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Gutes Timing Digitaler EU-Impfpass kommt vor den Sommerferien – und soll Reisen erleichtern

Gutes Timing: Digitaler EU-Impfpass kommt vor den Sommerferien – und soll Reisen erleichtern
Sehen Sie im Video: Für 399 Euro zum Testurlaub nach Rhodos – "Es fühlt sich sehr merkwürdig an".




Die niederländischen Touristen, die am Montag am Flughafen der griechischen Insel Rhodos auf ihre Koffer warteten, konnten sich als Gewinner fühlen. Sie dürfen acht Tage lang in einer Hotelanlage Urlaub machen. All-Inklusive, mit dem Zugang zum Pool, den Restaurant und anderen Einrichtungen. Das Ganze für 399 Euro. Die Reise ist Teil eines Versuchs, den die niederländische Regierung in Zusammenarbeit mit einem Reiseveranstalter und der staatlichen Gesundheitsbehörde durchführt. Mehr als 25.000 Menschen hatten sich beworben, beim sogenannten "Rhodos-Experiment" mitzumachen: "Es fühlt sich sehr merkwürdig an, jetzt hier zu sein. Aber ich bin wirklich aufgeregt, jetzt Urlaub zu machen." "Es ist sehr sonnig hier und in Holland hat es geregnet. Das Wetter bringt mich immer zum lächeln." "Ich bin sehr glücklich. Es ist lange her, seitdem wir im Urlaub waren. Mal sehen, ob wir ihn trotz der Beschränkungen genießen können." Der Testurlaub soll Aufschlüsse darüber geben, wie der Urlaub trotz der Corona-Pandemie sicher sein kann. Den Strand dürfen die ausgewählten Touristen allerdings nur vom Balkon aus sehen. Niemand darf das Ressort verlassen. In der Anlage müssen sie einen Abstand von mindestens 1,5 Metern zueinander einhalten. Außerdem müssen sie sich vor, während und nach der Reise mehreren Coronavirus-Tests unterziehen und nach ihrer Rückkehr in die Niederlande für mindestens fünf Tage in Quarantäne bleiben. Die griechische Regierung will trotz Corona den Start in die Tourismus-Saison retten. Griechenland hängt stark vom Tourismus ab und ist bestrebt, nach einem verheerenden Jahr wieder Besucher anzulocken.
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Der von der EU geplante digitale Impfpass soll pünktlich zu den Sommerferien auch in Deutschland verfügbar sein. Gutes Timing – denn die zugehörige App soll vor allem das Reisen in der EU erleichtern.

Die Menschen in Deutschland sollen noch vor den Sommerferien in die Lage versetzt werden, einen vollständigen Impfschutz unkompliziert durch einen digitalen Impfpass nachzuweisen. Die entsprechende App soll zwischen Mitte Mai und Ende Juni bereitgestellt werden, wie es am Mittwoch aus dem Bundesgesundheitsministerium hieß. Die digitale Bescheinigung soll den Betroffenen die Möglichkeit geben, schnell und fälschungssicher nachzuweisen, dass sie vollständig geimpft sind und deshalb wieder bestimmte Grundrechte in Anspruch nehmen zu können, etwa bei Urlaubsreisen.

Die Zertifikate sollen dabei nicht zentral auf einem Server gespeichert werden, sondern jeweils auf dem Smartphone der Anwender. Menschen, die kein Smartphone besitzen, erhalten zusätzlich zu dem Eintrag im analogen gelben Impfpass einen Ausdruck der digital einlesbaren Impfbescheinigung als QR-Code auf Papier. Auch bei einem Verlust oder Wechsel des Smartphones kann das Zertifikat über den ausgedruckten QR-Code erneut ins Handy eingelesen werden.

Deutscher Impfpass kommt vom Tech-Riesen IBM

Die digitalen Impfbescheinigungen sollen in den Impfzentren und Arztpraxen ausgestellt werden. Derzeit sucht die Bundesregierung noch nach einem Verfahren, wie bereits vollständig Geimpfte ihre Bescheinigung nachträglich erhalten können. In der Bundesregierung wird zudem noch diskutiert, ob auch überstandene Corona-Infektionen wie ein vollständiger Impfschutz gewertet werden. Dabei sei man noch auf Forschungsergebnisse angewiesen, hieß es.

Wie bereits zuvor im Amtsblatt der Europäischen Union zu lesen war, wird der digitale Impfpass in Deutschland unter der Führung des amerikanischen Technologiekonzerns IBM entstehen. Beteiligt sind auch das Kölner Start-up Ubirch, der schwäbische IT-Dienstleister Bechtle und Govdigital, ein genossenschaftlicher Zusammenschluss von zehn IT-Dienstleistern der öffentlichen Hand.

Ähnlich wie bei der offiziellen Corona-Warn-App des Bundes soll die Entwicklung des Systems als Open-Source-Projekt programmiert und transparent gemacht werden. Der Impfnachweis soll dann entweder in der Corona-Warn-App oder einer separaten Anwendung hinterlegt werden, die von der IBM programmiert wird. Entgegen den ursprünglich diskutierten Konzepten soll bei der Lösung nicht auf die Verschlüsselungstechnik von so genannten Blockchains gesetzt werden, sondern auf traditionelle Verschlüsselungstechnik.

Covid-Zertifikat soll Impfungen, Tests und Infektionen nachweisen

Der deutsche Impfpass soll kompatibel sein mit dem Covid-Zertifikat, an dem im Moment auf EU-Ebene gearbeitet wird. Die EU-Staaten hatten dazu am Mittwoch ihre Position für die Verhandlungen mit dem Europaparlament festgelegt, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Diplomatenkreisen erfuhrt. Das Dokument soll Impfungen, Ergebnisse zugelassener Tests und Informationen zu überstandenen Infektionen festhalten und EU-weit anerkannt werden. Vor allem Urlaubsländer wie Griechenland oder Spanien, deren Wirtschaft stark vom Tourismus abhängt, hatten sich dafür eingesetzt.

Das Zertifikat soll kostenfrei ausgestellt werden, wie aus der Position der EU-Staaten hervorgeht. Welche Vorteile – etwa Quarantäne-Befreiung – die EU-Staaten gewähren, sollen die Länder selbst entscheiden können. Die jeweiligen Länder sollen zudem selbst festlegen, ob sie auch Impfungen mit Präparaten anerkennen, die nur in bestimmten Ländern, aber nicht in der gesamten EU zugelassen sind – beispielsweise das russische Sputnik V. Die Regeln sollen zunächst für zwölf Monate gelten. Das Europaparlament könnte Ende des Monats seine Position festlegen, anschließend dürften die Verhandlungen mit den EU-Staaten beginnen.

les / dpa

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