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Ehec-Epidemie: Wie sicher ist unser Wasser?

Die Deutschen essen wieder Salat - doch seit der Ehec-Keim in einem Bach nachgewiesen wurde, wächst wieder die Sorge. Ist das Trinkwasser betroffen? Besteht noch Gefahr? Die wichtigsten Antworten.

Von Sonja Popovic

Ehec, vier Buchstaben, die noch immer Verunsicherung auslösen. Zwar sinkt die Zahl der Neuerkrankungen inzwischen, und insgesamt hat sich der Wirbel um die Darmseuche gelegt. Doch mit der Meldung, dass der aggressive Erreger O104:H4 in einem kleinen Fluss in Frankfurt, dem Erlenbach, gefunden wurde, schrillen bei vielen Verbrauchern erneut die Alarmglocken. Zudem haben in Kassel Forscher die erste Übertragung von Mensch zu Mensch nachgewiesen.

Was bedeuten die aktuellen Funde? Ist mit einer neuen Ehec-Welle zu rechnen? Wie sicher ist das Trinkwasser und das Baden im Schwimmbad oder in Flüssen und Seen? stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen:

Wie gelangte der Ehec-Erreger in den Fluss?

Das ist noch nicht geklärt. Derzeit überprüfen die hessischen Behörden, ob eine nahe gelegene Kläranlage als Quelle infrage kommt. Normalerweise kommt der Keim zwar im Kot von Wiederkäuern vor, aber auch infizierte Menschen scheiden ihn aus. Eine Kläranlage würde die Anzahl der im Abwasser enthaltenen Keime vermindern, diese aber nicht vollständig herausfiltern können, gab das hessische Sozialministerium bekannt. Ein großes Infektionsrisiko sehen die Behörden jedoch nicht. Weitere Wasserproben sollen zeigen, ob es sich bei der Verunreinigung um einen Einmalfund handelt oder nicht. Ergebnisse seien vor Mittwoch nicht zu erwarten. "Es gibt noch viele offene Fragen", sagt ein Sprecher des BfR. "Wir wissen zum Beispiel noch nicht, wie lange so ein Keim in der Umwelt oder in einer Kläranlage überleben kann, ob er sich vermehrt oder nicht." Ungewöhnlich sei ein solcher Fund aber nicht, sagte ein Sprecher des Umweltbundesamtes (UBA). "Es handelt sich um einen Bach, der genau an einer Kläranlage liegt. Es ist damit zu rechnen, dass dort Keime vorkommen."

Sind durch den Kontakt mit dem Gewässer weitere Menschen an Ehec erkrankt?

Nach derzeitigem Stand gibt es in Frankfurt keine Neuerkrankungen. Allerdings nutzen zwei nahegelegene Höfe das Wasser, um Kartoffeln, Zuckerrüben und Stärkekartoffeln zu bewässern. "Die Betriebe wurden nochmals darauf hingewiesen, dass sie das Wasser nicht fürs Wässern oder Waschen von Gemüse oder andere Lebensmittel nutzen dürfen“, erklärte ein Sprecher des Umweltministeriums. Möglicherweise nutzen auch Kleingärtner das Wasser aus dem Bach. Diese wurden daher aufgefordert, Produkte, die sie damit gewässert oder gewaschen haben, nicht zu verzehren. Die Behörden haben außerdem weitere Proben angeordnet.

Können Ehec-Erreger auch ins Trinkwasser gelangt sein?

Zwischen dem Erlenbach und der öffentlichen Trinkwasserversorgung gebe es keine Verbindung, gab das Sozialministerium bekannt. Daher bestehe auch keine Gefahr einer Kontamination. Auch das UBA bestätigt: "Die Trinkwasseraufbereitung muss noch viel problematischere Keime entfernen als Ehec. Daher gibt es beim Trinkwasser auch von unserer Seite aus keine Bedenken."

Ist mit einer neuen Erkrankungswelle zu rechnen?

Das UBA glaubt nicht an eine neue Welle. In der Umwelt gebe es viele natürliche Filter. Falls die Quelle in diesem Fall die Kläranlage ist, wird das Wasser zunächst stark verdünnt, sobald es in Flüsse und Bäche geleitet wird - das heißt, die Konzentration des Erregers sinkt stark. "Außerdem hat der Ehec-Erreger natürliche Fressfeinde, etwa Zooplankton im Wasser. Gleichzeitig haben wir Bodensedimente, die das Wasser reinigen", sagt ein Sprecher des UBA. Auch UV-Strahlen würden zusätzlich Keime abtöten. Vorhersagen kann derzeit aber niemand, ob es eine neue Erkrankungswelle geben wird. "Bis jetzt haben wir festgestellt: Eine Quelle waren die Sprossen. Und offenbar ist es auch möglich, dass infizierte, aber nicht erkrankte Menschen Lebensmittel kontaminieren können, an denen wiederum andere Menschen erkranken können", sagt ein Sprecher des BfR. Das seien aber immer noch Einzelfälle. Wie es sich genau verhält, muss noch erforscht werden.

Kann man sich im Schwimmbad mit Ehec anstecken?

Das UBA hält das für kaum möglich. Schwimmbecken würden durchgängig desinfiziertes Wasser enthalten, Krankheitserreger hätten keine Chance, darin zu überleben. Zum einen werden Mikroorganismen und von Badegästen eingetragene Schmutzstoffe über Filtersysteme kontinuierlich aus dem Wasser entfernt, zum anderen wird das Wasser mit Chlor behandelt: Innerhalb kürzester Zeit, noch bevor die Krankheitserreger in das Filtersystem gelangen, werden sie abgetötet. Das Badewasser wird außerdem regelmäßig untersucht, unter anderem auf das Bakterium E. coli. Ehec ist eine Variante dieses Darmbakteriums. Falls Ehec gefunden wird, gibt es zusätzliche Maßnahmen, um das Wasser zu reinigen - im Zweifel würde man das Becken auch schließen.

Und wie hoch ist die Ansteckungsgefahr in Badeseen oder Flüssen?

Anders als im Schwimmbecken kann es in der freien Natur vorkommen, dass Abwässer in Flüsse oder Seen gelangen. Daher werden diese Gewässer regelmäßig beprobt und auf fäkale Verunreinigungen hin untersucht - mindestens alle 14 Tage, sagt ein Sprecher des UBA. Bei einer entsprechenden Vorgeschichte können die Kontrolleure vor Ort die Frequenz auch erhöhen. In Badeseen und Flüssen mit guter Wasserqualität sei das Risiko, sich mit Ehec anzustecken, verschwindend gering. Das Risiko einer Infektion steige mit abnehmender Wasserqualität. Genaue Informationen über den Zustand der einzelnen Seen und Flüsse erhalten Interessierte von den jeweils zuständigen Umweltbehörden vor Ort.

Haben sich die Empfehlungen geändert?

Nein. Die Experten raten weiterhin, auf eine gründliche Hygiene zu achten und sich regelmäßig die Hände zu waschen. Nach dem Baden im Schwimmbad oder im See empfiehlt das Umweltbundesamt, sich danach jedes Mal gründlich abzuduschen.

mit Agenturen

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