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Belastung für Gewässer: Ab ins Klo? Bitte nicht! So entsorgen Sie Medikamente, ohne der Umwelt zu schaden

Weil Verbraucher Medikamente viel zu oft über Toilette und Spüle entsorgen, finden sich zahlreiche Arzneistoffe in unseren Gewässern. Das wird zunehmend zum Problem. Vom nachhaltigen Umgang mit Arzneimitteln.

Von Diana Helfrich

Medikamente entsorgen: Tabletten liegen auf einem blauen Untergrund

150 Arzneistoffe wurden in Deutschland bereits in Flüssen, Seen und im Grundwasser gefunden

Getty Images

Geht es um Medikamente, sind die Deutschen Umweltsünder. Den Joghurt-Rest in die Biotonne, die Umverpackung ins Altpapier und den Plastikbecher zum Recyclingmüll: Viele Verbraucher sind zunehmend bemüht, in puncto Müll alles richtig zu machen. Außer bei Arzneimitteln.

Das zeigen zumindest die Zahlen vom Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) in Frankfurt: So schütteten im Jahr 2006 43,3 Prozent der Verbraucher flüssige Arzneien wie zum Beispiel Hustensaftreste in die Toilette oder Spüle, sieben Jahre später waren es sogar 46,5 Prozent. Bei Tabletten und Co eine vergleichbare Entwicklung: Hier stieg der Anteil von 16 Prozent auf 20 Prozent. Neuere Daten gibt es nicht. Aber dass die Zahlen heute besser ausfallen würden, bezweifelt Dr. Martina Winker, Agrarwissenschaftlerin am ISOE. Dennoch ist sie optimistisch und sagt es tue sich etwas: "Aber eben ganz langsam."

Weggeworfene Medikamente sind eine Gefahr für die Umwelt

Oft mangelt es schlichtweg an Aufklärung. Denn paradoxerweise stehen hinter den Umweltsünden oft Missverständnisse: Arzneimittelflaschen werden in den Ausguss entleert, um sie dann im Altglas entsorgen zu können. Und: Die Menschen wertschätzen Medikamente für ihre heilende Wirkung und nehmen sie deshalb grundsätzlich als etwas Wertvolles wahr – etwas, das man nicht so einfach in den Müll wirft. "Sie sorgen sich, dass weggeworfene Arzneien in die falschen Hände gelangen könnten", sagt Winker. "Das wollen sie vermeiden und so landen abgelaufene Arzneien und Medikamentenreste in der Spüle oder Toilette."

Dass sich was verändern muss, haben auch die Behörden erkannt. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) will, dass künftig in jedem Beipackzettel der Hinweis stehen muss, Arzneimittel seien niemals über das Abwasser zu entsorgen. In Deutschland sind mehr als 150 Arzneistoffe bereits in Flüssen und Seen sowie im Grundwasser gefunden worden, einige sogar im Trinkwasser. Aber, so Winker: "Alle Wirkstoffe systematisch zu erfassen und in jeder Probe zu bestimmen, ist nicht möglich." Deshalb muss man wohl davon ausgehen, dass es sehr viel mehr sind, erst recht, wenn man die Abbauprodukte der einzelnen Substanzen hinzu zählt. Für Gesunde, da sind sich alle Experten einig, ist die Arzneimittel-Mischung ungefährlich. Die Konzentration in Flüssen und Seen liegt zwischen wenigen bis etwa 100 Nanogramm, also Milliardstel Gramm pro Liter.

Trotzdem ist das eine Gefahr für unsere Umwelt. Man weiß zum Beispiel, dass Östrogene aus der Pille männlichen Regenbogenforellen schaden, sie verweiblichen. Das Gestagen Levonorgestrel beeinträchtigt bei Fröschen die Entwicklung der Schilddrüse. Muscheln geraten ganz durcheinander, was den Paarungstakt angeht, wenn das Grippemittel Oseltamivir im Wasser zu finden ist. Das Schmerzmittel Diclofenac greift die Niere von Fischen an. In Indien wurde durch diesen Arzneistoff eine Geierart nahezu ausgerottet. Die Vögel hatten Fleisch von Rindern gefressen, die damit behandelt worden waren.

Nicht Pharmafabriken und Krankenhäuser sind das größte Problem, sondern Privathaushalte

Natürlich gelangen auch über die Landwirtschaft Arzneistoffe in die Umwelt, etwa Antibiotika, die in der Massentierhaltung zum Einsatz kommen. Und dann gibt es Pharmafabriken und Krankenhäuser mit ihren belasteten Abwässern. Aber sie sind nicht, wie viele glauben, die Hauptverursacher der Arzneistoffmischung in den Gewässern. "Tatsächlich tragen die Privathaushalte am meisten bei", so Winker. "Das Problem liegt in der Fläche." Und selbst, wer niemals ein Medikament ins Klo schüttet, verursacht Medikamentenspuren: Ganz egal, welches Arzneimittel man nimmt, ein gewisser Teil passiert den Körper unverändert, ein anderer landet als Stoffwechselprodukt in der Kloschüssel. "Und auch diese so genannten Metaboliten – das Epilepsiemittel Carbamazepin zum Beispiel hat weit über 20 davon – können noch biologisch aktiv sein." Manchmal sind sie sogar problematischer als die Ausgangssubstanz.

Paracetamol und ASS sind umweltverträglicher als Diclofenac

Es gibt Stoffe, die zerfallen, wie etwa Acetylsalicylsäure (ASS, in Aspirin) und Paracetamol. Das hängt mit ihrer Struktur beziehungsweise mit ihren chemischen Eigenschaften zusammen. Sogenannte polare Arzneistoffe seien schwer abbaubar, so Winker. Sie sind hydrophil (wasserliebend) und lösen sich im ebenfalls polaren Wasser gut. Auch Ibuprofen ist weniger problematisch als Diclofenac – für diesen Schmerz- und Entzündungshemmer befürwortet das Umweltbundesamt (UBA) schon die Wiedereinführung der Rezeptpflicht auch für niedrige Dosierungen. Die Substanz ist vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) als "hinsichtlich seiner ökotoxikologischen Wirkungen umweltrelevant" benannt worden. Genau wie die Antibiotika Ciprofloxacin, Clarithromycin, Erythromycin und Sulfamethoxazol, das oben genannte Carbamazepin und 17-alpha-Ethinylestradiol, das Östrogen, das viel in der Pille verwendet wird.

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Vieles bleibt unklar, denn systematisch erfasst wird die Umweltverträglichkeit der individuellen Wirkstoffe hierzulande nicht. "Nur bei Neuzulassungen werden diese Daten den Behörden vorgelegt", sagt Martina Winker. "Ansonsten liegen sie bei den Firmen." Es gebe keinerlei deutsch- oder englischsprachige Tabelle oder Datenbank, in der Ärzte oder Apotheker nachschlagen könnten, ob ein Stoff für die Umwelt problematisch ist oder nicht. "Sie haben keine Möglichkeit, etwas Verträglicheres zu verordnen oder zu empfehlen. Und für den Endverbraucher sind diese Informationen natürlich ebenso wenig zu haben."

Es sei denn, man spricht Schwedisch. Dann kann man unter fass.se die "Miljöinfo", die Wirkungsweise auf die Umwelt, vieler Arzneistoffe einsehen. Hinter der Website steht ein Zusammenschluss von Institutionen des schwedischen Gesundheitssystems – inklusive der rund 2000 staatlichen Apotheken. Dabei bewertet werden die Lebensdauer der Wirkstoffe ("Persistenz"), ihre Fähigkeit, sich in Lebewesen anzureichern ("Bioakkumulation") und ihre Giftigkeit für die Umwelt ("Toxizität").

Was passieren muss, damit der Medikamenten- Cocktail in den Gewässern nicht zum Gesundheitsproblem wird

Ein nachhaltiger Umgang mit Arzneimitteln fängt lange vor dem Wegschmeißen an. "Die eine Sache, die alles verändert, gibt es leider nicht", sagt Winker. "Wir brauchen Maßnahmen entlang der ganzen Kette." Ein wichtiger Punkt kann dabei sein, Kläranlagen mit einer sogenannten vierten Reinigungsstufe auszustatten. Dabei baut zum Beispiel Ozon die Arzneistoff-Moleküle ab. "Doch solche Anlagen sind teuer, und sie zerstören nicht jeden Arzneistoff", so die Expertin. "Noch dazu können Abbauprodukte entstehen, die sehr reaktiv sind." Es gilt darum, schon bei der Entwicklung von Arzneistoffen auch deren Umwelteigenschaften zu berücksichtigen. Und die Beratungskompetenz von Apothekern und Ärzten zu nutzen. Vor allem bei der sogenannten Compliance, also bei der Frage, wie zuverlässig ein Patient sein Mittel auch nimmt. Denn ein Medikament, das nicht genommen wird, kann nicht wirken und führt unter Umständen zu verzögerten Krankheitsverläufen und noch mehr Tablettenbedarf. Und: Ein gesunder Lebensstil hat keine Nebenwirkungen, auch nicht auf die Umwelt, hier können Ärzte wie Apotheker Einfluss nehmen. "All das muss sich auch in den Prüfungsordnungen der Pharmazie-Studenten und in den Skripten für die Fortbildung dieser Berufsgruppen niederschlagen", fordert Winker. "Da kommt das Thema bisher praktisch nicht vor."

Und das können Endverbraucher tun

Sie sollten Arzneimittel richtig entsorgen. Das heißt für fast alle Medikamente und fast immer: in den Hausmüll damit (Ausnahmen siehe Kasten). Idealerweise fest verknotet in einer Tüte, so dass weder spielende Kinder noch Süchtige drankommen können. Der Müll wird verbrannt, und die Wirkstoffe werden dabei zerstört oder inaktiviert. Und die Hustensaftflasche gehört erst ins Altglas, wenn sie wirklich leer ist. Dann natürlich in den braunen Behälter. Nur wenn die Kommune den Müll nicht verbrennt, müssen Arzneimittel gesondert entsorgt werden. Wie es in Ihrer Kommune geregelt wird, lässt sich auf der Seite arzneimittelentsorgung.de vom Bundesministerium für Bildung und Forschung nachlesen. Von dort aus kann man sich weiterklicken zu den Öffnungszeiten der jeweiligen Sammelstellen. Auch Apotheken nehmen Altarzneien entgegen – wenn auch seit einigen Jahren nur noch freiwillig.

Ebenfalls wichtig sei aber, so Winker, dass sich Folgendes herumspricht: Das umweltverträglichste Arzneimittel ist dasjenige, das man gar nicht erst aus der Apotheke holt. Für sie fängt ein nachhaltiger Umgang mit Medikamenten lange vor dem Wegschmeißen an.

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