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Stern Logo Gesundheits-Mythen im Check - Tatsache oder Trugschluss?

Tatsache oder Trugschluss: Ist es schädlich, den Joghurtdeckel abzulecken?

Oft geschieht es, ohne nachzudenken: Der Joghurtdeckel wird aufgerissen und abgeleckt, wenn noch etwas Joghurt daran klebt. Vor allem Kinder machen das. Das ist zwar unästhetisch - aber schadet es?

Von Sonja Helms

Macht abends essen dick? Ist es schädlich, den Deckel des Joghurtbechers abzulecken? Gibt es süßes Blut? Der stern nimmt in loser Reihenfolge Alltagsmythen unter die Lupe. Zuerst lassen wir Sie, die Leser, darüber abstimmen. Auf der nächsten Seite finden Sie die Auflösung des Mythen-Checks.

Ist es schädlich, den Deckel des Joghurtbechers abzulecken?

Joghurtdeckel ablecken: Gefährlich fürs Gehirn oder nur ein Mythos?


Wenn sich eine Überzeugung erst einmal festgesetzt hat im Kopf, ist es schwer, sie wieder hinauszubekommen. So ist es auch bei der Frage, ob und wie schädlich es ist, den Deckel eines Joghurtbechers abzulecken. Dass es nicht schön anzusehen ist, steht außer Frage. Daneben bewegt viele Menschen aber die Sorge, ob beim Ablecken Aluminium aufgenommen wird, jener umstrittene Stoff, der immer wieder in der Diskussion steht. Zuletzt ging es um die mögliche Aufnahme von Aluminium über Deos.

Die Substanz soll im Körper ernste gesundheitliche Schäden hervorrufen. Im Gespräch sind mögliche negative Auswirkungen auf das Nervensystem oder die Fruchtbarkeit beziehungsweise das ungeborene Leben. Ebenso wird diskutiert, ob Aluminium Alzheimer und Brustkrebs auslösen kann. Nach derzeitigem Stand gibt es zwar keine wissenschaftlichen Belege für einen entsprechenden kausalen Zusammenhang, dazu ist die Studienlage zu widersprüchlich. Dennoch raten Experten zur Vorsicht.

Grundsätzlich nimmt der Mensch Aluminium in geringen Mengen vor allem über Trinkwasser und Lebensmittel auf, doch auch von aluminiumhaltigem Geschirr, Alufolie oder eben Lebensmittelverpackungen kann der Stoff in Lebensmittel übergehen. Das liegt daran, dass das Leichtmetall unter Einfluss von Salz oder Säure löslich ist. Aus diesem Grund rät das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Verbrauchern, salzige oder säurehaltige Speisen nicht in Alufolie aufzubewahren.

Sicher versiegelt

Was bedeutet das aber für den Joghurtbecherdeckel? Von ihnen geht definitiv keine Gefahr aus: Sie sind beschichtet, ebenso wie Getränkedosen oder Aluminiumtanks für Fruchtsäfte, um den Übergang von Aluminium in das Getränk oder die Speise zu vermeiden. "Diese Siegelschicht besteht aus einem Kunststoff, der beim Erhitzen schmilzt und sich mit dem Becher verbindet, um ihn fest zu verschließen", sagt Lebensmittelchemikerin Karla Pfaff, die beim BfR die Fachgruppe "Sicherheit von Produkten mit Lebensmittelkontakt" leitet. "Die Schicht bildet eine Barriere, da kommt kein Aluminium durch."

Für diese Beschichtung kommen verschiedene Kunststoffe infrage, aber für alle gelten strenge Vorschriften und Anforderungen, eben weil sie direkt mit Lebensmitteln in Berührung kommen. "Das heißt nicht, dass überhaupt nichts übergehen darf. So etwas lässt sich nicht vermeiden. Aber die tolerierbare Menge darf nur so groß sein, dass sie erstens gesundheitlich unbedenklich ist und zweitens das Lebensmittel in seinen Eigenschaften nicht verändert. Geruch, Geschmack und Farbe müssen erhalten bleiben", sagt Pfaff.

Eine Gefahr gibt es dennoch beim Ablecken des Joghurtbecherdeckels: Man kann sich die Zunge an den scharfen Kanten schneiden. Vielleicht ist das allein Grund genug, es einfach sein zu lassen.

Fazit

Schön ist das Ablecken des Joghurtbecherdeckels sicher nicht - aber schädlich ist es auf keinen Fall. Die Deckel sind mit einem Kunststoff versiegelt, der eine wirksame Barriere zum Aluminium bildet, so dass der Stoff keineswegs auf die Zunge gelangen kann. Die Beschichtung selbst muss strengen Anforderungen genügen. Hier dürfen nur unbedenkliche Stoffe eingesetzt werden.

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