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Gut zu wissen: Krank im Urlaub? So bekommen Sie die Tage wieder gutgeschrieben

Wenn es beim Kofferpacken im Hals kratzt, kommt schlechte Laune auf. Was passiert, wenn ich den Flug nicht antreten kann? Was, wenn ich am Zielort richtig schlapp mache? Die wichtigsten Fragen zum Kranksein im Urlaub.

Von Diana Helfrich

Eine Frau sitzt mit Hut am Badestrand

Niemand ist gerne im Urlaub krank. Etwas erträglicher wird es, wenn man weiß, was im Notfall zu tun ist. 

Getty Images

Auf welchen Kosten bleibe ich sitzen, wenn ich eine Reise krankheitsbedingt kurzfristig absage?

Auf einer Menge. "Der Fluglinie, dem Hotel oder dem Reiseveranstalter ist es egal, aus welchem persönlichen Grund Sie stornieren", sagt Rechtsanwältin Simone Weber aus München. "Wenn Sie 'keine Lust' als Rücktrittgrund angeben, würde das dieselben Kosten verursachen." Wie hoch diese im Detail sind, hängt von den Stornoregelungen des jeweiligen Unternehmens ab, die Sie im Kleingedruckten (den AGBs, den Allgemeinen Geschäftsbedingungen) unterschrieben haben, bzw. bei Onlinebuchungen zur Kenntnis genommen haben sollten. Bei Hotelbuchungen zum Spartarif können beispielsweise 100 Prozent der Kosten fällig werden. Ausnahme: Fluggesellschaften müssen Steuern und Gebühren erstatten und dürfen für ihren Aufwand dabei nichts berechnen. Wer sich absichern will, braucht eine Reiserücktrittsversicherung, die in solchen Fällen die Kosten übernimmt. Das ist offenbar nicht jedem klar. Rechtsexperten wie Simone Weber empfehlen, dass man für eine teure Reise, die mehrere Tausend Euro kostet, unbedingt eine solche Versicherung
abschließen sollte. Die Preise dafür beginnen bei ein paar Euro und steigen mit dem Reisepreis und Faktoren wie dem Selbstbehalt auf einige Hundert. Tipp: Wer mehrmals im Jahr aufbricht, fährt mit einem Jahresvertrag oft günstiger, als jede Reise einzeln abzusichern.

Also lieber ab in den Flieger, trotz Erkältung?

Schwer zu sagen. Mal abgesehen davon, dass Sie natürlich ein Infektionsrisiko für Ihre Mitreisenden darstellen, tut Ihnen persönlich das Fliegen nicht gut. Sie riskieren ein sogenanntes Barotrauma, eine Druckverletzung etwa des Trommelfells. Schon der Start ist kritisch, denn im Aufstieg sinkt der Druck in der Flugzeugkabine, und die Luft – auch die in Ihrem Innenohr – dehnt sich aus. Wenn die Schleimhaut dort jetzt wegen eines Infekts so geschwollen ist, dass die sogenannte Eustachische Röhre das Innenohr nicht belüften kann, klappt der Druckausgleich nicht mehr. Das tut weh und ist eine Belastungsprobe für Ihr Trommelfell, im schlechtesten Fall reißt es. Darum kann es sein, dass Sie mit Schmerzen und einer Hörminderung aus dem Flugzeug steigen. Einen gewissen Schutz bieten abschwellende Nasensprays, auch vor Barotraumen der Nasennebenhöhlen. Außerdem sind in der Lunge und eventuell sogar in Zähnen mit Füllungen luft- bzw. gasgefüllte Hohlräume, sodass es auch hier zu Problemen kommen kann.

Und was mache ich, wenn mein Platz neben einem offensichtlich
kranken Menschen ist?

Natürlich können Sie auch in einem vollen Flugzeug nach einem anderen Sitz fragen, einen Anspruch darauf haben Sie jedoch nicht. Aber zum Trost: Eine australische Studie zeigte vor einigen Jahren, dass das Ansteckungsrisiko geringer ist, als man denkt. Selbst in der "Gefahrenzone" zwei Sitze vor, hinter oder neben einem Grippepatienten liegt es auf einem 14-Stunden-Flug bei unter acht Prozent. Trotzdem gilt: Je weiter weg Sie sitzen, desto besser. Und ein Fensterplatz ist besser als einer am Gang. Denn einer aktuellen Untersuchung zufolge ist die Infektionsgefahr umso geringer, je seltener man im Flugzeug aufsteht – einfach, weil man dann weniger Kontakt mit anderen, womöglich kranken Mitreisenden hat.

Wenn ich in den Ferien krank werde, verfallen dann meine Urlaubstage?

Das ist die gute Nachricht, zumindest für Angestellte: Ihr Urlaub verfällt nicht. Der Gedanke dahinter: Urlaub dient der Erholung. Und wer krank ist, kann sich nicht erholen – das geht erst wieder, wenn man genesen ist. "Im Prinzip können sich Arbeitnehmer sogar für einen einzigen Tag krank melden," sagt Simone Weber, wegen Migräne oder Montezumas Rache (Durchfall) zum Beispiel. Die sogenannte Urlaubsnachgewährung greift aber nur, wenn Sie diese Regeln beachten: Beginnen Sie normalerweise um 9 Uhr im Büro, müssen Sie bis zu dieser Zeit Bescheid gesagt haben, dass Sie nicht arbeiten können. Und zwar Ihrem Vorgesetzten oder der Personalabteilung. Der Sekretärin oder dem engsten Kollegen eine Mail zu schicken, reicht dazu nicht. Wer im Ausland Urlaub macht, ist zudem verpflichtet, die Adresse des Hotels oder des Krankenhauses anzugeben, unter der man zu erreichen ist. "Um Misstrauen und Missverständnissen vorzubeugen, würde ich immer anrufen oder einen Mitreisenden anrufen lassen", sagt Simone Weber. Und sagen, dass man im genehmigten Urlaub ist, aber leider heute krank wurde. Und dass man sich wieder meldet mit einer schriftlichen Krankmeldung vom Arzt.

Was muss auf der Krankmeldung stehen?

Das gelbe Arbeitsunfähigkeits-Formular gibt es im Ausland nicht, sodass der Arzt oft frei formuliert. Zwei Informationen muss er vermitteln: Dass Sie krankheitsbedingt nicht arbeiten können. Und wie lange diese Arbeitsunfähigkeit voraussichtlich anhält. Eine Diagnose allein reicht nicht, und sie ist für die Krankschreibung
auch nicht nötig – genau wie zu Hause muss der Arbeitgeber nicht
wissen, was Sie haben.

Wann ist der Nachweis fällig?

Im Prinzip wie sonst auch: Am vierten Tag der Arbeitsunfähigkeit. Es kann aber sein, dass Ihr Arbeitsvertrag dazu andere Regelungen vorsieht. Weil man den im Urlaub für gewöhnlich schlecht einsehen
kann, ist es sinnvoll, sich am ersten Tag um den Nachweis zu kümmern. "Das kann ich auch in Hinblick auf den weiteren Umgang mit dem Arbeitgeber empfehlen", sagt Rechtsanwältin Weber. "Es kommt schon vor, dass Krankmeldungen aus dem Urlaub angezweifelt werden. Wer gleich zum Arzt geht, vermeidet eventuelle unangenehme Situationen."

Eckart von Hirschhausen

Muss ich den Arzt aus eigener Tasche zahlen?

Das kommt darauf an, in welchem Land Sie Urlaub machen. Außerhalb Europas gilt fast überall: Ja, Sie müssen selbst zahlen, und zwar alles, was Ärzte im Urlaub für Sie tun. Also auch die Blinddarm-Operation oder den Herzkatheter nach einem Infarkt. Darum empfiehlt sich hier immer, eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen. Innerhalb Europas sieht es besser aus. In vielen Ländern können Sie einfach mit Ihrer Krankenkassenkarte zum Arzt gehen – mit der sogenannten EHIC, der europäischen Krankenversicherungskarte, die auf die Rückseite der normalen gesetzlichen Krankenkassenkarte gedruckt ist (Infos: bundesgesundheitsministerium.de/krankenversicherung-im-ausland.html). Oder Sie lassen sich die entstandenen Kosten von Ihrer Krankenkasse nach der Reise zurückerstatten. Das Ganze hat aber Grenzen: Wenn Sie in Bulgarien zum Arzt gehen, dann gelten für Sie dieselben Bedingungen wie für die bulgarischen Versicherten. In keinem Fall zahlen die Kassen mehr als das, was die Behandlung in Deutschland gekostet hätte. Zudem können sie Ihnen etwa die höheren Verwaltungskosten berechnen. Und besonders wichtig: Gesetzliche Krankenkassen übernehmen keinen Krankentransport zurück nach Deutschland. Deshalb ist eine Auslandskrankenversicherung (ab ca. einen Euro pro Tag) grundsätzlich auch innerhalb Europas sinnvoll. Das gilt je nach Vertrag unter Umständen ebenso für Privatversicherte.

Darf ich die versäumten Tage einfach an den Urlaub dranhängen?

Nein! Sie müssen in jedem Fall gemäß Urlaubsantrag an Ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Die gutgeschriebenen Tage können Sie dann zu einem späteren Zeitpunkt erneut einreichen.

Was ist, wenn mein Kind krank wird? Dann kann ich mich schließlich auch nicht erholen ...
Ja, und das ist dann Ihr Pech. Wer im Urlaub ein krankes Kind pflegt, hat leider keinen Anspruch auf die Urlaubsnachgewährung.

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