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Spätfolgen des Angriffs "Napalm-Mädchen" Kim Phúc macht eine Laser-Behandlung


Vor über 40 Jahre wurde Kim Phúc durch ein Foto weltberühmt, auf dem sie schreiend vor einem Napalm-Angriff flieht. Noch heute leidet sie unter den Folgen. Nun soll eine Laserbehandlung in den USA ihre Schmerzen lindern.

Ein kleines Mädchen rennt nackt auf der Straße, sie schreit vor Schmerz, hinter ihr brennt die Luft: Das Bild der neunjährigen Kim Phúc ging um die Welt, wie kaum ein anderes steht es für die Schrecken des Vietnam-Kriegs. Das Mädchen hat bei einem Napalm-Angriff schwerste Verletzungen erlitten - ein Drittel ihres Körpers war verbrannt. "Ich glaube, ich sterbe! Zu heiß! Zu heiß! Ich sterbe!", soll sie damals gewimmert haben. Das berichtet der Fotograf Nick Út, der das Kind nach Aufnahme des Fotos ins Krankenhaus gefahren hat.

Die Brandwaffe Napalm wurde im Vietnamkrieg unter anderem von den Amerikanern massiv eingesetzt. Zwar besteht sie zum Großteil aus Benzin, jedoch wird sie zu einer klebrigen Masse verarbeitet. Haftet Napalm einmal an einem Ziel, ist es kaum wieder davon zu lösen, man kann es schlecht mit Wasser löschen oder abwaschen.

Hoffnung auf ein Leben ohne Schmerzen

Kim Phúc hatte ihre brennende Kleidung ausgezogen, doch die Temperatur des Brandstoffes kann bis zu 1200°C erreichen: Ihr Nacken, der ganze Rücken und große Teile ihres linken Arms verbrannten. Dicke Narben überziehen seither einen großen Teil ihres Körpers, sie verursachen starke Schmerzen und schränken sie ein. Eigentlich würde sie gerne Klavier spielen, erzählt sie, doch trotz regelmäßiger Übungen bleibt ihr linker Arm steif und für viele Aufgaben unbrauchbar.  

Doch nun, mehr als 40 Jahre nach dem verheerenden Anschlag, unterzieht sich die mittlerweile 52-Jährige in den USA einer Laser-Therapie. Jill Waibel, die behandelnde Ärztin vom "Dermatologie und Laser Institut Miami", hofft damit nicht nur die dicke Narbenschicht geschmeidiger machen zu können, sondern vor allem Phúcs Schmerzen zu lindern. Offenbar schlägt die Therapie an: "Viele Jahre habe ich gedacht, dass ich erst keine Schmerzen, keine Narben mehr hätte, wenn ich im Himmel bin.", sagt Phúc. "Aber jetzt - der Himmel auf Erden für mich!"

Die Narben werden verdampft

Die Behandlung  ist eine Methode, die ursprünglich gegen kleine Fältchen am Auge helfen sollte. Seit Jahren wird sie jedoch auch gegen Narbengewebe eingesetzt: Dabei wird die Haut mit einem Laser bis zum Siedepunkt erhitzt, und das feste Gewebe verdampft. Es entstehen mikroskopisch kleine Löcher in der Haut, durch die Medikamente tief in das Gewebe eindringen können. Sie sollen den Heilungsprozess unterstützen.

Laut Waibel wird Phúc sieben Behandlungen innerhalb von acht oder neun Monaten benötigen. Zwar wird die Patientin für die Behandlung sediert und die Haut ist einige Wochen nach der ersten Sitzung rot und juckt, doch Phúc bleibt optimistisch. Im Gegensatz zu den Operationen, die sie bereits früher durchlitten hat, sei die Laserbehandlung leicht zu ertragen gewesen. "Vielleicht dauert es ein Jahr. Aber ich bin so aufgeregt - und dankbar!"

vs AP

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