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Dem Öffnungsplan voraus Restaurants, Stadien, Kontakte: Dänemark will schon früher Corona-Maßnahmen lockern

Restaurants im Kopenhagener Stadtteil Nyhavn am Abend
Wieder draußen im Restaurant sitzen und mit Freunden oder Familie gemeinsam essen – das wird in Dänemark schon ab dem 21. April möglich. 
© fotoVoyager / Getty Images
Erst vor wenigen Wochen hat Dänemark einen Stufenplan für einen Weg aus dem Lockdown vorgelegt. Nun will man schon früher zurück in den neuen Alltag: Ab Mittwoch sollen Restaurants und Bars Gäste wieder drinnen bewirten dürfen. Auch Fans können wieder in die Stadien.

Während in Deutschland die Infektionszahlen und Inzidenzwerte steigen und Lockerungen der Corona-Maßnahmen für viele noch in weiter Ferne scheinen, sind Deutschlands nördliche Nachbarn beim Öffnen schneller als geplant.

Dänemark will schon ab kommenden Mittwoch Corona-Maßnahmen lockern, darunter in der Gastronomie. Darauf haben sich fast alle Parteien des dänischen Parlaments in der Nacht zu Freitag geeinigt. Die Öffnungsschritte erfolgen auf Grundlage des Öffnungsplans des Landes, auf den sich die Parteien bereits am 22. März verständigt haben. 

Dänemark lockert früher. Das sind die Schritte 

Diese Lockerungsschritte sollen ab dem 21. April vorgezogen werden:

  • Die Kontaktbeschränkungen werden gelockert. In Innenräumen dürfen sich bis zu zehn Menschen treffen, draußen sogar bis zu 50. Von Mai bis Juni sollen diese Obergrenzen erhöht und im August dann gänzlich abgeschafft werden.
  • Restaurants, Cafés und Bars dürfen in Innenräumen Gäste bedienen – unter der Voraussetzung, dass diese eine Reservierung und einen Corona-Pass haben, indem Impfungen oder ein negativer Test registriert sind. Dieser Öffnungsschritt war eigentlich für den 6. Mai vorgesehen.
  • Auch draußen dürfen Gaststätten servieren. Hier sind allerdings weder Corona-Pass noch Reservierung nötig.
  • Für Gaststätten gilt aber: Letzte Bestellung bis 22 Uhr und Schließen ab 23 Uhr.
  • In den dänischen Fußballstadien dürfen bis zu 500 Fans Platz nehmen, allerdings mit Abstand zueinander. Auch hier muss der Corona-Pass vorgelegt und alle Zuschauer*innen müssen registriert werden.
  • Fitnessstudios dürfen ebenfalls öffnen – allerdings nur für Über-70-Jährige, die einen Corona-Pass haben. Und dann auch nur höchstens zehn Personen.
  • Auch im Schulbereich gibt es Lockerungen – mehr Schüler*innen sollen in die Klassen.
  • Vereine, Musik-, Kultur- und Kunstschulen für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren dürfen ohne Corona-Pass öffnen – mit einer Versammlungsobergrenze von 25.

Zuvor war vereinbart worden, dass am Mittwoch große Einkaufszentren und Kaufhäuser öffnen dürfen, ebenso Außenbereiche von Restaurants und Cafés, Museen, Kunsthallen und Bibliotheken. Sport im Innenbereich für unter 18-Jährige wird ebenfalls erlaubt. 

"Dänemark steht gut da"

Die neuen Regeln sind eine große Freude für Restaurantbesitzer*innen, wie Mikele Volpi aus Aalborg. "Es ist einfach fantastisch und es ist so, als ob man heute den ganzen Tag zittert", sagte er dem Regionalsender TV2 Nord.

Nick Hækkerup, Dänemarks Justizminister, sagte zu der nun neu getroffenen Vereinbarung: "Dänemark steht gut da, sodass es Raum gibt, um mehr zu öffnen. Es ist verantwortbar und sehr positiv, es setzt aber voraus, dass wir uns an die Regeln halten, uns testen lassen und den Corona-Pass verwenden, um Zugang zu einigen Dingen zu bekommen, die wir wollen." Für die Regierung sei entscheidend, dass man ein verantwortungsbewusstes Gleichgewicht aufrechterhalte, damit man einen möglichst normalen Alltag habe, ohne die Kontrolle über die Epidemie zu verlieren. Die Öffnungsschritte geschähen auf Grundlage des Dialogs mit den Gesundheitsbehörden.

Gesundheitsminister Magnus Heunicke ergänzte: "Im Moment stehen wir in der Epidemie in Dänemark wirklich gut da. Die Infektionsraten und die Anzahl der Aufnahmen in Krankenhäuser sind stabil. Dafür gibt es mehrere Gründe. Wir haben eine enorme Testkapazität erweitert, um die Wiedereröffnung zu unterstützen, sodass wir die Infektion genau überwachen und die Infektionsketten effektiv stoppen können, wenn die Infektionen lokal ausbrechen." Auch die Zahl der Geimpften im Land spiele eine große Rolle bei den nun beschlossenen Lockerungen. 

"Sind ein wenig überrascht, wie gut es läuft"

Auch das Statens Serum Institut (SSI) – das Zentrallabor der dänischen Gesundheitsbehörden, vergleichbar mit dem Robert-Koch-Institut in Deutschland – teilte am Donnerstag in einer Pressemitteilung mit, dass Dänemark im Vergleich zu anderen europäischen Ländern in der Pandemie besser dastehe. "Insgesamt sind wir ein wenig überrascht, wie gut es läuft", sagt Henrik Ullum, Direktor des SSI. Corona sei in Dänemark unter Kontrolle.

Am Donnerstag meldeten die Behörden in Dänemark 798 neue Corona-Infektionen. Es wurden außerdem zwei neue Todesfälle und 28 neue stationäre Patient*innen registriert. Die 7-Tage-Inzidenz wird mit 81,5 pro 100.000 Einwohner*innen angegeben. Auch die Grafiken zeigen, dass die Infektionszahlen zwar steigen, allerdings nur leicht. Die Zahlen der Covid-Patient*innen in Krankenhäusern und auf Intensivstationen hält sich stabil: 34 befinden sich auf der Intensiv, 29 davon werden beatmet (Stand 15. April).

Mehr als eine Million Menschen in Dänemark haben mindestens eine Dosis eines Corona-Impfstoffes bekommen. Das entspricht etwa 17,2 Prozent der Menschen in dem 5,8-Millionen-Einwohner-Land. Knapp 480.000 Däninnen und Dänen sind vollständig geimpft. Bis August soll jeder, der es wünscht, eine Impfung erhalten haben. Allerdings verzögert sich Dänemarks Impfkampagne, da man den Impfstoff von Astrazeneca nicht weiter verwenden will. 

Risiko für steigende Zahlen dennoch da

Laut Ullum spielt auch eine Rolle, dass sich die Menschen in Dänemark größtenteils an die Regeln und Ratschläge der Behörden hielten. "Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass die Dänen ein gutes Verständnis für diese Epidemie haben und daher die Anweisungen der Behörden anhören und akzeptieren. Und dann sind wir eine Nation mit einem hohen sozialen Vertrauen – wir tun Dinge für andere." In einer Epidemie sei es nicht so, dass jeder seines Glückes Schmied sei, so Ullum. Man sei vielmehr abhängig voneinander.

Aber auch das massive Testen im Land und die effektivere Kontaktverfolgung seien Gründe, warum Dänemark besser dastehe. Dennoch warnt der SSI-Direktor: "Es gibt Anlass, uns selbst zu loben, weil es gut läuft, aber es gibt auch Grund zu sagen, dass die Dinge aus dem Ruder laufen können. Wir sehen dies in anderen europäischen Ländern." Das Potenzial für sehr hohe Infektionsraten und Belastungen des Gesundheitssystems sei weiterhin vorhanden.

"Wenn wir glauben, dass das Spiel jetzt gewonnen ist, riskieren wir, dass unser Gegner plötzlich drei Treffer in Folge erzielt, und dann geht es schnell in die andere Richtung."

Auch andere hatten nach der Veröffentlichung des Öffnungsplans Ende März gewarnt. Ärzte und Epidemiologen in Dänemark warnten vor steigenden Infektionszahlen. Und auch der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sprach von einem "spektakulären Fehler" (der stern berichtete). 

Quellen: Justizministerium, Staatsministerium, Danmarks Radio, SSI, TV2 Nord


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