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Studie Warum wir lieber ans Meer fahren sollten, statt im Wald zu baden

Eine Frau lehnt sich entspannt über ein Geländer am Meer.
Das Meer wirkt sich laut aktuellen Studien mindestens genauso wohltuend auf uns aus, wie ein Spaziergang durch den Wald. 
© pixelfit / Getty Images
Stressiger Tag? Ein Spaziergang im Wald kann hier wahre Wunder bewirken – da ist sich die Wissenschaft mittlerweile einig. Aber laut einer aktuellen Studie wirkt ein Abstecher ans Meer mindestens genauso heilsam. 

Ein Spaziergang durchs Grüne tut unserer Psyche gut – das gilt mittlerweile auch wissenschaftlich betrachtet als erwiesen. Wer vom Alltagsstress abschalten oder neue Kraft tanken möchte, der ist laut aktuellen Studien allerdings nicht im Wald am besten aufgehoben, sondern am Meer.

Menschen, die nah am Wasser leben, sind im Vergleich zu Bewohnern anderer Regionen am glücklichsten und gesündesten. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie von Umweltpsychologe Mathew White von der University of Exeter im Vereinigten Königreich. Gemeinsam mit seinem Forschungsteam hat der Psychologe dafür mehr als 16.000 Menschen aus 18 Ländern zu ihren Lebensbedingungen und ihrem körperlichen wie psychischen Wohlbefinden befragt.

Wer in der Natur lebt, ist glücklicher als Stadtmenschen

Die aktuelle Studie von White und Kollegen ist aber bei weitem nicht die einzige Umfrage, die eine heilsame Wirkung von blauen Naturräumen nahelegt. Die Forscher:innen um Susana Mourato von der London School of Economics und George Mackerron von der University of Sussex haben bereits vor zehn Jahren eine Umfrage gestartet, bei der am Ende mehr als eine Millionen Antworten bei rauskamen.

Das Ergebnis: Die Menschen in der Natur waren durchweg wesentlich glücklicher als Stadtmenschen. Das trifft zunächst auf Regionen mit überwiegend Grünflächen wie Wälder, Wiesen und Berge zu – aber vor allem auf Küstenregionen. Konkret schnitten Lebensräume am Meer auf einer 100-Punkte-Glücksskala rund sechs Punkte besser ab, als Städte – grüne Naturräume waren im Schnitt nur zwei Punkte besser als städtische Räume.

Im Hinblick auf die grüne Natur ist das erstmal nichts Neues. Nicht umsonst erfreut sich die japanische Praxis des “Waldbadens“ auch in den westlichen Ländern immer größerer Beliebtheit. Das intensive Erleben des Waldes, das in dem asiatischen Land bereits seit den 1980er Jahren praktiziert wird, hat laut mehreren Studien eine entspannende Wirkung und kann Stresshormone und den Blutdruck gleichermaßen senken.

Ein Aufenthalt in der Natur bringt aber noch zahlreiche andere Vorteile für die menschliche Gesundheit mit sich. Wissenschaftler:innen konnten bereits nachweisen, dass wir aufmerksamer, kreativer und gelassener werden, wenn wir viel Zeit in grünen oder blauen Naturräumen verbringen. Was das angeht, spielt es also erstmal keine Rolle, ob wir in den Wald oder ans Meer fahren.

Das Meer animiert uns zur Naturverbundenheit

Aber was macht den Aufenthalt am Meer dann so viel lohnenswerter, als einen Spaziergang durch den Wald? Laut den Ergebnissen mehrerer Studien von Umweltpsychologe Mathew White animiert uns das Meer dazu, aktiver zu leben. Es reicht also nicht aus, sich lediglich am Wasser aufzuhalten – um die positiven Effekte zu spüren, müssen wir uns auch mit der Natur dort verbunden fühlen.

Wenn der Aufenthalt in der Natur die freie Entscheidung ist und man sich auf die Einflüsse der Meeresbrise einlässt, dann kann die Wirkung sogar so weit gehen, dass sie die Symptome von ADHS, Angststörungen und Depressionen lindern kann.  Dafür reicht es im Zweifel schon aus, nur gedanklich ans Meer zu reisen. Eine Studie aus dem Jahr 2017 konnte zeigen, dass Menschen, denen ein Zahn gezogen wurde, weniger Schmerzen empfanden, wenn sie einen virtuellen Spaziergang am Strand machten.

Aber warum wirkt das Meer? Darüber gibt es zahlreiche Hypothesen, wie aus einem Artikel auf “Spektrum“ hervorgeht. Die wohl verbreitetste: Das Meer ist geprägt von ständiger Bewegung und verändert sich durch die Wellen, den Wind und die unterschiedlichen Küstenabschnitte ständig sein Aussehen. Wir können uns mit dem Anblick, den Geräuschen und Gerüchten also schnell von negativen Gedanken ablenken, indem wir uns auf das beeindruckende Naturschauspiel einlassen.

Das gilt übrigens für grundsätzlich jeden Menschen, unabhängig von seiner Sozialisation und Herkunft. Eine Studie aus dem Jahr 2019 konnte zeigen, dass es auch Menschen mit geringem Einkommen überdurchschnittlich gut geht, wenn sie am Meer leben. Laut den Forschenden kann also die entspannende Wirkung des Meeres die stressigen und belastenden Lebensumstände ausgleichen. Bleibt nur noch eine Frage: Wann geht es für Sie endlich los ins Blaue?

Quelle: Artikel auf "Spektrum", Studie zu Wohnen am Meer, Studie zur Wirkung von Naturerlebnissen, Studie von Umweltpsychologe Mathew White

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