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Hirnforschung: Die Fairness lässt sich ausschalten

Mit Hilfe starker Magnetfelder lassen sich einzelne Hirnregionen vorübergehend ausschalten. In einem Versuch deaktivierten Forscher den Bereich für faires Verhalten.

Eine klar definierbare Region im Gehirn wird aktiv, wenn sich Menschen entgegen ihren eigentlichen Interessen für faires Verhalten entscheiden. Das hat ein internationales Forscherteam in Tests mit Freiwilligen gezeigt. Die Probanden nahmen an einem Spiel teil, wobei die Spieler bestimmte Angebote annehmen können, oder auch ablehnen, wenn diese ihnen unfair erscheinen. Als die Forscher den Probanden eine bestimmte Region der vorderen Großhirnrinde durch magnetische Impulse stilllegten, entschieden sie sich eher für unfaires und egoistisches Handeln. Ihre Ergebnisse stellen Daria Knoch von der Universität Zürich und ihre Kollegen im Fachmagazin "Science" vor (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1126/science.1129156).

Stirnlappenregion hat Überwachungs- und Analyseaufgaben

In ihren Tests arbeiteten die Forscher mit der so genannten Transkraniellen Magnetstimulation (TMS), bei der Magnetfelder elektrische Ströme im Gehirn hervorrufen und bestimmte Hirnregionen dadurch räumlich sehr gezielt kurzzeitig lahmgelegt werden können. Die so behandelten Probanden hatten das aus vielen Verhaltenstests bekannte Ultimatumspiel zu spielen, mit dem sich das Gefühl für gegenseitige Fairness testen lässt. Spieler 1 bekommt einen Betrag zur Verfügung gestellt. Er muss hiervon einen von ihm selbst bestimmten Teil Spieler 2 anbieten. Nimmt dieser an, bekommt Spieler 1 den ursprünglichen Betrag minus den angebotenen Teil. Lehnt Spieler 2 ab, weil ihm das Angebot unfair erscheint, bekommt keiner der Spieler etwas. In diesem Fall ist Spieler 2 also die Fairness wichtiger als der eigene Vorteil und er bestraft Spieler 1 für dessen unmoralisches Angebot.

Als Betrag gaben die Forscher den Probanden 20 Schweizer Franken. Davon nur vier Franken anzubieten, war für die Kontrollgruppen ein entschieden unfairer Vorschlag und damit inakzeptabel. Die Gruppe, deren rechte Seite einer bestimmten Hirnregion kurzfristig ausgeschaltet wurde, nahmen jedoch auch solche Offerten aus reinem Egoismus an - obwohl sie genau beurteilen konnten, ob das Angebot gerecht ist oder nicht. Dazu waren sie mit ihren Entscheidungen genauso schnell wie bei den fairen Angeboten. Die Kontrollgruppen, bei denen keine oder die linke Seite dieser Hirnregion ausgeschaltet wurde, brauchten immer ein wenig länger bei den ungerechten Angeboten, da das Gehirn erst einen Konflikt zwischen Egoismus und Gerechtigkeit austragen muss.

Die betroffene Hirnregion gehörte zum so genannten präfrontalen Kortex, einem Teil der Großhirnrinde, der für Überwachungs- und Analyseaufgaben zuständig ist. Wie ein zentraler Prozessor empfängt er unterschiedlichste Informationen, die von ihm analysiert und bewertet werden und sendet die Ergebnisse wieder zurück. Wird dieser Teils des Gehirns beschädigt, können Persönlichkeitsstörungen die Folge sein - mit Symptomen wie emotionale Verflachung, Triebenthemmung oder Missachtung sozialer Normen wie zum Beispiel Fairness.

DDP / DDP
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