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Pandemie Corona-Zahlen steigen nach Gäubodenfest – was bedeutet das für die Münchener Wiesn?

Oktoberfest München
Zuletzt fand das Oktoberfest vor der Coronna-Pandemie statt. In wenigen Wochen findet es nach der Zwangspause wieder statt (Archivfoto).
© Frank Leonhardt / DPA
Wenige Tage nach dem Gäubodenfest in Straubing steigen in der Stadt und im Kreis die Corona- Zahlen stark an. Es galt in Bezug auf Sars-CoV-2 als Testlauf für die Wiesn. Wie Experten auf das Oktoberfest blicken.

In wenigen Wochen wird in Deutschland das größte Volksfest eröffnet. Am 17. September startet das Münchener Oktoberfest nach zwei Jahren Pandemie-Pause wieder. Die Vorfreude ist groß. Doch die Corona-Pandemie ist noch nicht vorbei. Volksfeste wie die Bierwoche in Kulmbach, das Bergfest in Erlangen und zuletzt das Straubinger Gäubodenfest zeigen: Die Corona-Zahlen steigen nach den Festen.

Das Gäubodenfest galt als Test für die Wiesn – es ist das zweitgrößte Volksfest in Bayern. Rund 1,3 Millionen Menschen besuchten es. Die Fallzahlbilanz nach der Veranstaltung: In Straubing liegt die 7-Tage-Inzidenz vier Tage nach dem Volksfest bei 695 und im Landkreis Straubing-Bogen bei 599. In Bayern liegt die 7-Tage-Inzidenz bei 231 (Stand: 26.8.2022). Als das Volksfest startete lag die 7-Tage-Inzidenz im Landkreis Straubing-Bogen bei 256 und in der Stadt bei 223. Straubings Oberbürgermeister Markus Pannermayr (CSU) sagte gegenüber dem "BR": "Klar ist, dass das Gäubodenvolksfest die mit Abstand größte Veranstaltung in den letzten Wochen war." Es sei davon auszugehen, dass der Anstieg der Zahlen im Wesentlichen auf das Volksfest zurückzuführen sei.

Anstieg der Corona-Zahlen nach Oktoberfest erwartet

Voraussichtlich sechs Millionen Besucher:innen aus der ganzen Welt wollen das Oktoberfest in München besuchen. Dass bei einem Volksfest diesen Ausmaßes die Corona-Zahlen im Nachgang steigen werden, daran zweifelt wohl kaum jemand. "Natürlich wird es dazu führen, dass eine Erhöhung der Fallzahlen auftreten wird", sagt Johannes Bogner, Leiter der Sektion Klinische Infektiologie am LMU-Klinikum der Uni München, gegenüber dem "MDR". Eine Zunahme der Erkrankungsfälle nach lokalen Ereignissen sei sehr gut dokumentiert, so Bogner weiter.

Durch die Omikron-Variante habe die Krankheit "erheblich an krankmachender Kraft verloren". Durch eine überstandene Infektion und Impfungen hätten viele Menschen zudem eine gute Immunitätslage. "Deshalb wird zwar die Krankheitszahl hoch sein nach der Wiesn, aber es wird kein Katastrophenszenario geben."

Abstand halten und eine Maske tragen, um sich vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen, ist theoretisch möglich. Doch realistisch wird sich das im vollen Bierzelt bei einer Maß nicht umsetzen lassen. Mediziner:innen sehen das Abhalten des Volksfestes im dritten Pandemiejahr unterschiedlich kritisch. Doch eins ist sicher: Wer auf das Oktoberfest geht, hat natürlich ein Risiko, sich mit Sars-CoV-2 anzustecken.

Covid-19: Hohes Ansteckungsrisiko im Zelt

Oliver Keppler, Vorstand des Max-von-Pettenkofer-Instituts der Ludwig-Maximilians-Universität in München, sagt im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung": "Auf einer Skala von 1 bis 10 liegt die Wahrscheinlichkeit, mit Sars-CoV-2 nach mehreren Stunden im Bierzelt in Kontakt zu kommen, nach meiner Einschätzung im Bereich von 9 bis 10. Viel mehr geht nicht."  Der Experte ist sich sicher, dass das Oktoberfest einen "enormen Einfluss auf das Infektionsgeschehen haben wird – lokal und international."

Ein weiteres mögliches Szenario: Es werden neue Corona-Varianten durch die vielen internationalen Besucher:innen aus ganz verschiedenen Ländern eingeschleppt. Während Oliver Keppler es aus medizinischer Sicht nicht für das zentrale Thema rund um Corona und das Oktoberfest hält, befürchtet Thomas Weiler, Klinikchef der Starnberger Kliniken, die Einschleppung von neuen Varianten aus der Südhalbkugel. Das teilte er gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" mit.

Wer das Oktoberfest besuchen will, dem raten einige Experten zur zweiten Booster-Impfung vor dem Besuch. Diese sollte noch Ende August/Anfang September erfolgen, damit die Impfung ihre Wirkung entfalten kann. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt die vierte Impfung für alle Menschen ab 60 Jahren. Nach dem Oktoberfest sollten sich Besucher:innen am besten regelmäßig mit Schnelltests selbst testen, damit eine Ansteckung möglichst nicht unentdeckt bleibt.

Quellen: LGL, BR, MDR, Süddeutsche Zeitung 1, Süddeutsche Zeitug 2

rha

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