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Lebensmittel ohne Aromastoffe: Hier stammt der Geschmack nicht aus dem Labor

Ob Gewürzgurken, Joghurt oder Feinkostsalate: In vielen Fertiglebensmitteln sorgen Aromastoffe für den Geschmack. Doch es gibt auch Produkte, die ohne auskommen.

Von Lea Wolz

Die Werbung suggeriert gerne Natürlichkeit: Da werden schöne rote, reife Erdbeeren in einen sahnigen Joghurt gerührt. Riesengroß sind die Fruchtstückchen, die in die Schüssel fallen. Doch was den Erdbeerjoghurt nach Erdbeeren schmecken lässt, ist häufig nicht die Frucht, sondern ein günstigerer Aromastoff. "Im Supermarkt ein Fertiglebensmittel zu finden, das ohne Aromastoffe auskommt, ist ein schwieriges Unterfangen", sagt Silke Schwartau von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Doch viele Verbraucher fragen nach diesen Produkten." Daher haben die Verbraucherschützer nun eine Liste mit Lebensmittel herausgegeben, denen keine Aromen aus dem Labor zugefügt sind.

Knapp 3000 Aromastoffe dürfen in der EU verwendet werden, ohne dass die genauen Substanzen angegeben werden müssen. Werden Sie eingesetzt, reicht der schlichte Hinweis "Aroma" auf der Verpackung. Mitunter ist die Angabe noch durch Zusätze wie "natürlich" oder "naturidentisch" erweitert.

Verwirrender Begriffsdschungel

"Für Verbraucher ist das oftmals eine Blackbox", kritisiert Schwartau. "Was sich dahinter verbirgt, wissen die wenigsten." Denn auch wenn es sich anders anhört: Aus dem Labor stammen sowohl "natürliche" als auch "naturidentische" Aromastoffe. "Naturidentische" Aromen haben lediglich die chemische Struktur des natürlichen Aromas. "Bei dem Begriff würde man als Verbraucher allerdings etwas ganz anderes erwarten", kritisiert Ernährungsexpertin Schwartau. Mit dem verwirrenden Versprechen dürfen Lebensmittelhersteller daher seit dem 1. Januar 2011 in der EU nicht mehr werben.

Zugelassen ist allerdings weiterhin der wohlklingende Begriff "natürlich". Der verspricht allerdings lediglich, dass das Aroma aus einem natürlichen Rohstoff gewonnen wurde. Ein Erdbeeraroma kann daher auch mit Hilfe von Enzymen, Bakterien oder Schimmelpilzen aus anderen natürlichen Rohstoffen erzeugt werden. "Das ist für mich die größte Verbrauchertäuschung", kritisiert Schwartau. Verbrauchern rät sie, genau auf die Schreibweise zu achten. Nur wenn "natürliches Vanillearoma" oder "natürliches Erdbeeraroma" auf der Verpackung steht, stammt dieses auch tatsächlich aus dem namensgebenden Lebensmittel. "Steht dagegen 'natürliche Aroma Typ Vanille' drauf, kann es auch sein, dass das Aroma aus Sägespänen stammt."

Aromastoffe prägen unseren Geschmack

Doch warum setzen Lebensmittelhersteller eigentlich so gerne Aromastoffe ein? "Das ist schlichtweg günstiger", sagt Schwartau. "100 Kilogramm Joghurt mit Himbeeraroma zu aromatisieren, kostet nur ein paar Cent. Echte Himbeeren kämen auf gut 30 Euro." Häufig helfen Hersteller aber auch mit den Ersatzstoffen nach, um den Geschmack aufzupeppen.

Problematisch ist der zunehmende Einsatz von Aromastoffen, da sie unser Geschmacksempfinden prägen. Wer an den intensiven Geschmack von Fertiglebensmitteln gewöhnt ist, greift auch gerne immer wieder darauf zurück. "Kinder schmecken natürliche Lebensmittel häufig schon gar nicht mehr", sagt Schwartau. "Doch wenn Aromastoffe statt Früchte geschluckt werden, fehlen Vitamine und Mineralstoffe." Ein weiteres Problem: "Geschmacksverstärker, aber auch Aromen, können Appetit anregend wirken und daher zum Weiteressen verführen", sagt Schwartau. Manches Kilo zuviel mag daher auf ihre Rechnung gehen.

"Über gesundheitliche Risiken von Aromastoffen ist ohnehin noch wenig bekannt, zum Beispiel ob sie Allergien auslösen oder das Erbgut schädigen können", sagt Schwartau. Wie sicher die in der EU verwendeten Aromastoffe sind, untersucht die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) daher zurzeit in einem großen Programm. Eine Datenbank zu den Risiken von Aromastoffen, die online abrufbar ist, befindet sich zudem im Aufbau.

Zutatenliste genau studieren

Generell rät Schwartau Verbrauchern, beim Einkauf die Zutatenliste der Lebensmittel zu studieren. Daran lässt sich zum Beispiel erkennen, wie hoch der Erdbeeranteil im Joghurt tatsächlich ist oder wie viel Hühnchen die Hühnersuppe enthält.

Die getesteten Lebensmittel hat die Verbraucherzentrale anhand der Zutatenliste auf Aromastoffe und Geschmacksverstärker untersucht. Zudem mussten die Hersteller schriftlich versichern, dass keine Aromastoffe eingesetzt werden. "Wurde offensichtlich mit Farbstoffen nachgeholfen, haben wir diese Lebensmittel ebenfalls von der Liste gestrichen", sagt Schwartau. Auf andere Zusatzstoffe wie Konservierungs- oder Verdickungsmittel haben die Verbraucherschützer allerdings nicht geachtet. "Wer ganz sichergehen will, sollte die Gulaschsuppe am besten selbst machen", sagt Schwartau.