckt drin.

Das Ziel der US-Regierung sei es, "so viele sichere und wirksame Impfungen so schnell wie möglich zu so vielen Menschen wie möglich zu bringen", erklärte Tai. Mehr als 100 WTO-Mitgliedsländer wollen die Patente für die Impfstoffe aussetzen, damit mehr Firmen in mehr Staaten Impfstoffe herstellen können. Wichtige Herkunftsländer der Pharmaindustrie wie die USA sowie Unternehmensvertreter blockierten das von Südafrika und Indien angestoßene Vorhaben aber bislang.

Karlsruhe lehnt Eilanträge gegen nächtliche Ausgangssperre ab

Das Bundesverfassungsgericht hat Eilanträge gegen nächtliche Ausgangsbeschränkungen im Zuge der Corona-Notbremse abgelehnt. "Damit ist nicht entschieden, dass die Ausgangsbeschränkung mit dem Grundgesetz vereinbar ist", teilte das Gericht in Karlsruhe aber mit. Diese Frage müsse im Hauptsacheverfahren geklärt werden.

Experten sehen Risiken bei Astrazeneca auch für Ältere

Experten sehen laut einem Medienbericht auch bei älteren Frauen ein erhöhtes Risiko von Hirnvenenthrombosen bei einer Corona-Schutzimpfung mit dem Wirkstoff von Astrazeneca. Darauf weist dem Magazin "Spiegel" zufolge eine aktuelle Studie unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) hin. Bislang war davon ausgegangen worden, dass vorrangig jüngere Frauen gefährdet sind. Die Arbeit wurde noch nicht von anderen Forschenden begutachtet, sondern als sogenanntes Preprint veröffentlicht. Der Auswertung zufolge, für die neurologische Abteilungen und Kliniken in ganz Deutschland befragt worden seien, war die Rate von Hirnvenenthrombosen nach einer Astrazeneca-Impfung demnach mehr als neunmal höher als nach einer Impfung mit einem mRNA-Impfstoff wie Biontech/Pfizer oder Moderna. Dabei sei die Rate bei Frauen im Vergleich zu jener bei Männern mehr als dreimal erhöht gewesen. Solche Thrombosen nach einer Impfung seien aber insgesamt sehr selten gemessen an der Anzahl der Impfungen, so die beteiligten Forscherinnen und Forscher.

Malta hat bald die Hälfte der Bürger geimpft

Das EU-Land Malta kommt seinem Ziel näher, bis Ende Juni eine Impfquote um die 70 Prozent zu erreichen. Schon jetzt haben 47 Prozent aller 514.000 Einwohner und Einwohnerinnen mindestens eine Impfdosis erhalten, wie Daten des Gesundheitsministeriums in Valletta zeigten. Bezogen nur auf die Erwachsenen lag die Impfquote sogar bei rund 55 Prozent. Außerdem gehen die Zahlen der Corona-Neuinfektionen in dem Inselstaat deutlich zurück. Mit den im internationalen Vergleich hohen Impfquoten will das Mittelmeerland sich als sicheres Reiseziel profilieren. Die Regierung in Valletta treibt Pläne voran, eigene Impf-Zertifikate einzuführen, um Reisen in und aus Nicht-EU-Ländern wie Großbritannien und Israel zu erleichtern.

Kanada lässt Biontech-Impfstoff für 12- bis 15-Jährige zu

In Kanada darf der Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer nun auch 12- bis 15-Jährigen verabreicht werden. Dies teilte die federführende Gesundheitsbehörde am Mittwoch mit. Sie bezeichnete die Genehmigung als wichtigen Meilenstein im Kampf gegen die Pandemie. "Nach Abschluss einer gründlichen und unabhängigen wissenschaftlichen Überprüfung der Evidenz hat die Abteilung festgestellt, dass dieser Impfstoff bei der Anwendung bei Kindern zwischen 12 und 15 Jahren sicher und wirksam bei der Vorbeugung von Covid-19 ist", hieß es in einer Mitteilung. Pfizer/Biontech werde weiterhin verpflichtet, den kanadischen Behörden "Informationen über die Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität des Impfstoffs in dieser jüngeren Altersgruppe zur Verfügung stellen". Die Sicherheit des Impfstoffs werde weiterhin überwacht und es würden Maßnahmen ergreifen, wenn Sicherheitsbedenken festgestellt werden.

Kanadas Gesundheitsministerium erhielt am 16. April 2021 den Antrag auf Erweiterung für Impfstoff von Pfizer/Bontech. Das Vakzin wurde in Kanada ursprünglich am 9. Dezember 2020 zur Anwendung bei Personen ab 16 Jahren zugelassen.

Schleswig-Holstein öffnet Hotels und Gastronomie für Geimpfte, Getestete und Genesene

Schleswig-Holstein geht in der Corona-Pandemie weitere Öffnungsschritte im Tourismus und weiteren Bereichen. So dürfen Geimpfte, Genesene und Getestete vom 17. Mai an unter strengen Vorgaben landesweit Gaststätten auch in Innenräumen besuchen und in Beherbergungsbetrieben übernachten, wie Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) am Mittwoch bekanntgab. Erleichterungen gibt es auch in den Bereichen Kita, Schule, Sport und Kultur.

Wer als Tourist im Norden übernachten will muss sich demnach alle drei Tage auf Corona testen lassen. Mit ihren Beschlüssen weitet die Landesregierung praktisch die für vier Modellregionen geltenden Regeln auf das gesamte Land aus.

Bisher dürfen Urlauber in der Schleiregion, in Eckernförde und in Nordfriesland unter strikten Corona-Vorgaben Urlaub machen. Von diesem Samstag an ist das auch in Timmendorfer Strand, Scharbeutz, Sierksdorf und Neustadt an der Ostsee in der Lübecker Bucht möglich. Am Montag folgt Büsum in Dithmarschen.

Hintergrund der weiteren Lockerungen sind die sinkenden Corona-Zahlen mit stabil unter 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen in weiten Teilen Schleswig-Holsteins. Am Dienstagabend betrug die landesweite Inzidenz 54,5. Der Norden hat seit längerem die deutlich niedrigsten Werte in Deutschland. In den Regionen mit Sieben-Tage-Inzidenzen unter 100 darf im Norden bereits jetzt die Außengastronomie öffnen. 

Bundesregierung warnt vor Verwenden gefälschter Impfpässe

Die Bundesregierung hat die Bürger davor gewarnt, sich gefälschte Impfpässe zu beschaffen, um so vorzeitig in den Genuss von Erleichterungen etwa bei Kontaktbegrenzungen oder bei Urlaubsreisen zu kommen. Dies sei kein Kavaliersdelikt, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in der Bundespressekonferenz. "Wer so etwas tut, gefährdet die Gesundheit anderer Menschen. Das ist das eine. Er macht sich aber auch strafbar. Das ist ganz klar eine nach dem Strafgesetzbuch strafbewehrte Urkundenfälschung. Und strafbare Handlungen werden verfolgt."

Es gebe immer ein Missbrauchsrisiko, sagte Seibert weiter. Deshalb wolle die Bundesregierung den digitalen Weg gehen. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums ist geplant, dass der Impfnachweis sowohl auf der Corona-Warn-App wie auch auf einer Extra-App digital gespeichert werden kann. Dies soll in der zweiten Hälfte des laufenden Quartals möglich werden. 

Serbien bietet rund 25 Euro für Corona-Impfungen

Um die weit verbreitete Impfskepsis in der Bevölkerung des Balkanlandes zu überwinden, will Serbien den Bürgern Geld für eine Corona-Impfung zahlen. Wer sich bisher impfen ließ oder bis zum 31. Mai eine Impfung erhält, soll eine einmalige Unterstützung in Höhe von 3000 Dinar (25 Euro) erhalten, gab Präsident Aleksandar Vucic am Mittwoch in Belgrad bekannt. Durchschnittlich verdienen die Serben derzeit 520 Euro im Monat. Diskriminierende Einschränkungen für Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen, kämen nicht infrage, sagte Vucic dem regierungsnahen privaten Fernsehsender Pink. Er halte es für "verantwortungslos und egoistisch", wenn sich jemand nicht impfen lassen möchte. "Deshalb haben wir darüber nachgedacht, wie wir Menschen belohnen können, die Verantwortung an den Tag legen."

In Serbien haben derzeit rund 30 Prozent der Menschen zumindest eine Corona-Impfung erhalten. Das Land setzt seit Dezember auch Impfstoffe aus Russland und China ein, die in der EU nicht zugelassen sind. Anfangs erzielte Belgrad damit beachtliche Ergebnisse. In den vergangenen zwei Wochen stieg der Anteil der Menschen, die eine Corona-Impfung erhalten haben, aber nur noch um zwei Prozentpunkte.

Saarland plant Sonderimpfungen in sozialen Brennpunkten

Auch das saarländische Gesundheitsministerium plant Sonderimpfungen in sozialen Brennpunkten. Diese sollten in Abstimmung mit den Gemeinwesenprojekten erfolgen, teilte das Ministerium am Mittwoch in Saarbrücken mit. Seit Anfang der Woche gehen beispielsweise in Köln mobile Impfteams in Stadtteile mit sozialen Brennpunkten wie Chorweiler, um gezielt zu impfen. Das Land Nordrhein-Westfalen hatte für das Pilotprojekt zunächst 1000 Impfdosen zur Verfügung gestellt.

Die rheinland-pfälzische Landesregierung dagegen plant keine Sonderimpfaktionen mobiler Teams in speziellen Stadtteilen. "Angebote zur gesundheitlichen Versorgung sollen für alle zugänglich sein und dürfen nicht von der sozialen Herkunft abhängen", teilte das Gesundheitsministerium in Mainz mit. Die Bundesimpfverordnung trage diesem Grundsatz Rechnung und Rheinland-Pfalz setze diese um.

Astrazeneca bleibt liegen – Arzt bietet Termine via Ebay-Kleinanzeigen an

Um den Impfstoff von Astrazeneca nicht verfallen zu lassen, hat ein Hausarzt aus Ostwestfalen einen ungewöhnlichen Weg über Ebay-Kleinanzeigen gewählt. "Es wäre Wahnsinn, den zuverlässigen und wirksamen Impfstoff verkommen zu lassen", sagte der Allgemeinmediziner und Kardiologe Peter Weitkamp aus Kirchlengern der Nachrichtenagentur DPA am Mittwoch. Zwei Tage lang habe er nun über die Internet-Plattform Impftermine mit Astrazeneca "zu verschenken" an Menschen über 60 Jahre angeboten. Er habe 80 bis 90 Impfdosen übrig. Ab der kommenden Woche werde er seine Astrazeneca-Restbestände denen verabreichen, die sich auf sein Inserat hin meldeten. Zuvor hatte die "Neue Westfälische" über den Mediziner berichtet.

Weitkamp kritisierte, dass die Praxen fast nur noch Astrazeneca erhielten, das gefragte Biontech dagegen an die Impfzentren gehe. Er halte es aus medizinischer Sicht für falsch, dass die Ständige Impfkommission (Stiko) Astrazeneca weiterhin nur für Menschen über 60 Jahre empfehle. Es gebe zudem auch zahlreiche unter 60-Jährige, die Astrazeneca haben wollten. Laut Bund-Länder-Beschluss müssen sich diese Jüngeren dann an die Praxen wenden, in den Impfzentren wird Astrazenca Menschen unter 60 Jahren nicht mehr gespritzt. Astrazeneca habe zu Unrecht ein schlechtes Image, sagte Weitkamp. Das führe dazu, dass viele noch nicht Geimpfte über 60 Jahren nun in die Impfzentren strömten, um sich dort Biontech abzuholen. "Das ist unsolidarisch. Die Alten nehmen den Jungen den Biontech-Impfstoff weg." 

Gesundheitsministerium bekommt weitere 3,8 Milliarden für Impfstoffe

Das Gesundheitsministerium soll zur Beschaffung von Corona-Impfstoff weitere 3,8 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt bekommen. Es geht dabei um Impfstoff für die Jahre 2022 und 2023, also vor allem für Auffrischungsimpfungen und Impfungen gegen mutierte Coronaviren. Das geht aus einem Schreiben des Finanzministeriums an den Haushaltsausschuss des Bundestags hervor, das der Nachrichtenagentur DPA vorliegt und über das das Nachrichtenportal "The Pioneer" berichtete.

Krisen in globaler Nahrungsmittelversorgung durch Coronakrise verschärft

Die globale Unsicherheit in der Nahrungsmittelversorgung hat sich nach Angaben internationaler Organisationen im vergangenen Jahr durch bewaffnete Konflikte, Wetterkatastrophen sowie Wirtschaftskrisen infolge der Corona-Pandemie verschärft. Auch das laufende Jahr werde für die Nahrungsversorgung "schwierig", warnt das Globale Netzwerk gegen Lebensmittelkrisen in einem Bericht.

2020 befanden sich demnach weltweit mehr als 183 Millionen Menschen hinsichtlich ihrer Versorgung mit Nahrung in einer "Krisen- oder Notsituation". Zum Ende des vergangenen Jahres hätten sich insgesamt fast 133.000 Menschen in Burkina Faso, dem Südsudan und im Jemen in einer katastrophalen Versorgungssituation befunden und damit in einer regelrechten "Hungersnot". 

Grüner Pass in Österreich ab 4. Juni in digitaler Form

Österreich will einen Grünen Pass in digitaler Form bereits am 4. Juni einführen. Mit dem dann auf Handys verfügbaren QR-Code sei das Land in Europa einer der Vorreiter, sagte Tourismusministerin Elisabeth Köstinger von der konservativen ÖVP in Wien. Bereits am 19. Mai gelten diverse Zertifikate über Impfungen, Tests und überstandene Corona-Erkrankungen in Österreich als Zutrittserlaubnis für die dann wieder geöffnete Gastronomie, für Kultur, den Sport und die Hotellerie. "Das ist für uns als Tourismusland nach dieser langen Durststrecke überlebenswichtig", sagte Köstinger.

Ab Mitte Mai entfällt für Deutsche die Quarantänepflicht. Bei der Einreise nach Österreich reicht dann ein negativer Test. Auf EU-Ebene soll ein Grüner Pass voraussichtlich Ende Juni kommen. 

Ausbildungsmarkt im Corona-Jahr deutlich geschrumpft

Der Ausbildungsmarkt in Deutschland ist im vergangenen Jahr wegen der Coronakrise deutlich geschrumpft. Die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge sank 2020 um elf Prozent auf 467.500, wie aus dem aktuellen Berufsbildungsbericht hervorgeht, den das Bundeskabinett am Mittwoch verabschiedete. Zum ersten Mal seit 1992 fiel die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im dualen System damit auf unter 500.000.

Rückgänge gab es der Regierung zufolge nahezu überall, besonders Industrie und Handel waren betroffen. Einzig in der Landwirtschaft gab es einen "geringfügigen Anstieg". Auf beiden Seiten gingen dabei Angebot und Nachfrage parallel zurück: Die Zahl der angebotenen Stellen in den Betrieben schrumpfte um 8,8 Prozent auf 527.400. Die Ausbildungsnachfrage ging um 9,6 Prozent auf 496.800 zurück. Damit kamen rechnerisch auf 100 Bewerberinnen und Bewerber 106 Ausbildungsstellen.

Indiens Außenminister bei G7-Treffen hatte Kontakt zu Corona-Positiven

Der derzeit an einem Treffen der G7-Staatengruppe in London teilnehmende indische Außenminister Subrahmanyam Jaishankar hatte nach eigenen Angaben Kontakt zu positiv auf das Coronavirus getesteten Menschen. Er habe davon am Dienstagabend erfahren und werde deshalb an den Beratungen nur noch virtuell teilnehmen, kündigte der Minister am Mittwoch im Onlinedienst Twitter an. Das G7-Ministertreffen in London ist die erste physische Zusammenkunft dieser Runde seit zwei Jahren.

Bund bringt Aufholpaket für Kinder und Jugendliche auf den Weg

Die Bundesregierung hat das Aufholpaket für Kinder und Jugendliche zur Unterstützung sozial schwacher Familien in der Coronakrise auf den Weg gebracht. Das am Mittwoch vom Kabinett gebilligte Programm hat ein Volumen von insgesamt zwei Milliarden Euro, mit denen auch ein Kinderbonus insbesondere bei Hartz-IV-Bezug finanziert werden soll. Das Paket umfasst Leistungen für Nachhilfestunden und Freizeitangebote. Von den zwei Milliarden sollten 700 Millionen als direkte Zuschüsse gewährt werden, 1,3 Milliarden gingen an die Länder. 

Franziska Giffey (l., SPD), Bundesfamilienministerin, und Anja Karliczek (CDU), Bundesbildungsministerin

Weit mehr als zehn Millionen Menschen zur Corona-Impfung berechtigt

In vielen Bundesländern dürfen sich Angehörige der Priorisierungsgruppe drei für die Corona-Impfung anmelden – alleine aufgrund ihres Alters sind das bundesweit mehr als zehn Millionen Menschen. Wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte, gab es Ende 2019 rund 10,5 Millionen Menschen im Alter von 60 bis unter 70 Jahren. Das waren 12,6 Prozent der Bevölkerung.

Zur Gruppe drei mit erhöhter Priorisierung gehören auch Menschen, die in einer kritischen Infrastruktur arbeiten. Allein im Lebensmitteleinzelhandel waren das im Jahr 2018 mehr als 1,3 Millionen Menschen. In der Güterbeförderung sind eine knappe Million, bei Post- und Kurierdiensten mehr als eine halbe Million Menschen zur Impfung aufgerufen. Impfberechtigt sind auch Beschäftigte in Apotheken (248.000 Menschen) und der Pharmaindustrie (140.000 Menschen).

RKI registriert 18.034 Corona-Neuinfektionen und 285 neue Todesfälle

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 18.034 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das geht aus Zahlen des RKI von Mittwochmorgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 05:15 Uhr wiedergeben. Zum Vergleich: Am Mittwoch vor einer Woche hatte der Wert bei 22.231 gelegen. Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner lag laut RKI am Mittwochmorgen bundesweit bei 132,8 (Vortag: 141,4; Vorwoche: 160,6)

Deutschlandweit wurden nach RKI-Angaben binnen 24 Stunden 285 neue Todesfälle verzeichnet. Vor genau einer Woche waren es 312 Tote. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 83.876.

Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Dienstagabend bei 0,82 (Vortag: 0,88). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 82 weitere Menschen anstecken.

Virologin Ciesek "optimistisch", dass sich Corona-Situation entspannt

ie Frankfurter Virologin Sandra Ciesek ist zuversichtlich, dass sich die Corona-Situation in Deutschland entspannt. "Ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg", sagte die Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt im NDR-Podcast "Das Coronavirus-Update".

Das Impftempo sei schneller als vorhergesagt, bis zu eine Million Impfungen pro Tag seien eine gute Zahl. "Ich bin optimistisch: Wenn wir es schaffen, weiter schnell und gezielt zu impfen und vielleicht in vier Wochen schon die Hälfte der Erwachsenen die erste Dosis bekommen haben, dass sich die Situation dann weiter entspannen wird."

Die Nachrichten von Dienstag, 4. Mai 2021:

Kreise: Merkel sieht bei Corona "Licht am Ende des Tunnels"

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich erfreut über die Entspannung des Corona-Infektionsgeschehens im Land geäußert. Es gebe "Licht am Ende des Tunnels", sagte sie nach Informationen der Nachrichtenagentur DPA aus Teilnehmerkreisen am Dienstag in Online-Beratungen der Unionsfraktion im Bundestag. Die Kanzlerin verwies auf sinkende Fallzahlen und eine leichte Entspannung in der Intensivmedizin. Zugleich mahnte Merkel nach diesen Angaben, je sorgsamer man jetzt vorgehe, umso schneller würden alle von Lockerungen profitieren können.

Genesene, Geimpfte und Getestete werden in Bayern gleichgestellt

Vollständig von Corona-Erkrankungen Genesene werden in Bayern bereits von diesem Donnerstag mit zweifach Geimpften und negativ Getesteten bei Lockerungen gleichgestellt. Unter anderem sollen Menschen mit vollständiger Corona-Impfung – also in der Regel zwei verabreichten Impfdosen oder Genesene mit einer Impfung – von der Testpflicht und von den Ausgangsbeschränkungen befreit werden. Auch bei der Zahl der maximal erlaubten Kontakte werden sie nicht mehr mitgezählt.

Die Staatsregierung habe sich entschieden, die Regelung schon an diesem Donnerstag und damit zwei Tage vor dem Bund in Kraft zu setzen, sagte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am Dienstag. Man wolle ein Signal setzen, dass Impfen wichtig ist. "Wir sind der festen Überzeugung, dass bei einem solchen Fortschritt der Grundrechtsschutz, die Freiheit des Einzelnen überwiegt", sagte Söder.

Pfizer will in diesem Jahr 1,6 Milliarden Corona-Impfdosen ausliefern

Der US-Pharmakonzern Pfizer rechnet für dieses Jahr mit der Auslieferung von 1,6 Milliarden Impfdosen gegen das Coronavirus. Der Jahresumsatz mit dem zusammen mit dem Mainzer Unternehmen Biontech entwickelten Impfstoff könnte sich damit auf 26 Milliarden Dollar (knapp 22 Milliarden Euro) belaufen, wie Pfizer am Dienstag mitteilte. Im Februar hatte der Pharmakonzern für das laufende Jahr noch mit einem Jahresumsatz von 15 Milliarden Dollar mit dem Vakzin prognostiziert.

Seitdem gingen aber weitere Bestellungen ein, unter anderem von der Europäischen Kommission. Zum Stichtag 3. Mai hat der Konzern nach eigenen Angaben 430 Millionen Impfdosen in 91 Länder und Territorien weltweit ausgeliefert. Pfizer gab am Dienstag außerdem Bestellungen aus Israel und Kanada für Lieferungen im nächsten Jahr bekannt. Der Erfolg des Impfstoffs hat Pfizer ein deutliches Gewinn- und Umsatzplus beschert. Im ersten Quartal des Jahres stieg der Gewinn um 45 Prozent auf 4,9 Milliarden Dollar. Der Umsatz stieg um 42 Prozent auf 14,6 Milliarden Dollar.

Bayern leitet Corona-Lockerungen ein – Tourismus ab 21. Mai möglich

Nach monatelangen strikten Corona-Beschränkungen leitet Bayern ab kommenden Montag stufenweise Lockerungen ein. In Landkreisen und kreisfreien Städten mit einer stabilen Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 dürfen ab 10. Mai die Außengastronomie – und zwar bis 22.00 Uhr –, Theater, Konzert- und Opernhäuser sowie Kinos öffnen. Und: Zu Beginn der Pfingstferien am 21. Mai soll regional auch Tourismus wieder möglich sein: In Kreisen und kreisfreien Städten mit stabilen Zahlen von unter 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen dürfen dann Hotels, Ferienwohnungen und Campingplätze wieder öffnen. Das beschloss die Regierung von Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Bei alledem gelten Hygienekonzepte, Masken- und Testpflichten – die Details werden nun von den Ministerien erarbeitet.

Einer Person wird die Impfung in den Arm verabreicht

150 Millionen Covid-Impfungen in der EU

In der Europäischen Union sind inzwischen 150 Millionen Impfungen gegen Covid-19 verabreicht worden. Die Zahl nannte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen auf Twitter. Das Impftempo ziehe überall in der EU an. "Ein Viertel der Europäerinnen und Europäer hat schon die erste Dosis erhalten", schrieb von der Leyen. "Im Juli werden genug Dosen da sein, um 70 Prozent der Erwachsenen in der EU zu impfen." In den 27 EU-Staaten leben etwa 450 Millionen Menschen. 70 Prozent der Erwachsenen entspricht nach Angaben der EU-Kommission etwa 266 Millionen Menschen.

Bundeskabinett beschließt Erleichterungen für Corona-Geimpfte

Das Bundeskabinett hat die Erleichterungen für Geimpfte auf den Weg gebracht. Die Regierung beschloss die geplante Verordnung, wie Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) in Berlin sagte. Geplant sind unter anderem Lockerungen der bisherigen Vorgaben bei Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperren. Bundestag und Bundesrat müssen noch zustimmen.

Inzidenz 0,0 – diese zwei Landkreise sind wieder coronafrei

EU-Arzneimittelbehörde leitet Prüfung von Corona-Impfstoff von Sinovac ein

Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) hat eine Prüfung des Corona-Impfstoffs des chinesischen Herstellers Sinovac eingeleitet. Zur Prüfung der Zulassung des Vakzins CoronaVac habe ein sogenanntes rollierendes Verfahren begonnen, teilte die EMA in Amsterdam mit. Bislang haben mit den Präparaten von Biontech/Pfizer, Moderna, Astrazeneca und Johnson & Johnson nur Corona-Impfstoffe westlicher Hersteller eine EU-weite Zulassung.

Fast 29 Prozent der Deutschen gegen Corona erstgeimpft

In Deutschland haben 28,7 Prozent der Menschen mindestens eine Corona-Impfung erhalten. Das geht aus dem Impfquotenmonitoring des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Dienstag hervor (Stand: 4. Mai, 12 Uhr). Den vollen Impfschutz erhielten bislang gut acht Prozent der Bevölkerung.

Am Montag wurden demnach 424.777 Impfspritzen gesetzt. Der bislang höchste Tageswert seit Beginn der Impfkampagne war am vergangenen Mittwoch mit mehr als einer Million Impfungen erreicht worden. Insgesamt verabreichten alle Impfstellen bislang etwas mehr als 30,6 Millionen Dosen, davon fast 23,9 Millionen bei Erstimpfungen und weitere knapp 6,8 Millionen bei Zweitimpfungen.

Spahn weiter für Vorsicht – Impfungen für alle in erster Juni-Hälfte

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat trotz erster Anzeichen für eine allmähliche Entspannung der Corona-Lage weiter zur Vorsicht gemahnt. Es gehe darum, jetzt diese dritte Welle zu brechen, sagte der CDU-Politiker am Dienstag in Berlin beim digitalen Ärztetag. "Die Zahlen sinken, das ist ermutigend." Sie seien aber noch nicht stark genug gesunken. Es sei zu sehen, wie sich das Reduzieren von Kontakten bewähre. Zugleich beginne das Impfen, Schritt für Schritt einen Unterschied zu machen.

News zur Corona-Pandemie: Massenschlägerei im Englischen Garten – 19 Polizisten verletzt

Spahn verwies auf das deutlich höhere Impftempo und konkretisierte die Aussicht auf Impfmöglichkeiten für alle Bürger dank erwartungsgemäß wachsender Impfstoffmengen. "Das macht es uns möglich, in der ersten Hälfte des Junis die Priorisierung aufzugeben." Die Bundesregierung hatte ein Ende der festgelegten Impf-Reihenfolge mit einem Vorrang für Risikogruppen schon grundsätzlich für Juni in Aussicht gestellt. Es werde aber natürlich auch noch Wartezeiten geben, sagte Spahn.

Der Minister äußerte sich außerdem optimistisch zum generellen Impffortschritt. Es sei "sicherlich im Juli" der Zustand zu erreichen, "wo wir eigentlich alle, die unbedingt wollten, geimpft haben werden". Dann sei es eine gemeinsame Aufgabe, jene zu überzeugen und zu erreichen, die zögerten oder Fragen hätten. Die Bundesregierung hatte zugesichert, allen Bürgern bis zum Ende des Sommers ein Impfangebot zu machen.

Spahn: Pandemie deckt Stärken und Defizite des Gesundheitssystems auf

Die Corona-Pandemie hat nach Ansicht von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Stärken, aber auch Defizite des Gesundheitssystems aufgedeckt. So habe die Pandemie wie "im Brennglas" gezeigt, dass der öffentliche Gesundheitsdienst zu lange ein Nischendasein geführt habe, sagte Spahn auf dem 124. Deutschen Ärztetag. Dies gelte nicht nur für die Personalausstattung. Auch die Digitalisierung der Gesundheitsämter müsse weiter ausgebaut werden. Ärztepräsident Klaus Reinhardt forderte eine strukturell und personell bessere Ausstattung des öffentlichen Gesundheitsdiensts. "Dafür ist eine tariflich gesicherte, arztspezifische Vergütung für die Ärztinnen und Ärzte in den Gesundheitsämtern grundlegend", sagte er.

Lauterbach warnt vor schneller Öffnung von Gastronomie und Hotels

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hat in der Corona-Pandemie vor einer zu schnellen Öffnung von Gastronomie und Hotels für Geimpfte gewarnt. Zwar sei es "eine notwendige und gute Entscheidung", die Grundrechtseinschränkungen für Geimpfte zurückzunehmen. "Was nicht geht, ist, dass Geschäfte oder Restaurants geöffnet werden nur für diejenigen, die geimpft sind. Das würde zu Spannungen führen, die man kaum ertragen könnte", sagte Lauterbach im Deutschlandfunk.

Lauterbach sagte, es bestehe eine Gefahr, wenn Geimpfte und Nicht-Geimpfte aufeinander träfen und sich dann Nicht-Geimpfte infizieren oder die Geimpften ohne vollständigen Immunschutz anstecken. Eine flächendeckende Kontrolle bei den Öffnungen sei schwierig und es gelte jetzt, den ausgewiesenen Erfolg bei der Bekämpfung der Pandemie zu sichern. "Wir dürfen nicht den Fehler machen, jetzt einen schnellen, frühen Rückfall zu riskieren", sagte Lauterbach. "Wir sind noch sehr weit von der Herdenimmunität entfernt."

Habeck bemängelt Unklarheiten bei geplanter Verordnung für Geimpfte

Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck hat bei der geplanten Verordnung zu Erleichterungen für Geimpfte Unklarheiten bemängelt. Es gebe "ein paar juristische Punkte, die sauberer formuliert werden" müssten, sagte Habeck im ZDF-"Morgenmagazin". Beispielsweise sehe der Entwurf Regelungen für eine Sieben-Tage-Inzidenz unter 100 vor. "Wie es aber bei über 100 ist, ist unklar", sagte der Parteivorsitzende. Grundsätzlich sei der Verordnungsentwurf des Bundes aber "notwendig" und "angemessen" und gehe in die richtige Richtung. 

Einer Person wird die Impfung in den Arm verabreicht

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will den in der Bundesregierung abgestimmten Entwurf noch in dieser Woche auf den Weg bringen. Die geplante Verordnung sieht unter anderem eine Gleichstellung von Geimpften und Genesenen mit Menschen vor, die ein negatives Corona-Testergebnis vorweisen können.

Spahn zur Corona-Lage: Müssen Öffnungsschritte vielleicht zurücknehmen

Australiens Regierungschef rudert bei Haftstrafen für Einreisen aus Indien zurück

Nach einer Welle der Empörung und Rassismusvorwürfen hat Australiens Premierminister Scott Morrison seine Haftandrohungen gegen Rückkehrer aus Indien revidiert. "Ich glaube, die Wahrscheinlichkeit, dass irgendetwas davon eintritt, liegt so ziemlich bei null", sagte Morrison. Wegen der in Indien grassierenden Coronavirus-Mutante hatte der Regierungschef zuletzt Einreisenden, die sich in den vergangenen 14 Tagen in Indien aufgehalten hatten, neben Geldstrafen auch mit Haftstrafen von bis zu fünf Jahren gedroht. Davon betroffen sind tausende Australier in Indien, darunter professionelle Cricket-Spieler. Die Regelung trat am Montag in Kraft. Neben Menschenrechtsgruppen und bekannten Sportlern kritisierten selbst einige von Morrisons Verbündeten die Maßnahme. 

Bund fördert Produktion von Impfstoff-Fläschchen

Für die Produktion von Glasfläschchen für Impfstoff können Unternehmen künftig vom Bund gefördert werden. Investitionen in Anlagen zur Herstellung von speziellem Borosilikat-Rohrglas und der Fläschchen selbst würden mit insgesamt bis zu 90 Millionen Euro unterstützt, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Dadurch sollten die jährlichen Produktionsmengen deutlich gesteigert werden. "Damit der Impfprozess nicht ins Stocken gerät, benötigen wir nicht nur ausreichend Impfstoffe", sagte Wirtschaftsstaatssekretär Andreas Feicht. "Die Impfstoffe müssen auch sicher verpackt und transportiert werden können." Dafür seien die kleinen Glasflaschen unverzichtbar.

RKI registriert 7534 Corona-Neuinfektionen und 315 neue Todesfälle

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 7534 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das geht aus Zahlen des RKI vom Morgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 05.08 Uhr wiedergeben. Zum Vergleich: Am Dienstag vor einer Woche hatte der Wert bei 10.976 gelegen. Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner lag laut RKI am Dienstagmorgen bundesweit bei 141,4 (Vortag: 146,9; Vorwoche: 167,6). Deutschlandweit wurden nach RKI-Angaben binnen 24 Stunden 315 neue Todesfälle verzeichnet. Vor genau einer Woche waren es 344 Tote.

Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.433.516 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit 3.061.500 an. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 83.591.

Die Nachrichten von Montag, 3. Mai 2021:

Expertin: Notbremse hat noch keinen direkten Einfluss auf Corona-Lage

Die verlangsamte Entwicklung der dritten Corona-Welle in Deutschland ist aus Sicht einer Expertin nicht unmittelbar mit der Corona-Notbremse zu erklären. "Die Notbremse kann diese Zahlen noch nicht direkt beeinflusst haben, dafür ist sie noch nicht lang genug in Kraft", erklärte die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Epidemiologie, Eva Grill, auf dpa-Anfrage. Untersuchungen wiesen aber darauf hin, dass die Menschen vorsichtig sind und Respekt vor dem Geschehen haben. "Es ist möglich, dass schon die Diskussion über die Notbremse und die Situation in den Krankenhäusern dazu beigetragen hat."

Gleichzeitig hätten die Impfungen jetzt stark Fahrt aufgenommen, "vielleicht sehen wir hier schon Effekte", sagt Grill. Ob auch Schnelltests beigetragen haben, sei völlig unklar. "Nach wie vor ist Vorsicht angebracht, aber ich bin optimistisch", erklärte Grill mit Blick auf die Entwicklung des Infektionsgeschehens. Auf Intensivstationen liegen laut dem Tagesreport des Robert Koch-Instituts (RKI) mit Daten des Divi-Intensivregisters 5011 an Covid-19 erkrankte Patienten, 18 weniger als am Vortag.

Tschechien will Corona-Beschränkungen weiter lockern

Die tschechische Regierung hat weitere Corona-Lockerungsschritte beschlossen. Neben dem Einzelhandel dürfen vom kommenden Montag an unter anderem auch Autohändler und Werkstätten, Solarien, Tattoostudios und Schießstände öffnen. Die Maskenpflicht im Freien gilt vom 10. Mai an nur noch bei Kontakten mit anderen Personen. Freilich ist die Bereitschaft zum Maskentragen draußen bereits stark zurückgegangen. Innerhalb von sieben Tagen steckten sich noch knapp 140 Menschen je 100.000 Einwohner mit dem Virus an.

Gesundheitsminister Petr Arenberger gab zudem erste Erleichterungen für Geimpfte bekannt. Für Reiserückkehrer, die ein tschechisches Impfzertifikat vorweisen können, entfällt die Quarantäne- und Testpflicht. Inzwischen sind mehr als eine Million Menschen vollständig geimpft. Zugleich warteten Hunderttausende Senioren über 70 Jahren noch immer auf einen Impftermin.

Präsident der Ukraine beklagt mangelnde Hilfe der EU

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die fehlende Hilfe der EU für sein Land bei der Lieferung von Covid-Impfstoffen beklagt. "Trotz des Abkommens, das wir ausgehandelt haben, hat die Ukraine nichts von der EU erhalten", sagte Selenskyj in Warschau bei einem Treffen mit seinen Amtskollegen aus Polen, Litauen, Lettland und Estland. "Ich denke, es entspricht nicht den europäischen Werten. Ich denke, es ist sehr unfair", so Selenskyj weiter. In seinem Land seien bislang erst etwa eine Million Menschen geimpft worden. Hingegen erhielten dem Gesundheitsministerium in Kiew zufolge erst rund 750.000 Ukrainer eine erste Impfdosis. 290 sind vollständig geimpft. Die Ukraine hat knapp 42 Millionen Einwohner.

Die EU unterstützt die Ukraine im Rahmen des Covax-Programms, das von der Weltgesundheitsorganisation WHO, der EU-Kommission und Frankreich organisiert wird. Aus diesem Programm erhielt die Ukraine bislang 117.000 Dosen des Präparats von Biontech/Pfizer. Im Februar hatte die EU-Kommission zudem angekündigt, sie wolle Polen beim Weiterverkauf von 1,2 Millionen Dosen Astrazeneca an die Ukraine helfen.

Dänemark verzichtet komplett auf Impfstoff von Johnson & Johnson

Die dänische Regierung hat entschieden, den Corona-Impfstoff des Herstellers Johnson & Johnson aus dem Impfprogramm zu streichen. Das teilte die Gesundheitbehörde mit. Die Vorteile einer Impfung könnten das Risiko möglicher Nebenwirkungen in Form schwerer Blutgerinnsel nicht ausgleichen, hieß es in einer Mitteilung. Zuvor hatten mehrere Medien über die Entscheidung berichtet.

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte im April einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Johnson & Johnson-Präparat und seltenen, aber schweren Fällen von Blutgerinnseln festgestellt. Zuvor war so ein Zusammenhang auch bei der Vergabe des Astrazeneca-Impfstoffs Vaxzevria festgestellt worden. Obwohl die EMA den Einsatz beider Mittel zur Bekämpfung der Corona-Pandemie weiter empfiehlt, entschied sich Dänemark, den Astrazeneca-Wirkstoff aus dem Impfprogramm zu nehmen. Eine politische Mehrheit im Parlament hat sich am Montag dafür ausgesprochen, dass Vaxzevria an Freiwillige verabreicht werden kann.   

Österreich plant Corona-Testbefreiung nach Erstimpfung

In Österreich soll schon bald eine Corona-Erstimpfung als Eintrittskarte für Restaurants, Veranstaltungen und Hotels gelten. Der grüne Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein kündigte im Parlament an, dass dies 21 Tage nach Erhalt der ersten Dosis gelten solle. Die große Parlamentskammer, der Nationalrat, beschloss eine Gesetzesänderung, mit der Geimpfte und Genesene von der Testpflicht befreit werden können, wenn ab 19. Mai Gastronomie, Hotellerie, Sport und Kultur wieder ihre Dienste anbieten.

"Natürlich soll das auch ein Anreiz sein, dass man sich impfen lässt", erklärte Mückstein die Idee hinter der Novelle, die ein erster Schritt zur Einführung des grünen Passes ist, wie das geplante Corona-Zertifikat für Geimpfte, Genesene und Getestete in Österreich genannt wird. Vor den Öffnungsschritten am 19. Mai ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen in den vergangenen Wochen gesunken. Die Sieben-Tage-Inzidenz in Österreich ging auf zuletzt 147 zurück – derselbe Wert wie in Deutschland.

Wiesn-Chef hält Absage des Oktoberfestes 2021 für richtig

Der Wiesn-Chef und Münchner Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU) wertet die Absage des Oktoberfestes als richtigen Schritt. "Die Entscheidung des Oberbürgermeisters und des Ministerpräsidenten ist völlig richtig – nicht nur aus Rücksicht auf die Gesundheit der Besucher, sondern auch aus Rücksicht auf den guten Ruf des Münchner Oktoberfestes als qualitätsvolles, sicheres Fest. Deshalb unterstütze ich sie ausdrücklich", sagte Baumgärtner am Montag.

Er setze nun auf das Oktoberfest 2022 – und rechne dann mit großem Zulauf. "Ich bin ganz sicher, dass es sehr, sehr gut besucht sein wird, weil die Menschen hungrig und durstig sind nach der Wiesn", sagte der Wiesn-Chef.

Söder und Reiter sagen Oktoberfest 2021 ab

Das Oktoberfest findet wegen der Corona-Pandemie auch in diesem Jahr nicht statt. Das teilten Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) am Montag mit. Beide hatten zuvor mit den Stadtoberhäuptern anderer Kommunen mit großen Volksfesten über das weitere Vorgehen beraten.

Söder sagte, es gebe nun eine gemeinsame Empfehlung, die Feste nicht stattfinden zu lassen. Zugleich betonte er, dass die letzte Entscheidung bei den jeweiligen Kommunen liege. "Es ist eine Entscheidung, die ich jetzt treffen muss. Es macht keinen Sinn zuzuwarten", sagte Reiter.

Söder und Reiter begründeten die Entscheidungen mit der nicht absehbaren Entwicklung bei den Infektionszahlen. Eine sichere Durchführung mit Hygienemaßnahmen wie Masken sei nicht realistisch. Im Falle einer spätere Absage drohe ein noch größerer wirtschaftlicher Schaden. Zugleich drohe ein dauerhafter Imageschaden an den Marken.

Gesundheitsminister Spahn: Entscheidung über Erleichterung für Geimpfte und Genesene womöglich noch diese Woche

Nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) könnte mit einer Entscheidung zu Lockerungen der Corona-Regeln für Geimpfte und Genesene "idealerweise" noch diese Woche gerechnet werden, spätestens nächste Woche. Das sagte Spahn nach einer Sitzung des Corona-Kabinetts. In den kommenden Tagen werde man mit Vertretern von Bundestag und Ländern beraten, bevor das Kabinett den Verordnungsentwurf formal beschließe – jedoch seien die Signale "sehr gut". 

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Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) hatte zuvor einen Entwurf vorgelegt, über den sich die Bundesregierung bis "Anfang der Woche" intern habe abstimmen wollen. Vollständig Geimpften und Genesenen solle es demnach bundesweit künftig wieder möglich sein, "ohne vorherige Testung zum Beispiel Ladengeschäfte zu betreten, Zoos und botanische Gärten zu besuchen oder die Dienstleistungen von Friseuren und Fußpflegern in Anspruch zu nehmen". Zudem sollen sie sich nicht an die lokal geltenden Ausgangsbeschränkungen halten müssen. Maskenpflicht an manchen Orten und Abstandsgebote sollen aber für alle weiter gelten.

Noch diese Woche Entscheidung über mehr Rechte für Geimpfte

Noch in dieser Woche soll die Entscheidung fallen, ob vollständig Geimpfte und Genesene in der Coronakrise wieder mehr Rechte bekommen. Darauf verständigten sich Union und SPD nach Informationen der Nachrichtenagentur DPA. Demnach sollen die von Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) vorgeschlagenen Änderungen am Donnerstag im Bundestag und am Freitag im Bundesrat beschlossen werden. Die Mitglieder der Bundesregierung haben der Kabinettsvorlage bereits im Umlaufverfahren zugestimmt, wie aus einem Schreiben des Bundeskanzleramtes hervorgeht, das der dpa vorliegt. Zuvor hatte auch die "Bild" berichtet.

Lambrecht hatte vorgeschlagen, dass vollständig Geimpfte und von Corona Genesene etwa von Auflagen für private Treffen und nächtlichen Ausgangsbeschränkungen ausgenommen werden. Wenn belegt sei, dass von beiden Gruppen keine besondere Gefahr mehr ausgehe, müssten die Einschränkungen ihrer Grundrechte zurückgenommen werden, hatte sie argumentiert.

Corona-Inzidenz sinkt in Hamburg unter 100

Die Corona-Inzidenz ist in Hamburg nach Berechnungen der Stadt erstmals seit Mitte März unter die wichtige Marke von 100 gesunken. Demnach ging die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen, von 100,8 auf 98,6 zurück. Vor einer Woche hatte der Wert 115,2 betragen. Auf anderer Berechnungsgrundlage gab das Robert Koch-Institut (RKI) für Hamburg eine Sieben-Tage-Inzidenz von 92 an – der bundesweit zweitniedrigste Wert nach Schleswig-Holstein (58). Hamburg hatte Mitte März die Corona-Notbremse gezogen, nachdem die Inzidenz über 100 gestiegen war. Als Messlatte – auch für mögliche Lockerungen der Corona-Einschränkungen – sieht der rot-grüne Senat den von der Gesundheitsbehörde errechneten höheren Inzidenz-Wert.

Inzidenz 0,0 – diese zwei Landkreise sind wieder coronafrei

Nepal streicht wegen Corona Flüge

Angesichts rasch steigender Corona-Fallzahlen streicht Nepal Flugverbindungen für rund zwei Wochen. Von Mitternacht (Ortszeit) an sollen bis Freitag (14.5.) alle Inlandsflüge sowie ab Mitte der Woche dann alle internationalen Verbindungen ausfallen, wie Kommunikationsminister Parbat Gurung am Montag sagte. Ausgenommen seien Charterflüge sowie humanitäre Flugdienste.

Wie im großen Nachbarland Indien geht in Nepals Hauptstadt Kathmandu in einigen Krankenhäusern der medizinische Sauerstoff aus und Betten werden knapp, wie örtliche Medien berichten. Das Virus verbreitet sich rasch – trotz eines landesweiten Lockdowns. In den vergangenen 24 Stunden wurden in dem Land mit 30 Millionen Einwohnern bei lediglich rund 16.000 Tests 7137 Neuinfektionen erfasst. Insgesamt hat das Land zwischen Indien und China seit Beginn der Pandemie mehr als 336.000 Infektionen registriert.

Schweden will Astrazeneca-Impfstoff spenden

Die schwedische Regierung spendet eine Million Impfdosen an die internationale Initiative Covax zur Versorgung ärmerer Länder. Entwicklungsminister Per Olsson Fridh sagte der Nachrichtenagentur TT, dass es sich dabei um den Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers Astrazeneca handele, der in Schweden nicht mehr benötigt werde.

Das Astrazeneca-Mittel Vaxzevria kann in sehr seltenen Fällen Blutgerinnsel auslösen, weshalb es in Schweden nur an Menschen über 65 Jahren verabreicht wird. Schweden erwarte in Zukunft große Lieferungen, so der Minister. "Diese Dosen werden von uns nicht verwendet. Und dann ist es wichtig, dass wir nicht darauf sitzen und die Dosen behalten, wenn die ganze Welt Impfstoffe benötigt", sagte Fridh.

Dänemark, das den Einsatz von Vaxzevria komplett gestoppt hat, hat sich noch nicht entschieden, was es mit den überflüssigen Impfdosen machen wird. Der dänische Gesundheitsminister versucht, den Impfstoff gegen den eines anderen Herstellers zu tauschen. Im April bekam Schleswig-Holstein 55.000 Dosen "geliehen".

In Deutschland haben gut 28 Prozent mindestens eine Corona-Impfung erhalten

In Deutschland haben 28,2 Prozent der Menschen mindestens eine Corona-Impfung erhalten. Das geht aus dem Impfquotenmonitoring des Robert Koch-Instituts (RKI) vom Montag hervor (Stand: 3. Mai, 12.00 Uhr). Den vollen Impfschutz erhielten bislang acht Prozent der Bevölkerung.

Am Sonntag wurden demnach 250 114 Impfspritzen gesetzt. Der bislang höchste Tageswert seit Beginn der Impfkampagne war am vergangenen Mittwoch mit mehr als einer Million Impfungen erreicht worden. Insgesamt verabreichten alle Impfstellen bislang etwas mehr als 30,1 Millionen Dosen, davon fast 23,5 Millionen bei Erstimpfungen und weitere knapp 6,7 Millionen bei Zweitimpfungen.

Je nach Bundesland variiert die Impfquote. Die höchste Quote an mindestens Erstgeimpften hat das Saarland mit 31,4 Prozent. Brandenburg liegt mit 25,5 Prozent leicht hinter den anderen Bundesländern zurück. Von etwa 35,7 Millionen gelieferten Impfdosen wurden bislang 84,4 Prozent verbraucht.

Moderna will bis zu 500 Millionen Impfdosen an Covax liefern

Der US-Hersteller Moderna will bis zu 500 Millionen Dosen seines Corona-Impfstoffs an die internationale Initiative Covax zur Versorgung ärmerer Länder liefern. Davon sollen 34 Millionen Dosen im vierten Quartal 2021 kommen, weitere 466 Millionen Dosen seien eine Option für 2022, teilte das Unternehmen in Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts mit. Alle Impfdosen würden zum niedrigsten Preis des gestaffelten Preissystems angeboten. Das Projekt Covax wird gemeinsam von der Weltgesundheitsorganisation WHO sowie den globalen Impfinitiativen Gavi und Cepi organisiert. 

Pfizer spendet Indien Medikamente im Wert von 70 Millionen Dollar

Pfizer will Indien angesichts der heftigen Corona-Welle Medikamente im Wert von mehr als 70 Millionen Dollar spenden. Dies bestätigte eine Unternehmenssprecherin der Nachrichtenagentur DPA. Auch gebe es Gespräche zwischen Pfizer und der indischen Regierung, um den Impfstoff in der größten Demokratie der Welt möglicherweise schneller zulassen zu können. Bislang haben in Indien rund zehn Prozent der Menschen mindestens eine Impfdose erhalten. Knapp zwei Prozent sind vollständig geimpft. Seit dem Wochenende dürfen sich alle Erwachsenen impfen lassen. Die Impfstoffe sind aber noch sehr knapp.

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Zehn-Kilometer-Grenze fällt – Lockerungen beginnen in Frankreich

In Frankreich hat die erste größere Etappe der Corona-Lockerungen begonnen. Die Menschen im Land dürfen sich nun tagsüber wieder ohne triftigen Grund mehr als zehn Kilometer von ihren Wohnungen entfernen. Das heißt, auch Reisen in andere Regionen sind wieder erlaubt. Die nächtliche Ausgangssperre ab 19.00 Uhr bleibt allerdings noch bis Mitte Mai bestehen. Außerdem beginnt in den Mittel- und Oberstufen nun auch wieder der Präsenzunterricht – allerdings nicht für alle in voller Klassenstärke.

Präsident Emmanuel Macron hatte in der vergangenen Woche weitgehende Öffnungen angekündigt. So sollen ab dem 19. Mai Außenbereiche von Restaurants, Geschäfte und Kultureinrichtungen wieder öffnen. Die abendliche Ausgangssperre soll dann erst um 21.00 Uhr beginnen. Im Juni sollen dann weitere Lockerungen folgen. Macron kündigte auch eine Art Notbremse an. Sie soll verschiedene Faktoren wie die Auslastung der Intensivstationen in Betracht ziehen und sieht eine Sieben-Tage-Inzidenz von 400 als Richtwert vor.

EU-Kommission will Ende von Reisebeschränkungen für Geimpfte aus Drittstaaten

Die EU-Kommission hat vorgeschlagen, Einreisebeschränkungen aus Drittstaaten für nachweislich vollständig gegen das Coronavirus geimpfte Menschen aufzuheben. Einreisen dürfen sollten alle, "die die letzte empfohlene Dosis eines in der EU zugelassenen Impfstoffs erhalten haben", erklärte die Brüsseler Behörde. Auch für Reisende aus Ländern "mit einer guten epidemiologischen Lage" sollten demnach keine Beschränkungen mehr gelten.

Kassenärzte warnen vor stockendem Tempo bei Erstimpfungen

Kassenärzte warnen davor, dass Erstimpfungen mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer wegen Versorgungsengpässen ins Stocken geraten könnten. "Die vom Bundesgesundheitsministerium für Mai angekündigten Mengen des Impfstoffs von Biontech/Pfizer reichen nicht aus, um damit ab Mitte des Monats Erstimpfungen in nennenswertem Umfang in den Praxen durchführen zu können", heißt es vom Vorstandschef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, in einer Mitteilung, die der "Rheinischen Post" vorliegt. "Grund hierfür ist, dass ab diesem Zeitpunkt die erforderlichen Zweitimpfungen mit diesem Impfstoff erfolgen." Gassen forderte, dass es nun Zeit sei, "endlich dafür zu sorgen, dass die Praxen genügend Impfstoff erhalten."

Spahn optimistisch zu raschen einheitlichen Regeln für Geimpfte

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich optimistisch zu einer raschen Einigung über einheitliche bundesweite Erleichterungen für vollständig Geimpfte und von Covid-19 Genesene geäußert. Das Corona-Kabinett werde in seiner Sitzung am heutigen Montag einen ersten Entwurf zu Geimpften, Genesenen und tagesaktuell Getesteten diskutieren, sagte Spahn in Berlin beim Eintreffen zu hybriden Beratungen des CDU-Präsidiums. Wenn man diesen Entwurf nun in der Bundesregierung schnell abstimmen könne, könnten die neuen Regeln sicherlich auch in dieser oder in den nächsten ein, zwei Wochen umgesetzt werden. Etwa beim Öffnen des Einzelhandels und der Außengastronomie sowie bei der Einreise könnten alle drei Gruppen in der Perspektive gleichgestellt werden, sagte Spahn. Der Minister wiederholte seine Ankündigung, dass die Priorisierung beim Impfen spätestens im Juni aufgehoben werden könne. Wichtig sei aber: "Das heißt nicht, dass dann alle im Juni sofort geimpft werden können."

Neue Version der Corona-Warn-App zeigt Schnelltest-Ergebnisse an

Die offizielle Corona-Warn-App des Bundes kann jetzt auch die Ergebnisse von Schnelltests anzeigen. Mit der neuen Version könnten Nutzerinnen und Nutzer ihre Mitmenschen nun noch schneller warnen und damit Infektionsketten noch schneller unterbrechen, teilten die Entwickler der App mit. Das Update auf Version 2.1 stand am Montagmorgen bereits im App-Store von Apple für das iPhone bereit. Die Version für Android-Smartphones soll im Google Play Store spätestens am Dienstag zur Verfügung stehen.

Mit dem Update können die Anwender nach dem Schnelltest eine Klötzchengrafik (QR-Code) einscannen und erhalten dann kurze Zeit später in der App das Testresultat. Ein negatives Ergebnis wird dann 48 Stunden lang in der App angezeigt und kann dann auch beim Einkaufen oder beim Friseurbesuch vorgelegt werden. Positive Ergebnisse werden in der App so lange angezeigt, bis die User das Ergebnis teilen. Der Schnelltest werde von der Corona-Warn-App gleichberechtigt zum aufwendigeren PCR-Test behandelt.

Esken gegen Öffnung von Gastro und Hotels für Geimpfte und Genesene

Die Co-Bundesvorsitzende der SPD, Saskia Esken, hat sich gegen die Öffnung von Gaststätten und Hotels für Geimpfte und Genese in der Corona-Pandemie ausgesprochen. Zwar sollten für diese Menschen Kontaktbeschränkungen oder nächtliche Ausgangsbeschränkungen aufgehoben werden, aber "deswegen werden wir nicht die Gaststätten und Hotels für einzelne Menschen öffnen", sagte Esken in der der Sendung "Frühstart" von RTL/ntv.

Esken verwies mit Blick auf die Öffnungen von Gaststätten und Hotels stattdessen auf den Stufenplan der Bundesnotbremse, in dem Öffnungsschritte an entsprechende Inzidenzen gekoppelt sind: "Da haben wir vereinbart, dass Gaststätten öffnen können im Außenbereich, aber in eben in vorsichtigen Stufen, um zu sehen was passiert." Esken betonte aber: "Die Genesenen und Geimpften sollen alle Rechte haben, die auch frisch Getestete haben. Also wenn sie einen Laden betreten möchten, wo eigentlich ein Test verlangt wird, dann sollten sie als Geimpfter nicht noch einen Test machen müssen."

Einzelhandel erholt sich – Umsätze im März über Vorkrisenniveau

Trotz anhaltenden Corona-Lockdowns hat sich der Einzelhandel in Deutschland im März erholt. Die Umsätze stiegen im Vergleich zum Vorkrisenmonat Februar 2020 preisbereinigt (real) um 4,4 Prozent und lagen somit über dem Vorkrisenniveau, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Im Vergleich zum Vormonat Februar setzten die Einzelhändler preisbereinigt 7,7 Prozent mehr um. Das war der zweitstärkste Anstieg im Vergleichszeitraum seit Beginn der Corona-Beschränkungen.

Im Vergleich zum März 2020, als viele Geschäfte pandemiebedingt in der zweiten Monatshälfte geschlossen waren, legte der Einzelhandel ebenfalls in allen Branchen zu. Die Statistiker verzeichneten mit real 11,0 Prozent und nominal 12,3 Prozent den jeweils stärksten Anstieg im Vergleich zum Vorjahresmonat seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1994. Besonders kräftig wuchs in der Jahresfrist der Internet-Handel mit einem Plus von 42,9 Prozent.

Ärztepräsident sieht großen Verbesserungsbedarf nach Coronakrise

Ärztepräsident Klaus Reinhardt sieht als Lehre aus der Coronakrise großen Verbesserungsbedarf von Notfallplänen bis zur Pflege – aber auch eine Warnung vor zusätzlichem Kostendruck. "Wir brauchen eine kritische Analyse der jetzt zu Tage getretenen Schwächen", sagte der Chef der Bundesärztekammer der Nachrichtenagentur DPA. "Der Wert des Gesundheitswesens ist in der Krise aber sehr deutlich geworden." Daran sollte man sich erinnern, wenn wieder Debatten darüber geführt würden, wie Strukturen ausgedünnt und auf reine Kosteneffizienz getrimmt werden sollten. Lehren aus dem Corona-Krisenmanagement sind ein Thema des Deutschen Ärztetages, der an diesem Dienstag als Online-Veranstaltung beginnt. Es sind die ersten großen Beratungen der Ärzteschaft seit Beginn der Pandemie, nachdem der Ärztetag im vergangenen Jahr ausgefallen war.

RKI registriert 9160 Corona-Neuinfektionen und 84 neue Todesfälle

Die Gesundheitsämter in Deutschland haben dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 9160 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Das geht aus Zahlen des RKI vom Morgen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von 05.05 Uhr wiedergeben. Montags sind die vom RKI gemeldeten Fallzahlen meist niedriger, unter anderem weil am Wochenende weniger getestet wird. Deutschlandweit wurden nach RKI-Angaben innerhalb von 24 Stunden 84 neue Todesfälle verzeichnet. Nachträgliche Änderungen oder Ergänzungen des RKI sind möglich. Am Montag vor einer Woche hatte das RKI binnen eines Tages 11.907 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Zudem wurden innerhalb von 24 Stunden 60 neue Todesfälle verzeichnet.

Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner lag laut RKI am Morgen bundesweit bei 146,9. Am Vortag hatte das RKI diese Sieben-Tage-Inzidenz mit 146,5 angegeben. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 3.425. 982 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2 in Deutschland. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der Genesenen gab das RKI mit etwa 3.040.700 an. Die Gesamtzahl der Menschen, die an oder unter Beteiligung einer nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 gestorben sind, stieg auf 83.276. Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht vom Sonntagnachmittag bei 0,92 (Vortag: 0,93). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 92 weitere Menschen anstecken.

Intensivmediziner ziehen erste positive Bilanz von Bundes-Notbremse

Die deutschen Intensivmediziner haben angesichts sinkender Infektionszahlen eine erste positive Bilanz der bundesweiten Corona-Notbremse gezogen. "Wir sind zuversichtlich, dass die Zahl der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen sinken wird – und das hängt dann unmittelbar mit den Maßnahmen der Bundes-Notbremse, wie aber auch dem deutlichen Fortschritt beim Impfen zusammen", sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, der Düsseldorfer "Rheinischen Post". Das rückläufige Infektionsgeschehen werde auf den Intensivstationen in einer Woche sichtbar, "davon sind wir überzeugt", sagte Marx weiter. "Die Bundes-Notbremse hat aus unserer Sicht also viele tausend Menschenleben retten können."

les / fs / rw / wue / luh DPA AFP

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