Hwang Woo Suk Forscher-Star stürzt vom Wissenschafts-Thron


Er hat nie den ersten menschlichen Embryo geklont, nie maßgeschneiderte menschliche Stammzellen angefertigt: Hwang Woo Suk, einstiger Superstar unter den Stammzellforschern, hat seine Studien gefälscht.

Die beiden als bahnbrechend gefeierten Stammzell- Studien des umstrittenen südkoreanischen Klonforschers Hwang Woo Suk waren nach Angaben seiner Universität gefälscht. Hwangs Team habe nicht beweisen können, dass es maßgeschneiderte Stammzellen für Patienten oder jemals menschliche embryonale Stammzelllinien geklont habe. Das teilte eine Kommission der National-Universität in Seoul Anfang Januar zum Abschluss einer einmonatigen Untersuchung zu dem Fälschungsskandal um den Tiermediziner mit. Die Kommission kam jedoch zu dem Schluss, dass Hwangs Team wie behauptet den ersten Klonhund geschaffen habe.

Der Durchbruch beim therapeutischen Klonen ist noch nicht erreicht

Der Ausschuss hatte bereits zuvor festgestellt, dass die Studie aus dem Jahr 2005 über patientenspezifische Stammzellen komplett gefälscht wurde. Auch die Ergebnisse für die Studie aus dem Jahr 2004 über die Gewinnung einer Stammzelllinie aus geklonten menschlichen Embryos seien manipuliert, hieß es. Hwang und sein Team hatten im US-Fachjournal "Science" berichtet, sie hätten als erste weltweit eine Stammzelllinie aus einem geklonten Embryo gewonnen.

Die Ergebnisse der Kommission zerstörten endgültig die Hoffnung, dass Hwangs Team ein Durchbruch beim so genannten therapeutischen Klonen gelungen war. Forscher hoffen, einmal embryonale Stammzellen herstellen zu können, um damit zerstörte Organe zu ersetzen. Die Ernsthaftigkeit der Datenfälschung erfordere disziplinarische Maßnahmen gegen alle beteiligten Personen, erklärte der Ausschuss. "Diese Personen könnten nicht als Repräsentanten der Wissenschaft in Korea angesehen werden."

Staatsanwaltschaft ermittelt

"Wir haben unsere eigenen Ermittlungen (in dem Fall) aufgenommen", teilte die Oberste Staatsanwaltschaft in Seoul mit. Die Ermittlungen sollen sich auf die Ergebnisse der Untersuchungen der Seouler Nationaluniversität zu dem Fälschungsskandal um den Tiermediziner stützen. Die Nachforschungen der Anklagebehörde soll sich nach eigenen Angaben darauf richten, ob Hwangs Team bei der Verwendung von Fördergeldern für seine Arbeiten oder bei der Beschaffung von Eizellspenden für die Forschung möglicherweise gegen Gesetze verstoßen habe.

Seit 1998 hat die Regierung nach einem von der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap zitierten Bericht des Wissenschaftsministeriums an das Parlament knapp 41 Milliarden Won (etwa 34,6 Millionen Euro) für die Forschungen Hwangs zur Verfügung gestellt. Allein im vergangenen Jahr habe Hwangs Labor 11,3 Milliarden Won erhalten. Das Ministerium hatte nach der Aufdeckung des Skandals angekündigt, die finanzielle Förderung für Hwangs Team einzustellen.

"Bärendienst für die Stammzellforschung"

Mit seinen gefälschten Stammzell-Studien hat der südkoreanische Klonforscher Hwang Woo Suk nach Ansicht des renommierten Kölner Forschers Jürgen Hescheler "der gesamten embryonalen und adulten Stammzellforschung einen Bärendienst" erwiesen. "Es gibt da nichts zu beschönigen. Ein Fälschungsskandal ist das Schlimmste, was in der Wissenschaft überhaupt passieren kann", sagte Prof. Hescheler in einem dpa-Gespräch in Köln. "Den größten Schaden hat er angerichtet bei den Patienten, die auf eine baldige Therapie gehofft hatten", kritisierte der Stammzellforscher vom Institut für Neurophysiologie an der Universität Köln.

Die Teilnehmer eines Kabinettstreffens in Seoul entschieden Anfang Januar, dass der Rechnungshof die Verwendung öffentlicher Fördergelder durch Hwang und dessen Team überprüfen solle. Die Regierung hatte dem 53-jährigen Tiermediziner im Juni 2005 als erstem Südkoreaner den Titel "Oberster Wissenschaftler" verliehen, der mit Zuschüssen von drei Milliarden Won (etwa 2,5 Millionen Euro) jährlich in den nächsten fünf Jahren verbunden war. Der Tiermediziner saß außerdem nach Angaben des Wissenschaftsministeriums in 13 Ausschüssen des Ressorts und anderer Regierungsbehörden.

Öffentliche Entschuldigungen

Der Rektor der renommierten Nationaluniversität, Chung Un Chan, entschuldigte sich für den Skandal. Die Vorfälle hätten einen "unauslöschbaren Makel in der internationalen Wissenschaft und des Landes" hinterlasen. Hwang hatte seinen Lehrstuhl an der staatlichen Universität im Dezember 2005 nach der Aufdeckung erster Fälschungen zur Verfügung gestellt. Die Hochschule kündigte an, alle Beteiligten an den Manipulationen hart bestrafen zu wollen. Nachdem er lange Zeit seine Forschungen verteidigt hatte, entschuldigte Hwang Woo Suk sich öffentlich.

DPA DPA

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