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Multiple Sklerose: Erkrankte Väter vererben häufiger

Die Nerven zwischen Gehirn und Muskeln werden zerstört, Lähmungen und Sprachstörungen sind die Folge - noch ist unklar, wie Multiple Sklerose vererbt wird. Eins weiß man nun aber: Betroffene Männer geben sie häufiger an ihre Kinder weiter als kranke Mütter.

Männer mit Multipler Sklerose (MS) geben die Krankheit mehr als doppelt so häufig an ihre Kinder weiter wie betroffene Frauen. Das zeigt eine Studie amerikanischer Forscher mit 444 erkrankten Kindern aus Familien, in denen ein Elternteil ebenfalls unter der Krankheit litt. Warum die betroffenen Väter mehr kranke Kinder zeugen als von später erkrankten Müttern geboren werden, können die Wissenschaftler noch nicht sagen. Sie vermuten jedoch, dass bei Männern mehr Gene für den Ausbruch der Krankheit verantwortlich sind als bei Frauen und die Wahrscheinlichkeit daher größer ist, eines dieser Gene an die Kinder weiterzugeben. Über ihre Studie berichten Orhun Kantarci von der Mayo-Klinik in Rochester und seine Kollegen in der Fachzeitschrift "Neurology" (Ausg. vom 25. Juli).

Bei MS beginnt das Immunsystem, die Isolationsschicht um die Nervenfasern im Zentralen Nervensystem, dem Gehirn und dem Rückenmark, anzugreifen. Dadurch entsteht eine chronische Entzündung des Gewebes, die nach und nach zur Zerstörung der Nervenisolation und der Bildung von Narbengewebe, der so genanten Sklerotisierung, führt. Die betroffenen Nerven können schließlich die Signale vom Körper ins Gehirn und umgekehrt nicht mehr richtig weiterleiten, so dass es zu den typischen Symptomen wie Lähmungen, Sehstörungen, Bewegungsproblemen und Sprachstörungen kommt.

Frauen häufiger betroffen als Männer

Was genau die Krankheit auslöst, ist noch nicht vollständig verstanden. Bekannt ist lediglich, dass Frauen ungefähr doppelt so häufig betroffen sind wie Männer und die Krankheit in etwa 85 Prozent der Fälle spontan auftritt. Bei den restlichen 15 Prozent der Betroffenen scheinen genetische Faktoren in Kombination mit Umwelteinflüssen eine entscheidende Rolle zu spielen. So haben Kinder beispielsweise ein zwanzigfach erhöhtes MS-Risiko, wenn ein Elternteil betroffen ist. Vermittelt wird die Veranlagung jedoch wohl nicht durch ein einzelnes Gen, sondern eher durch eine komplexe Wechselwirkung mehrerer Erbgutabschnitte.

Genau das könnte nach Ansicht der Forscher auch der Grund dafür sein, dass Kinder die Krankheit eher von ihren Vätern erben: Da Männer widerstandsfähiger gegen MS zu sein scheinen als Frauen, tragen tatsächlich erkrankte Männer wahrscheinlich mehr von den genetischen Faktoren in ihrem Erbgut, die zum Ausbruch der Krankheit führen - und dadurch steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass sie die Veranlagung an ihre Kinder weitergeben. Dabei muss es sich nach Ansicht der Forscher nicht einmal um eine klassische Vererbung nach den Mendelschen Regeln handeln. Genauso käme eine so genannte epigenetische Vererbung infrage, bei der eine Art genetischer Schaltplan zusätzlich zum eigentlichen Erbgut weitergegeben wird. Der genaue Zusammenhang müsse nun in weiteren Studien geklärt werden, sagen die Forscher.

DDP

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