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Corona-Pandemie Dänemark verzeichnet hohe Infektionszahlen und erste Omikron-Todesfälle. Doch das Land ist optimistisch

Schlange stehen für den Schnelltest, wie hier in Aalborg
Schlange stehen für den Schnelltest, wie hier in Aalborg. Die Infektionszahlen in Dänemark sind derzeit besonders hoch, was an der Omikron-Variante des Coronavirus liegt. 
© Henning Bagger / Ritzau Scanpix / AFP
Dänemark steckt mitten in einer heftigen Omikron-Welle. Die Behörden meldeten jetzt erstmals 18 Todesfälle im Zusammenhang mit der Coronavariante. Dennoch sehen die Experten der Gesundheitsbehörden Silberstreifen am Horizont.

Omikron hat Dänemark fest im Griff. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag am Dienstag bei enormen 2033,4. Besonders die Hauptstadt Kopenhagen und umliegende Kommunen sind stark betroffen. In fast allen Fällen handelt es sich um Infektionen mit der Omikron-Variante. Am Dienstag meldeten die Behörden insgesamt knapp 25.000 neue Fälle.

Auch die Krankenhäuser stehen unter großen Druck. Derzeit befinden sich 794 Corona-Patient:innen in den dänischen Kliniken – ein Zuwachs von 24 im Vergleich zum Vortag (Stand Dienstag). 77 davon liegen auf der Intensivstation.

Im September hatte Dänemark noch das Ende aller Corona-Maßnahmen gefeiert. Keine Masken, keine Impf- oder Test-Nachweise, offene Diskotheken, Großveranstaltungen. Doch auf den Freudentaumel folgte die bittere Ernüchterung namens Omikron. Die Maskenpflicht wurde vielerorts wieder eingeführt, unter anderem in Schulen, im Handel und im öffentlichen Transport. Ein Corona-Pass muss bei körpernahen Dienstleistungen wie Friseuren vorgezeigt werden. Es gilt ein Ausschankverbot für Alkohol zwischen 22 und 5 Uhr. Personenobergrenzen für Geschäfte und Gastronomie wurden eingeführt. Clubs und Diskotheken, Zoos, Theater, Kinos und viele weitere Einrichtungen sind geschlossen.

Bisher kaum Omikron-Intensivpatient:innen in Dänemark

Trotz der strikten Maßnahmen ist ein Abebben der Infektionszahlen nicht in Sicht. Tyra Grove Krause vom Statens Serum Insitut (SSI), einer dänischen Gesundheitsbehörde, sagte dem dänischen Fernsehsender TV2: "Omikron ist hier, um zu bleiben und es wird im kommenden Monat für eine massive Ausbreitung der Infektion sorgen."

Auch für erste Todesfälle hat Omikron verursacht. Am Montag veröffentlichte das SSI einen Bericht zur Omikron-Lage im Land. Demnach sind in Dänemark 18 Menschen an den Folgen einer Infektion mit der Virus-Mutante gestorben – bei knapp 56.000 Omikron-Infektionen zwischen dem 21. November und dem 28. Dezember.  

Doch die Zahlen des SSI beinhalten auch positive Zeichen: Mit Omikron wurden bislang 112 Menschen in Krankenhäuser eingeliefert. Weniger als fünf davon mussten auf die Intensivstation.

Ein Grund dafür könnte die hohe Impfbereitschaft in dem skandinavischen Land sein. 78,3 Prozent der dänischen Bevölkerung ist vollständig geimpft, mehr als 49 Prozent sind geboostert. Weitere Zahlen des SSI schlüsseln auf, wie hoch die Inzidenzen bei Geimpften und Ungeimpften sind. Hier zeigt sich: Zwar sind die absoluten Zahlen bei den vollständig Geimpften höher, dafür sind die Inzidenzen dort niedriger. Dies liegt auch daran, dass es deutlich mehr Geimpfte als Ungeimpfte in Dänemark gibt.

Höhere Inzidenzen bei Ungeimpften

Bei den vollständig Geimpften wurden am Dienstag 17.683 Neuinfektionen und 496 Hospitalisierte registriert. Bei Ungeimpften wurden diese Werte mit 2587 respektive 220 angegeben. Bei den Inzidenzen ist es aber umgekehrt. Die Inzidenz bei vollständig Geimpften beträgt 390,8; bei Ungeimpften 512,2. Hier werden nur die Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden herangezogen. Und bei der Hospitalisierung liegt die Inzidenz bei Geimpften bei 11 – während sie bei Ungeimpften bei 43,6 liegt.

"Es ist klar, dass es die Ungeimpften sind, die durch die Corona-Infektion so krank werden, dass sie ins Krankenhaus eingeliefert werden müssen. Ungeimpfte Erwachsene gibt es in Dänemark insgesamt nicht so viele, aber sie füllen einen relativ großen Teil der Aufnahmezahlen", sagte Abteilungsleiter Palle Valentiner-Branth vom SSI.

Mehrere Experten wiesen jedoch darauf hin, dass sich Omikron bislang vor allem bei jungen Menschen verbreitet und daher Daten dazu fehlen, wie krank ältere Menschen werden, wenn sie sich mit der Variante anstecken.

Omikron-Symptome (Symbolbild einer Frau, die sich an den Hals fasst)

Optimismus trotz schwieriger Lage in Dänemark

Die Fachleute beim SSI sind allerdings auch guter Dinge, was den zukünftigen Verlauf der Omikron-Welle und der Pandemie angeht. Epidemiologin Grove Krause erklärte: "Omikron wird unser Gesundheitssystem noch belasten können, aber alle Anzeichen sprechen dafür, dass es milder ist als die Delta-Variante. Das Risiko, ins Krankenhaus zu kommen, ist halb so groß wie bei Delta. Deshalb kann das Gesundheitswesen immer noch unter Druck geraten, wenn wir eine starke Ausbreitung von Infektionen sehen." Dies sei "die Herausforderung in der nächsten Zeit".

Aber eine optimistische Prognose hat sie auch im Gepäck, was den Einfluss des Coronavirus auf das Leben und den Alltag der Däninnen und Dänen anbelangt: "Ich denke, das (Virus) wird es in den nächsten zwei Monaten geben, und dann hoffe ich, dass die Infektionen nachlassen und wir unser normales Leben zurückbekommen." Dennoch müsse man noch eine Zeit auf Corona-Regeln und Maßnahmen setzen, um Infektionen zu verhindern.

Im dänischen Rundfunksender P1 sagte die SSI-Abteilungsleiterin zudem, dass sie erwarte, dass die Omikron-Welle Ende Januar ihren Gipfel erreichen werde. Ab Februar rechnet das SSI damit, dass die Infektionszahlen und damit auch der Druck auf die Krankenhäuser sinken. Grove Krause erklärte zwar, dass der Impfschutz bei Omikron – auch mit Booster-Impfung – nicht mehr so hoch sei. Aber: "Glücklicherweise sind wir vor ernsthaften Erkrankungen geschützt, und wenn Omikron einen milderen Verlauf nimmt, bedeutet das, dass ein sehr großer Teil von uns diese Krankheit bekommt, und dann bekommen wir etwas, das Herdenimmunität gleicht."

Omikron könnte die Virus-Variante sein, die die Pandemie beenden könne. Es könne "die letzte Phase oder Welle von Corona sein. Zumindest können wir es hoffen."

"Müssen alle impfen, bevor wir uns sicher fühlen können"

Auch SSI-Chef Henrik Ullum zeigte sich vorsichtig optimistisch. Besser gesagt optimistischer, nachdem er im Dezember mitteilte, dass er nicht erkenne, dass Omikron milder verlaufe. Der dänischen Zeitung "Berlingske" sagte er am Dienstag, dass er ebenfalls mit einem Omikron-Höhepunkt Ende Januar rechne. "Hier wird es weiterhin Viren geben, aber die Infektionsraten werden sinken und somit auch die Belastung unseres Gesundheitssystems geringer sein", so Ullum. Impfstoffe und Infektionen würden der Bevölkerung eine Immunität geben, die auch vor möglichen neuen Varianten des Virus schützen könne.

Doch die optimistischen Nachrichten bei Omikron bedeuten nicht, dass die Pandemie damit auch ein baldiges Ende findet. Eskild Petersen, Professor für Infektionskrankheiten an der Abteilung für Klinische Medizin der Universität Aarhus, sagte der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau, dass die ungleiche Verteilung der Impfstoffe zwischen armen und reichen Ländern der Grund dafür seien. "Ich denke, wir müssen alle Menschen impfen, bevor wir uns vollkommen sicher fühlen können." Petersen denkt daher, dass noch einige Jahre dauern wird, bis die Corona-Pandemie vorbei ist.

Weitere Quellen: coronasmitte.dk, TV2, "Politiken"


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