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Intelligenz und Muttermilch: Sind gestillte Kinder später schlauer?

Wer kann, sollte stillen: Dass Muttermilch gut für Kinder ist und etwa helfen kann, Allergien vorzubeugen, ist bekannt. Eine Studie legt nun nahe, dass sich Stillen auch auf die Intelligenz auswirkt.

Über die Dauer des Stillens streiten Experten: Meist werden mindestens vier Monate ausschließliches Stillen empfohlen, Beikost sollte frühestens ab dem fünften Monat hinzukommen.

Über die Dauer des Stillens streiten Experten: Meist werden mindestens vier Monate ausschließliches Stillen empfohlen, Beikost sollte frühestens ab dem fünften Monat hinzukommen.

Stillen hat viele positive Effekte: Es versorgt das Kind mit wichtigen Abwehrstoffen und senkt etwa das Risiko für Asthma oder Neurodermitis. Eine aktuelle Studie legt nun nahe, dass es sich auch positiv auf die Entwicklung des Gehirns auswirkt. Je länger Kinder gestillt wurden, desto höher war im späteren Leben ihr IQ - ein Effekt, der sich unabhängig vom sozialen Status der Eltern zeigte.

Für ihre Untersuchung analysierten die brasilianischen Forscher um Studienleiter Bernardo Lessa Horta von der brasilianischen Universität Pelotas Daten von 6000 Kindern, die 1982 in Pelotas geboren wurden. Die Wissenschaftler unterteilten sie in fünf Gruppen, je nachdem, wie lange die Kinder gestillt wurden: weniger als einen Monat, ein bis zwei Monate, drei bis fünf Monate, sechs bis elf Monate oder zwölf und mehr Monate. Nach 30 Jahren nahmen noch 3493 der Probanden an der Studie teil, diese unterzogen die Wissenschaftler einem IQ-Test.

Das Ergebnis: "Je länger ein Kind gestillt wurde (bis zu zwölf Monate), desto größer waren die Vorteile", schreiben Studienleiter Lessa Horta und seine Kollegen in der im Fachblatt "The Lancet Globa Health" erschienenen Studie. Wer als Baby mindestens ein Jahr lang gestillt wurde, legte laut der Studie durchschnittlich um vier IQ-Punkte zu, wies 0,9 Jahre mehr an Schulbildung auf und hatte ein um 341 brasilianische Real (98 Euro) erhöhtes Monatseinkommen im Gegensatz zu denen, die kürzer als einen Monat gestillt wurden.

Unabhängig vom Bildungsgrad der Eltern

Der Effekt des Stillens auf die Gehirnentwicklung zeigte sich auch, wenn andere soziale Faktoren, die den IQ beeinflussen, herausgerechnet wurden - etwa das Familieneinkommen zum Zeitpunkt der Geburt, das Geburtsgewicht, das Alter der Mutter bei der Geburt oder der Bildungsgrad der Eltern. "Das Stillen ist unter hochgebildeten, gutverdienenden Frauen nicht stärker verbreitet, sondern gesellschaftlich gleich verteilt", so Lessa Horta.

Für die positiven Effekte der Muttermilch auf die Intelligenz könnten vor allem langkettige gesättigte Fettsäuren verantwortlich sein, die wichtig für die Entwicklung des Gehirns sind, mutmaßen die Forscher. Dass diese tatsächlich die Ursache dafür sind, lässt sich aber noch nicht definitiv sagen. "Die Auswirkungen des Stillens auf die Entwicklung des Gehirns und die Intelligenz von Kindern sind bekannt", sagt Studienautor Lessa Horta. Weniger klar sei bislang aber gewesen, ob diese Auswirkungen bis ins Erwachsenenalter andauern. Die neue Studie zeige, dass längeres Stillen die Intelligenz mindestens bis ins Alter von 30 Jahren erhöhe - und sich möglicherweise nicht nur abstrakt, sondern ganz real (etwa auf das Einkommen) auswirke, schreiben die Forscher vorsichtig.

AFP / AFP
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