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Entdeckung von Ebola: In Thermoskanne nach Europa

In einer blauen Thermoskanne kam Ebola zum ersten Mal nach Europa. Vor 38 Jahren wurden Blutproben einfach im Handgepäck transportiert. Wie gefährlich das Ebola-Virus ist, ahnte damals niemand.

Die Zahl der Toten durch die aktuelle Ebola-Epidemie in Westafrika ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation auf 1145 gestiegen

Die Zahl der Toten durch die aktuelle Ebola-Epidemie in Westafrika ist nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation auf 1145 gestiegen

Wie gefährlich das Handgepäck war, das ein Bote auf dem Linienflug von Kinshasa im damaligen Zaire 1976 nach Antwerpen brachte, war niemandem bewusst. Auch Peter Piot, damals Nachwuchswissenschaftler am Institut für Tropenmedizin in Antwerpen, ahnte davon nichts, wie er in einem Gastbeitrag für die "Financial Times" schreibt.

Die Ampullen mit Blut waren nur notdürftig mit Eis gekühlt, eine davon platzte sogar während des Flugs, erzählte Piot dem Sender BBC. So ist es überraschend, dass keiner der beteiligten Wissenschaftler erkrankte. Im Fall des damals 27 Jahre alten Peter Piot hätte dies womöglich eine große Karriere verhindert: Der Mediziner und Mikrobiologe ist heute ein bedeutender Aids-Forscher. Er war geschäftsführender Direktor des UN-Programms zur Aids-Bekämpfung (UNAIDS) und ist Leiter der London School of Hygiene and Tropical Medicine.

Mit Kordel gegen Ebola

Damals, im September 1976, hatte Piot es mit einem unbekannten Virus zu tun. Auffällig war seine Form, ungewöhnlich lang und fadenförmig. Nach Berichten über weitere Erkrankungen und den Tod einer belgischen Nonne reiste Piot mit einem internationalen Team in die betroffene Region, berichtet er in der "Financial Times". Über Kinshasa flogen sie mit einer Transportmaschine nach Bumba im Norden von Zaire, der heutigen Demokratischen Republik Kongo. Sogar die Piloten hatten Angst und ließen beim Ausladen die Motoren laufen, um möglichst schnell wieder abfliegen zu können, erinnert sich Piot.

Die Forscher mussten noch etwa 120 Kilometer weiterreisen, bis in das Dorf Yambuku. Dort befand sich eine katholische Missionseinrichtung mit einer Krankenstation. Aus Angst hatten sich der Priester und die Nonnen bereits eine Art Quarantäne-Station eingerichtet - ohne wirklich zu wissen, wie sie auszusehen hätte, schreibt Piot weiter. So hatten sie den Ausdruck "cordon sanitaire", Pufferzone, allzu wörtlich genommen: Sie grenzten die Station mit Hilfe einer Kordel ("cordon") ab.

Ein Fluss wird Namensgeber für den Virus

In seinem Gastbeitrag schildert Piot auch die Suche nach der Ursache der Erkrankung. Die Detektivarbeit hatte Erfolg, relativ schnell war klar, wo sich die meisten Patienten angesteckt hatten: In der Krankenstation und beim Umgang mit den Toten. Die Nonnen benutzten nur fünf Spritzen und verwendeten die Nadeln mehrfach - viele Menschen steckten sich an dem Ort an, an dem sie geheilt werden sollten.

Da das Virus sich bereits verbreitet hatte, gingen Piot und seine Kollegen in die betroffenen Dörfer und erklärten den Bewohnern, wie sie mit Erkrankten umgehen sollten, um eine Ansteckung zu verhindern, erinnert sich der Mediziner.

In den drei Monaten, die die Forscher in Yambuku waren, dämmten sie die Epidemie ein. Den Tod von fast 300 Menschen konnten sie allerdings nicht verhindern - dieser erste Ausbruch ist bis heute der drittgrößte. In seinem Gastbeitrag berichtet Piot, wie die Wissenschaftler schließlich einen Namen für die neue Krankheit suchten. Nach all dem Leid wollten sie die Bewohner nicht noch zusätzlich stigmatisieren, indem sie ihr Dorf zum Namensgeber machten. So wählten sie den nächsten größeren Fluss: Ebola.

Mit Blick auf den aktuellen Ausbruch sagte Piot in einer Reportage dem britischen Sender BBC, einige Maßnahmen, die schon in den 1970er Jahren sinnvoll waren, würden auch heute noch helfen: "Seife, Handschuhe, Patienten isolieren, Nadeln nicht wiederverwenden und Quarantäne für Menschen, die mit Erkrankten in Kontakt waren - theoretisch sollte es sehr einfach sein, Ebola zu kontrollieren."

Jörg Schäfer/DPA / DPA

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