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Esel-Therapie: Therapeut mit Plüschohren

Eselschnauzen sind weich, die Ohren flauschig und zuschnappen würden die Tiere nie: Wenn Kinder Angst- oder Sprachstörungen haben, erweisen sich Tiere oft als guter Therapeut. Doch die Freundschaft ihrer grauen Ärzte müssen sich die kleinen Patienten erst erarbeiten.

Liv ist stolz. Nur mit Fingerzeichen ihrer kleinen Hand dirigiert das Mädchen den Esel "Lolo" an jeden beliebigen Platz in der Koppel. Die Siebenjährige lässt das Tier rückwärts laufen und über Hindernisse springen. Noch vor wenigen Wochen hatte Liv Angst, nur in die Nähe des Esels zu gehen. Anahid Klotz aber war sicher, dass Liv und "Lolo" bald Freunde werden: "Esel sind die idealen Helfer bei Kindern mit psychischen und psychosomatischen Krankheiten, bei Angststörungen, Sprach- und Kontaktschwierigkeiten." Auf ihrer kleinen Farm nahe Weilheim hält Klotz vier Grautiere, die sie zu Therapie-Eseln ausgebildet hat. Eng arbeitet sie mit Kinder- und Jugendtherapeuten zusammen.

Tiere wie Pferde oder Delfine werden als Therapiehelfer bei geistig und körperlich behinderten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen immer wichtiger. Anahid Klotz ist überzeugt, dass Esel besonders gut für die tiergestützte Therapie geeignet sind: "Von Eseln geht eine stille Faszination aus. Die meisten Erwachsenen und Kinder fühlen sich von Eseln magisch angezogen, auch wenn sie andererseits vor Pferden Angst haben sollten." Es komme nicht von ungefähr, "dass Esel in den meisten Märchen auftauchen und aus der Weihnachtsgeschichte nicht wegzudenken sind".

Esel arbeiten nur freiwillig

Ihre besondere Wesensart mache Esel als Therapietiere wertvoll, so Klotz: "Esel arbeiten nur freiwillig - wenn Kameradschaft und Vertrauen stimmen." Die kleinen Patienten sehen "Lolo" und ihren Artgenossen "Valentina", "Eddi" und "Camillo" eine Weile zu. Dann dürfen sich die Kinder ihre Esel aussuchen, aber zur gemeinsamen Arbeit kommt es erst, wenn auch die Tiere mit der Wahl einverstanden sind. "Manchmal sucht sich ein Esel seinen Patienten zuerst aus und stellt sich gleich von Anfang an zu dem Kind, mit dem er arbeiten möchte. Bei Liv und "Lolo" sei es Liebe auf den ersten Blick gewesen.

Während der ersten Therapiestunden erfahren die Kinder, dass Eselschnauzen weich sind, die Ohren plüschig - und dass Esel nicht zuschnappen. Wer mutig genug ist, darf schon zum ersten Mal aufsitzen. Die Esel sind so trainiert, dass sie ihre Aufgaben auf Fingerzeig absolvieren. Ganz wichtig sei dabei, dass die Kinder mit den Eseln sprechen und dabei das Ohrenspiel und die Mimik der Tiere beobachten. "Die Kinder lernen so zu erkennen, wenn die Esel ihre Aufmerksamkeit wecken wollen oder andererseits momentan kein Interesse an gemeinsamen Übungen haben", erzählt Klotz.

Die Eltern müssen hinter der Arbeit stehen

Wichtig ist ihr auch, mit den Therapeuten zusammenzuarbeiten, die die Kinder in ihren Praxen betreuen. "Die Therapeuten sind während der Übungsstunden auf der Eselfarm dabei. Wir wählen gemeinsam die Übungen aus, die zu dem Kind passen." Besonders engen Kontakt hält die Eselfachfrau zu den Eltern der kleinen Patienten. "Nur wenn die Eltern, und hier vor allem die Mütter, hinter unserer Arbeit stehen, kann die Therapie zu dem gewünschten Erfolg führen."

Das sieht auch Livs Mutter so. "Liv ist ein intelligentes Mädchen und sehr ehrgeizig", schildert Verena Spuler. "Andererseits ist sie ziemlich schüchtern und ängstlich. Seit sie bei den Eseln mitmacht, hat Liv ein erstaunliches Selbstbewusstsein aufgebaut, und setzt sich jetzt zu Hause sogar gegen ihren älteren Bruder durch, der sie immer geärgert hat." Die Ergotherapeutin Manuela Kreutzmann erläutert, dass viele Kinder sensorische Probleme hätten. "Das heißt, sie fühlen beispielsweise den Unterschied zwischen weich und hart nicht oder nur schwer." Da kommen eine weiche Eselschnauze und plüschige Ohren gerade recht.

Günter Bitala/DPA / DPA
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