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Haaranalyse: Blei-Medizin brachte Beethoven den Tod

Eine Haaranalyse brachte die Wahrheit ans Licht: Offenbar hat Beethovens eigener Arzt den Tod des Komponisten auf dem Gewissen. Er vergiftete Beethoven mit bleihaltigen Antibiotika und Seife - allerdings ohne böse Absicht.

Ludwig van Beethovens eigener Arzt war offenbar verantwortlich für den Tod des Komponisten. Das schließt der Gerichtsmediziner Christian Reiter von der Universität Wien aus einer chemischen Analyse zweier Haare Beethovens, die die letzten 120 Tage im Leben des Komponisten dokumentieren.

Nach Reiters Untersuchung war der Musiker vor seinem Tod wiederholt extremen Bleibelastungen ausgesetzt. Schuld daran war wohl sein Arzt Andreas Wawruch: Er stieß mit einer Nadel mehrmals in Beethovens Bauch, um Flüssigkeit abzulassen, und benutzte zur Desinfektion und Abdichtung der dabei entstehenden Wunde eine Art bleihaltige Seife. Anstatt Beethoven zu helfen, beschleunigte der Arzt auf diese Weise dessen Tod, berichtet der Onlinedienst der Fachzeitschrift "Science".

Nachdem Beethoven im Dezember 1826 an einer schweren Lungenentzündung erkrankte, wurde er in Wien von Wawruch mit einem "entzündungsauflösenden Mittel" behandelt. Infolgedessen sammelten sich enorme Wassermengen im Bauch des Komponisten an. Da sein Patient kaum noch Luft bekam, entschied sich der Arzt, Beethovens Bauchhöhle zu öffnen, um die Flüssigkeit herauszulassen - ein fataler Fehler, wie Reiters Analysen nun zeigen.

Kein Vorwurf an den Arzt

Viele Stoffe, die sich im Blut befinden, werden beim Wachstum der Haare in diese eingelagert. Da Haare pro Tag ungefähr 0,4 Millimeter wachsen, spiegeln sie die Geschehnisse im Körper eines Menschen zeitlich genau wider. Reiter verdampfte Beethovens Haare mit einem Laserstrahl und maß die Bleikonzentration in dem dabei entstehenden Rauch. Dabei fand er keine gleichmäßige Verteilung von Blei im gesamten Haar, sondern phasenweise extreme Anstiege der Bleikonzentration. Diese Anstiege traten immer dann auf, wenn Beethoven zuvor eine Bauchpunktion über sich ergehen lassen musste, erklärt Reiter. Auch nachdem Beethoven Wawruchs "entzündungsauflösendes Mittel" eingenommen hatte, nahm die Bleikonzentration in seinem Haar rapide zu.

Antibiotika der damaligen Zeit enthielten viele giftige Stoffe, darunter auch Blei. Reiter sieht die Flüssigkeitsansammlungen im Bauch des Komponisten als Folge einer Bleivergiftung, die durch Wawruchs "entzündungsauflösendes Mittel" zustande gekommen ist. Als Wawruch dann in den Bauch des Komponisten stach, um ihm zu helfen, verschlimmerte er die Bleivergiftung nur noch mehr - bis Beethoven schließlich verstarb. Ein Vorwurf kann Wawruch aber kaum gemacht werden, betont Reiter: Nach dem damaligen Stand der Medizin habe er nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt.

Die Vermutung, dass Beethoven aufgrund einer Bleivergiftung ertaubte, kann Reiter nicht bestätigen. Dafür müsse sich über 30 Jahre kontinuierlich Blei in seinen Haaren abgelagert haben. Das sei bei Beethoven eindeutig nicht der Fall gewesen, sagt Reiter.

DDP / DDP
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