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Epidemie: WHO erteilt Reisewarnung für Südostchina und Hongkong

Erstmals seit Jahren sprach die Weltgesundheitsorganisation eine förmliche Reisewarnung aus. Der Grund: Mindestens neun ausländische Geschäftsleute schleppten die Lungenkrankheit SARS bereits von Hongkong in ihr Heimatland ein.

Wegen der Lungenkrankheit SARS greift die Weltgesundheitsorganisation WHO jetzt zu drastischen Maßnahmen: Erstmals seit Jahren sprach sie eine förmliche Reisewarnung aus. Sie gilt für Hongkong und die südchinesische Provinz Guangdong (Kanton). Zuvor hatte China zwölf neue Todesfälle infolge des Schweren Akuten Atemwegsyndroms gemeldet. Damit stieg die Zahl der weltweit registrierten SARS-Toten auf 78. In Deutschland rechnen Experten nicht mit einer Epidemie und warnten vor Panik.

Übertragung über die Umwelt möglich

Der WHO-Direktor für Infektionskrankheiten, David Heymann, begründete die Reisewarnung damit, dass mindestens neun ausländische Geschäftsleute die Lungenkrankheit von Hongkong in ihr Heimatland eingeschleppt hätten. Dem gelte es vorzubeugen, zumal es für die mysteriöse Seuche zurzeit weder einen Impfstoff noch ein wirksames Gegenmittel gebe. Zudem gebe es den Verdacht, dass sich das Virus nicht nur im direkten Kontakt verbreite. Man halte auch eine Übertragung über die Umwelt für möglich, etwa über Wasserleitungen oder das Abwassersystem. Bislang hatte die WHO lediglich dazu geraten, bei Reisen in die betroffene Region auf etwaige Krankheitssymptome zu achten.

Von den weltweit nunmehr 78 bekannten SARS-Toten stammen 46 aus China und weitere 16 aus der Sonderzone Hongkong. Den Behörden zufolge wurden im März 361 Neuerkrankungen in Guangdong diagnostiziert. 507 Menschen, die sich früher infiziert hätten, seien aus dem Krankenhaus entlassen worden. Hongkong hat mehr als 240 Menschen aus einem von ungewöhnlich vielen SARS-Fällen betroffenen Wohnblock in Ferienanlagen am Stadtrand evakuiert.

Unternehmen raten von Dienstreisen in betroffene Regionen ab

Immer mehr Unternehmen rieten ihren Mitarbeitern von Dienstreisen in betroffene asiatische Länder ab. Das Versandhaus Otto sagte bis auf weiteres alle Dienstreisen von und nach Fernost ab. Die Düsseldorfer Metro AG und Karstadt-Quelle empfahlen, Reisen in die chinesische Provinz Guangdong, nach Hongkong, Singapur und Vietnam auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.

Unterdessen ist ein Expertenteam der WHO von Peking nach Südchina gereist, um nach dem Ursprung der Lungenkrankheit zu forschen. In der Provinz Guangdong wollen die vier Wissenschaftler sich auch über die Behandlung der Patienten und Vorbeugungsmaßnahmen informieren. Nach einer wochenlang völlig restriktiven chinesischen Informationspolitik, die das wahre Ausmaß der Epidemie in China verhüllte, war erstmals ein offenerer Umgang mit dem Schweren Akuten Atemwegssyndrom erkennbar.

Die staatlichen Medien berichteten über eine Kabinettssitzung, auf der Ministerpräsident Wen Jiabao forderte, dass die Vorbeugung gegen eine weitere Verbreitung absoluten Vorrang haben müsse. Der WHO sollten aktuelle Zahlen übergeben werden. Das Kabinett kam nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua zu dem Schluss, dass die Epidemie "unter Kontrolle" gebracht sei.

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