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Ohne Datenbrille auf Entzug: Erster Fall von Google-Glass-Sucht in den USA

Ohne Datenbrille war er gereizt und nervös: Ein 31-jähriger US-Amerikaner musste 35 Tage lang auf Google Glass verzichten. Er zeigte typische Anzeichen für eine Sucht, schreiben Ärzte.

Ein Messebesucher testet Google Glass

Ein Messebesucher testet Google Glass

Alkohol, Zigaretten und mobile Geräte: Kann auch die Datenbrille Google Glass Suchtverhalten hervorrufen? Ärzte in San Diego wollen den ersten Fall einer solchen Suchtstörung entdeckt haben. Die Symptome eines 31-jährigen Mannes beschreiben sie im Journal #link; Andrew Doan;"Addicitive Behaviours"#.

Der Mann, ein Angehöriger der Streitkräfte, nahm am "Substance Abuse and Recovery Program" der US-Marine teil, um seine Alkoholsucht behandeln zu lassen. 35 Tage lang müssen die Teilnehmer auf Alkohol, Drogen oder Zigaretten verzichten, auch elektronische Geräte sind verboten. Während der Mann das Programm durchlief, bemerkten die Ärzte einen, wie sie schreiben, "problematischen Gebrauch von Google Glass". Der Mann habe seine rechte Hand immer wieder Richtung Schläfe bewegt und mit dem Zeigefinger getippt. Mit dieser Bewegung wird die Datenbrille angeschaltet.

Brille kaum abgelegt

Dem Report zufolge hatte der Mann die Brille zuvor um die 18 Stunden pro Tag auf der Nase. Ohne die technologische Unterstützung sei er irritiert und frustriert. Er erzählte den Ärzten auch, dass er mittlerweile schon seine Träume so wahrnehme, als ob sie sich durch das Fenster der Datenbrille abspielten.

Der Mann habe deutliche Entzugserscheinungen gezeigt, sagte Dr. Andrew Doan, einer der Mitautoren der Veröffentlichung, dem "Guardian". Ob es tatsächlich ein eigenständiges Krankheitsbild wie die "Internetsucht" gibt oder ob es sich um ein Symptom anderer Störungen handelt, ist unter Psychologen umstritten. In das aktuelle Standardwerk der American Psychiatric Association, das Diagnosehandbuch DSM-5, wurde sie nicht als anerkanntes Störungsbild aufgenommen. Es wird jedoch empfohlen, das Phänomen genauer zu untersuchen. Auch das Diagnoseschemata ICD-10 listet sie nicht als eigenständige Krankheit auf.

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