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Krank durch Babypuder?: Kosmetik-Konzern muss Krebspatientin fast eine halbe Milliarde Entschädigung zahlen

Der Pharma- und Drogerieartikel-Konzern Johnson & Johnson muss einer Frau in Kalifornien mehr als 400 Millionen Dollar Schadensersatz zahlen. Sie sieht ein Talkumpuder des Unternehmens als Auslöser ihrer Krankheit. Der Fall ist nur einer von Tausenden.

Johnson & Johnson Babypuder

Eine Flasche mit Johnson & Johnson Babypuder (Archivbild)

Der US-Konzern Johnson & Johnson muss einer Kalifornierin insgesamt 417 Millionen Dollar Entschädigung zahlen, das sind rund 350 Millionen Euro. Ein Gericht in Los Angeles verhängte die Rekordstrafe gegen den global agierenden Hersteller von Pharma- und Drogerieartikeln.

Wie unter anderem die "New York Times" berichtet, hatte die an Eileiterkrebs erkrankte 63-Jährige nach eigener Aussage jahrzehntelang ein vom Konzern vertriebenes  Babypuder mit Talkum zur Intimpflege verwendet. Sie sei davon überzeugt, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Puder und ihrer Erkrankung gebe. Der Vorwurf: Das Unternehmen habe nicht ausreichend vor den Risiken gewarnt, etwa durch Hinweise auf der Verpackung. Dabei hätten etliche Studien eine Verbindung zwischen der Krankheit und dem Puder ergeben, heißt es von Klägerseite. Das Problem sie also bekannt. Johnson & Johnson wird dem Bericht nach derzeit von tausenden von Frauen mit Klagen überzogen, die das Puder als Ursache ihrer Krankheit sehen - einigen wurden bereits Entschädigungen in Millionenhöhe zugesprochen, andere Klagen wurden abgewiesen.

Talkum wurde 2006 als möglicherweise krebserregend klassifiziert

Die Internationale Agentur für Krebsforschung hat Talkumpuder bereits 2006 als mögliches Karzinogen, also krebserregenden Stoff, klassifiziert, wenn es im weiblichen Intimbereich benutzt wird. Die Hersteller talkumhaltiger Produkte sind in den USA allerdings nicht dazu verpflichtet, Warnhinweise auf die Verpackungen zu drucken. Talkum ist in Babypuder und anderen Körperpudern enthalten, Talk ist außerdem Hauptbestandteil vieler Pestizide.

Johnson & Johnson hat angekündigt, in Berufung zu gehen. Man fühle mit den Patientinnen, aber es sei wissenschaftlich nicht erwiesen, dass Talkumpuder das Risiko von Eileiterkrebs erhöhe. 


rös

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