Geflügelpest Furcht vor Mensch-zu-Mensch-Übertragung

Der Erreger der Geflügelpest ist möglicherweise erstmals von Mensch zu Mensch übertragen worden. In Vietnam starben zwei Schwestern an der Krankheit, die sich bei ihrem Bruder angesteckt haben könnten.

Der Erreger der Geflügelpest ist möglicherweise erstmals von Mensch zu Mensch übertragen worden. In Vietnam starben zwei Schwestern an der Krankheit, die sich bei ihrem Bruder angesteckt haben könnten, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Sonntag erklärte. Einzelheiten zum Infektionsweg seien noch nicht bekannt, eine Übertragung von Mensch zu Mensch werde jedoch für möglich gehalten, sagte WHO-Sprecher Bob Dietz. Experten warnten, es sei nur eine Frage der Zeit, bis eine neue Grippe-Pandemie, also eine Epidemie größeren Ausmaßes, auftrete.

Die beiden Schwestern im Alter von 23 und 30 Jahren waren nach WHO-Angaben mit dem Erreger H5n1 infiziert. Sie starben am 23. Januar, ihr 31-jähriger Bruder eine Woche zuvor. Da seine Leiche eingeäschert wurde, ließ sich nicht mehr feststellen, ob er ebenfalls an Geflügelpest erkrankt war.

Peking kündigt strengere Kontrollen an

Nach der Bestätigung von zwei weiteren Verdachtsfällen von Vogelgrippe bei Menschen in China forderte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Regierung zu größerer Zusammenarbeit auf. Die Möglichkeit, gegen die Geflügelpest vorzugehen, schwinde mit jedem Tag, betonte Sprecherin Julie Hall. Peking kündigte strengere Kontrollen bei Geflügel aus Regionen an, für die noch kein Exportverbot verhängt wurde. Medienberichten zufolge sollen Aufzuchtfarmen unter behördliche Beobachtung gestellt werden, Geflügelmärkte in betroffenen Provinzen seien bereits geschlossen worden.

Schlachtprämien gefordert

Die Welternährungsorganisation (FAO) forderte internationale Hilfe, um Geflügelzüchtern Schlachtprämien zu bezahlen. "Wir sind besorgt, dass die Massenschlachtungen nicht mit dem Tempo erfolgten, wie wir es zur Eindämmung des Virus in der Region für unerlässlich halten", sagte FAO-Mitarbeiter Hans Wagner. Kleinbauern und Züchter vor allem in ärmeren Ländern würden den Notfallmaßnahmen wahrscheinlich nicht folgen, solange sie keine angemessene finanzielle Entschädigung für die Tötung ihrer Tiere erhielten.

Furcht vor neuem Grippe-Erreger

Experten befürchten, dass der Vogelgrippevirus mit dem menschlichen Grippevirus zu einem neuen gefährlichen Erreger verschmelzen und damit eine weltweite Influenza-Pandemie auslösen könnte. Dies sei keine Frage des Ob mehr, sondern des Wann. Nach mathematischen Modellrechnungen könnten im schlimmsten Fall 20 bis 30 Prozent der Weltbevölkerung mit einem solchen Virus infiziert werden, sagte Hitoshi Oshitani, ein Berater der WHO in Asien für die Beobachtung übertragbarer Krankheiten.

Die WHO-Experten weisen aber auch darauf hin, dass die aktuelle Geflügelpest in Asien weit entfernt sei von einem solchen Szenario. Zudem bemerkte die Organisation, dass die Vogelgrippe bereits seit mindestens April vergangenen Jahres in Asien grassiere, trotz der langen Zeit aber noch nicht in größerem Umfang auf Menschen übergesprungen sei.

Offenbar deutscher Notfallplan für Supergrippe

Deutsche Behörden bereiten sich Medienberichten zufolge mit einen Notfallplan auf den möglichen Ausbruch einer Supergrippe vor. "Die Vogelgrippe in Asien hat für uns den Zeitdruck noch einmal erhöht", sagte der Leiter des Robert-Koch-Instituts, Reinhard Kurth, dem Nachrichtenmagazin "Spiegel".

Angesichts der drohenden Exporteinbrüche warb die thailändische Regierung bei der Bevölkerung unteressen für den Verzehr von Geflügel und Eiern. Ministerpräsident Thaksin Shinawatra erklärte in einer Radioansprache, gekochtes Geflügel sei "zu 100 Prozent sicher".

AP AP

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