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Nach Schwalbe von RB-Star: Amateurkicker verschießt unberechtigten Elfer absichtlich - und kritisiert Werner

RB Leipzigs Timo Werner wurde nach seiner Schwalbe gegen Schalke hart kritisiert. Auch Amateurkicker Paul Mitscherlich hätte sich mehr Fairness gewünscht - und er weiß, wovon er spricht.

Feierte sein Tor nach der Schwalbe ausgiebig: Timo Werner von RB Leipzig

Feierte sein Tor nach der Schwalbe ausgiebig: Timo Werner von RB Leipzig

Timo Werner von RB Leipzig hat am vergangenen Bundesliga-Wochenende mit viel Erfolg daran gearbeitet, zum unbeliebtesten Profi der Liga zu werden. Nach nur 19 Sekunden setzte er im Schalker Strafraum zur Flugeinlage an und bekam dafür von Schiedsrichter Bastian Dankert einen Elfmeter zugesprochen. Zu allem Überfluss verwandelte er auch noch selbst und ließ sich anschließend von den Fans ausgiebig feiern. Das stieß vielen verständlicherweise übel auf.

Einer davon ist Amateurkicker Paul Mitscherlich. Der hatte in einem Landesliga-Spiel der zweiten Herren von Germania Schöneiche nur wenige Stunden zuvor einen Elfmeter absichtlich verschossen, weil er fand, dass dieser nicht berechtigt war. Und das beim Stand von 0:1 in der 80. Minute, im Abstiegskampf. Dem "Tagesspiegel" erzählte Mitscherlich seine Geschichte, und auch was er persönlich von Werner hält. 

"Als ich zum Punkt gegangen bin, hatten wir Augenkontakt. Er grinste mich an, spätestens da wusste ich, dass es kein Foul war", sagt Mitscherlich. Er wollte nicht, dass die gegnerische Mannschaft "um den Lohn ihrer Arbeit" gebracht wird. Sie hätten ihm leid getan, weil sie genauso viel gearbeitet hätten wie seine Team, von dem er auch Trainer ist. Besonders diese Vorbildfunktion hätte ihn zu seinem Entschluss gebracht, absichtlich zu verschießen.

Timo Werner hätte "ein Zeichen setzen können"

So viel Fairness hätte er sich auch von Werner gewünscht: "Am schlimmsten finde ich, dass er den Elfmeter auch noch selbst geschossen hat und sich anschließend wie ein Held feiern ließ." Zwar sei Werner noch jung und in der Bundesliga gehe es um sehr viel Geld. "Es ist natürlich etwas anderes, wenn du absichtlich einen Elfmeter vor 60 Zuschauern auf dem Sportplatz verschießt statt vor 50.000 in einem Stadion. Aber er hätte ein Zeichen setzen können."

Mitscherlich wehrt sich auch gegen die Auffassung das Verhalten von Werner sei "clever" gewesen. "Ist clever jetzt ein Synonym für Betrügen?" Die Kultur der Fairness habe im Sport allgemein sehr gelitten und "wenn die Profis, also die Aushängeschilder ihrer Sportarten, auch noch so tun, als wäre Betrug nur eine andere Bezeichnung für Cleverness, dann haben wir ein Problem."

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