Nordic-Walking-Training Lernen von den Profis


Nur wer die richtigen Bewegungsabläufe beim Nordic Walking beherrscht, schont die Gelenke. Walking-Treffs mit professionellen Trainern erleichtern den Einstieg in den Sport.

Wenn Irene Bolzmann durch die Naturlandschaft der Hüttener Berge streift, hat sie oft nur Augen für Füße und Beine, Schultern und Hände anderer Leute. Auch heute beobachtet sie die fremden Körper wieder ganz genau, die mit dynamischen Schritten und weit ausholenden Armen über Feld- und Waldwege schreiten. Bolzmanns Interesse ist rein professioneller Natur: Die Nordic-Walking-Trainerin zeigt Besuchern und Bewohnern der Region zwischen Schleswig, Rendsburg und Eckernförde, wie sie sich mit zwei Stöcken einfach und effektiv fit halten können.

Solche Walking-Treffs bieten Routiniers einen Einstieg in die abwechslungsreiche Streckenlandschaft der Gegend und Anfängern einen idealen Auftakt für ihre erste Walking-Reise: Sie können unter sportärztlicher Begleitung schnell und sicher alle Bewegungsabläufe lernen, die sie für ihre neue Fortbewegungsart brauchen.

Ungewohnter Gang auf allen Vieren

Freitag abend, 16.15 Uhr: Rund 20 Nordic Walker suchen sich auf dem Parkplatz der Touristeninformation "Redderhus" in Holzbunge passende Stäbe, die Irene Bolzmann in ihrem VW-Bus herangekarrt hat. Kurz darauf verlassen sie geschlossen das Gelände. Rund 300 Meter führt sie die Strecke über den asphaltierten Fußweg entlang der Bundesstraße 203, bevor der Tross auf einen weichen Wanderweg einbiegt.

Schon nach kurzer Zeit setzen sich die sportlicheren Geher, zumeist Männer, von der Gruppe ab. Am anderen Ende versuchen die Anfänger, den ungewohnten Gang auf allen Vieren zu lernen.

"Die Sache ist ganz einfach", sagt Bolzmann und demonstriert den Bewegungsablauf. "Setzen Sie den Fuß mit der Ferse auf, rollen Sie über die Sohle ab und stoßen Sie sich dann mit dem Ballen ab", erklärt sie. Die Stöcke lassen die Neulinge dabei erst einmal nur hinter sich herschleifen. Herunterfallen können die Stäbe nicht: Ihre Schlaufen, die an Handschützer von Rollschuhläufern erinnern, werden mit Klettverschlüssen festgeschnallt.

Auch Meike Kohrs versucht, sich erst einmal nur auf die Koordination ihrer Schritte zu konzentrieren. Mit 34 Jahren ist die Hamburgerin heute eine der Jüngsten in der Gruppe. "Als ich meinen Freunden erzählt habe, dass ich Nordic Walking ausprobiere, waren die meisten erstaunt", erzählt sie. "Die konnten das gar nicht verstehen, weil ich schon zwei- bis dreimal in der Woche laufe." Aber in letzter Zeit habe sie manchmal ihre Knie knacken hören - "da ist diese Form der Bewegung vielleicht das Richtige für mich."

Ein Sport für Jung und Alt

Das normale Walken klappt bei ihr schon ganz gut, deshalb erklärt Bolzmann ihr nun die Stocktechnik: "Lassen Sie die Arme fast gestreckt und die Schultern locker." Die Stöcke sollen die Walker nur zum Abstoßen greifen und kurz vor Ende des Schwungs die Hand öffnen. "Dann stoßen Sie sich durch Druck auf die Schlaufe ab und lassen den Griff schließlich ganz los. Mit entspannter Hand ziehen Sie den Stab dann wieder nach vorne." Das Loslassen hat seinen Sinn: Werden die Stöcke ständig umklammert, verkrampfen sich mit der Zeit Arme und Schultern.

Rund zehn Minuten bleiben Kohrs zum Üben, dann sammelt sich die Gruppe zur Gymnastik auf einer Wiese. Allein oder mit einem Partner dehnen die Walker in der Abendsonne Rücken, Beine und Arme - ihre Stöcke legen sie dabei nicht aus der Hand, sie eignen sich hervorragend als Hilfsmittel.

Kniebeschwerden und Depressionen verschwunden

Dann geht es wieder auf die Strecke, hinunter zum Wittensee, über weiche, mit Rindenmulch bestreute Waldwege, durch die Feldmark. Viele der einheimischen Geher sind in dieser Gegend häufig unterwegs. "Ich walke zweimal in der Woche, jeweils eine gute Stunde", sagt Meta Turckenmüller. Mit 75 Jahren ist sie zwar die älteste, aber längst nicht die langsamste Geherin im Feld. Rund ein Jahr zuvor hat sie den Sport zum ersten Mal ausprobiert, nun kommt sie davon nicht mehr los.

Die Rentnerin ist von der Wirkung des Sports auf Körper und Geist überzeugt. "Seitdem ich walke, sind meine Kniebeschwerden weg", sagt sie. Und die Depressionen, unter denen sie nach dem Tod ihres Mannes gelitten habe, seien auch verschwunden. Die fünf Euro, die jeder Teilnehmer vor Beginn jedes Gruppentrainings zahlen muss, seien deshalb für sie gut angelegtes Geld - "und von der Krankenkasse bekomme ich auch noch 90 Prozent erstattet."

Gegen 18 Uhr trudelt die Geh-sellschaft allmählich wieder beim Redderhus zum Ausdehnen ein. Meike Kohrs wirkt nach ihrer Premiere entspannt und zufrieden. "Das war richtig gut", sagt sie und ist völlig überrascht als sie von der Trainerin erfährt, dass sie soeben nicht fünf oder sechs, sondern ganz locker 8,5 Kilometer zurückgelegt hat. "Als Ergänzungssport könnte ich mir Nordic Walking gut vorstellen." Allerdings vorerst lieber nur in solch einsamer Natur wie hier, wo kein Mensch spöttisch guckt. Kohrs: "Am Hamburger Jungfernstieg würde ich mich mit den Stöcken wohl nicht blicken lassen."

Torben Müller print

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