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Ehec-Erreger Spanische Gurken sind unschuldig

Die Welle gefährlicher Ehec-Infektionen geht wohl doch nicht auf spanische Gurken zurück. Forscher fanden keine Übereinstimmung mit dem Erreger aus Stuhlproben. Die Suche geht damit von vorne los.

Woher stammt der Ehec-Erreger, der zurzeit für den großen Ausbruch an Infektionen mit dem Darmkeim in Deutschland verantwortlich ist? Seit heute ist klar: Die auf spanischen Gurken entdeckten Bakterien sind wohl nicht daran schuld.

Die Bakterien auf zwei der insgesamt vier Gurken stimmten nicht mit dem Erreger-Typ aus den Stuhlproben der betroffenen Patienten in Hamburg überein, teilte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) in der Hansestadt mit. Die Ursache für die Verbreitung des Erregers vor allem in Norddeutschland ist damit weiter unklar.

"Unsere Hoffnung, die Quelle der schweren Komplikationsfälle mit HUS-Syndrom zu entdecken, hat sich bei diesen ersten Ergebnissen leider nicht erfüllt", sagte Prüfer-Storcks. "Nach wie vor ist die Quelle nicht identifziert."

Gurken trotzdem nicht ungefährlich

Die mit dem Ehec-Erreger belasteten Gurken sind der Gesundheitssenatorin zufolge aber deshalb nicht ungefährlich. Sie trügen einen Ehec-Erreger und könnten damit auch das sogenannte hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) auslösen, das zu akutem Nierenversagen führen kann. Die Gurken seien damit potenziell gesundheitsgefährlich und hätten aus Verbraucherschutzgründen zwingend aus dem Verkehr gezogen werden müssen, sagte die Senatorin. Auch die offizielle Verzehrwarnung sei daher richtig. "Es wäre unverantwortlich, bei einer solchen Zahl von Erkrankungen einen begründeten Verdacht zurückzuhalten."

In Hamburg waren auf vier Gurken Ehec-Erreger entdeckt worden, von denen drei aus Spanien stammten. Bei einer vierten Gurke ist die Herkunft weiter unklar. Sollte die Analyse der anderen Gurken ebenfalls keinen Hinweis auf den für den jüngsten Ausbruch verantwortlichen Keim-Typ liefern, bleibe die Suche nach den Ursachen weiter unklar, sagte der Geschäftsführer des Hamburger Instituts für Hygiene und Umwelt, Hans-Joachim Breetz.

Andere Lebensmittel weiter im Visier

Die Hamburger Behörden untersuchen laut Prüfer-Storcks weiter alle denkbaren Ursachen für die Ehec-Infektionen, auch andere Lebensmittel. "Wir beproben sehr weitläufig", sagte die Senatorin. Die Hansestadt ist bundesweit am stärksten vom aktuellen Ausbruch des gefährlichen Magenkeims betroffen.

Seit Beginn der EHEC-Welle würden am UKE verschiedene Testmethoden zum Erregernachweis kombiniert, erläuterte der Vorstandsvorsitzende des Hamburger Universitätsklinikums Eppendorf (UKE), Jörg Debatin, der dpa. "Hierbei hat sich gezeigt, dass blutiger Durchfall in Hamburg als Epizentrum ein maximal valides Kriterium für die Diagnose EHEC ist." Der von der Universität Münster entwickelte Schnelltest werde daher am UKE derzeit nur sehr bedingt eingesetzt werden. "In anderen Regionen mit sporadischem Auftreten von EHEC-Infektionen ist ein Schnelltest überaus hilfreich", betonte Debatin.

Nach Angaben der Gesundheitsbehörde waren in der Hansestadt bis Dienstag 569 Fälle von Ehec oder Ehec-Verdacht gemeldet worden. 110 Patienten wurden demnach wegen der lebensbedrohlich Komplikation HUS oder dem Verdacht darauf in Hamburger Krankenhäusern stationär behandelt. Es sei "keine Entspannung sichtbar", sagte Prüfer-Storcks.

Bundesweit starben bislang mindestens 15 Patienten nach einer Infektion mit dem Erreger. Auch aus Schweden wurde am Dienstag ein erster Todesfall gemeldet.

Bei der Suche nach der Quelle des EHEC-Ausbruchs halten Experten mittlerweile auch eine Übertragung über Tiere theoretisch für denkbar. "Es könnten Tiere infiziert sein. Es können aber auch Menschen als Überträger in Betracht kommen", sagte Prof. Helge Karch vom Universitätsklinikum Münster (UKM) am Dienstag. Diese Möglichkeiten müssten nun überprüft werden. Möglicherweise könnten Menschen den Keim in sich tragen, ohne dass es zum Ausbruch komme. Es müsse auch der Frage nachgegangen werden, ob entlassene EHEC-Patienten den Keim noch weiter ausscheiden.

lea/AFP/DPA/Reuters DPA Reuters

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