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Psychische Gesundheit Warum wir uns alle ein Beispiel an Olympia-Turnerin Simone Biles nehmen sollten

Psychische Gesundheit: Warum wir uns alle ein Beispiel an Olympia-Turnerin Simone Biles nehmen sollten
Sehen Sie im Video: Mentale Gesundheit  – Star-Turnerin Biles sagt Teilnahme am olympischen Mehrkampf-Finale ab.




US-Star-Turnerin Simone Biles hat ihren Start im olympischen Mehrkampf-Finale der Kunstturnerinnen bei den Sommerspielen in Tokio abgesagt. Der US-Verband gab am Mittwoch medizinische Gründe dafür an. Biles wolle den Fokus auf ihre mentale Gesundheit legen, hieß es. Am Dienstag war die viermalige Goldgewinnerin von Rio de Janeiro nach dem ersten von vier Durchgängen aus dem Team-Wettbewerb ausgestiegen. Das US-Team mit Sunisa Lee, Jordan Chiles und Grace McCallum belegte ohne sie Rang zwei hinter Russland und vor Großbritannien. Der Verband schrieb, man wolle schauen und abwarten, inwieweit Biles an den weiteren Wettbewerben teilnehmen könne. Simone werde täglich bewertet, um herauszufinden, ob sie an den Einzel-Finals in der kommenden Woche teilnehmen könne und wolle. Körperlich sei Biles laut eigener Aussage in guter Form. Die 24-Jährige ist eine der populärsten Teilnehmerinnen der Spiele in Tokio. Für gleich sechs Wettbewerbe war die aus Ohio stammende Athletin entweder allein oder mit ihrem Team qualifiziert. In allen hatte sie gute Aussichten auf den Sieg. Der Druck war dadurch groß. Mark Adams, Sprecher des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), sagte man habe »großen Respekt« vor der Entscheidung der Athletin und unterstütze diese. IOC-Präsident Thomas Bach habe am Dienstag vor der Medaillenzeremonie der Team-Wettkämpfe laut Beobachtern ausführlich mit Biles gesprochen.
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Die US-Olympia-Turnerin Simone Biles zieht sich vom Einzelmehrkampf aus dem Team-Wettbewerb zurück. Sie begründet dies mit psychischen Problemen. Eine richtige und wichtige Entscheidung, die wir uns alle zum Vorbild nehmen sollten.

Es erfordert viel Mut, zuzugeben, dass man Probleme mit seiner mentalen Gesundheit hat. Deshalb gebührt dem US-Turnstar Simone Biles allerhöchster Respekt. Schwächen zuzugeben, das ist nicht einfach.

Die 24-Jährige zog sich am Dienstag in Tokio aus dem Mannschaftsfinale zurück. Am Mittwoch sagte sie dann ihren Start im Einzelmehrkampf ab. Die Begründung: psychische Probleme. "Die mentale Gesundheit steht an erster Stelle. Daher ist es manchmal in Ordnung, die großen Wettbewerbe sogar auszusitzen, um sich auf sich selbst zu konzentrieren. Es zeigt, wie stark du als Wettkämpfer und Person wirklich bist, anstatt sich einfach durchzukämpfen", sagte Biles, die von einem "Kampf gegen Dämonen" vor dem Wettkampf sprach.

Simone Biles ist ein Beispiel für uns alle

Auf Instagram schrieb die viermalige Olympiasiegerin der Spiele in Rio de Janeiro 2016: "Ich fühle mich wahrhaftig, als hätte ich zurzeit die Last der Welt auf meinen Schultern. Ich weiß, ich bürste es ab und lasse es so aussehen, als würde der Druck keinen Einfluss auf mich haben, aber verdammt, manchmal ist es hart hahaha. Olympia ist kein Witz."

Biles ist nicht die Einzige. Das japanische Tennis-Ass Naomi Osaka hatte sich wegen psychischer Probleme schon von den French Open zurückgezogen und das Thema öffentlich gemacht.

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

Das, was Biles und Osaka getan haben, erfordert nicht nur Mut, es sollte auch ein Beispiel für uns alle sein. Denn psychische Probleme sind eine enorme Belastung für diejenigen, die sie haben – auch, wenn man es oft nicht auf den ersten oder zweiten Blick sieht. Dabei leiden sehr viele Menschen daran. 5,3 Millionen der erwachsenen Deutschen zwischen 18 und 79 Jahren sind im Laufe eines Jahres an einer depressiven Störung erkrankt, so die Deutsche Depressionshilfe. Jede vierte Frau und jeder achte Mann ist im Laufe des Lebens von einer Depression betroffen. Depression ist eine Volkskrankheit, das lässt sich nicht leugnen. Und hinzu kommen noch andere psychische Erkrankungen, wie Essstörungen oder bipolare Störungen.

Depressionen sind eine ernst zu nehmende Krankheit

Viele der Betroffenen und Erkrankten machen trotz ihrer Probleme im Alltag weiter, kämpfen sich durch, ohne sich etwas anmerken zu lassen, so wie Biles und Osaka. Doch das ist nicht gesund, es kann die Probleme und den Druck sogar noch verstärken. Und deswegen sollten wir alle es den beiden Sportlerinnen gleichtun.

Wer eine Grippe oder eine dicke Erkältung hat, der geht auch nicht zur Arbeit, zur Uni oder Schule. Man bleibt zu Hause und kuriert sich aus. Genau so sollte man mit mentalen Gesundheitsproblemen umgehen. 

Depressionen oder andere mentale Probleme sind nämlich nichts, wo man sich "zusammenreißen" sollte. Sie sind auch schon gar keine "Modekrankheit". Sie sind – genau wie eine Grippe – eine ernst zu nehmende Krankheit. Und genau so sollte man damit umgehen: zurückziehen, wenn es einem schlecht geht, sich Unterstützung holen, zum Arzt oder zur Psychologin gehen, eventuell sogar Medikamente nehmen. Psychische Krankheiten sind nichts, wofür man sich schämen sollte. Sie können jeden treffen: Väter, Chefinnen, Professoren, Kinder, Arme, Reiche. 

Biles und Osaka haben vorgemacht, wie wir mit mentalen Problemen umgehen sollten. Sie sind damit ein Vorbild für uns alle. Sie konzentrieren sich auf sich und ihre psychische Gesundheit. Das ist wichtiger als jede Medaille.

Sie haben das Gefühl, Sie oder eine nahestehende Person könnten an einer Depression erkrankt sein? Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe bietet dafür einen Selbsttest an. Den Link dazu finden Sie hier

Die Deutsche Depressionshilfe bietet außerdem Informationsmaterial, Anlaufstellen und Rat an. 


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