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Packungsbeilagen: Kauderwelsch in viel zu kleiner Schrift

Zu lang, zu kompliziert geschrieben, zu kleine Schrift: Viele Deutsche können mit den Beipackzetteln von Arzneimitteln wenig anfangen. Häufig hat das fatale Folgen.

Von Angelika Unger

Packungsbeilagen von Medikamenten verunsichern beinahe jeden dritten Verbraucher. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemeinsame Studie des Bundesverbands der Verbraucherzentralen und der Allgemeinen Ortskrankenkassen. "Es gibt nicht nur Risiken und Nebenwirkungen von Medikamenten, sondern auch von Packungsbeilagen", sagt Edda Müller vom Bundesverband der Verbraucherzentralen.

Jedes Jahr müssten in Deutschland rund 57.000 Menschen wegen unerwünschter Arzneimittelwirkungen ins Krankenhaus, häufig seien falsch dosierte Medikamente oder nicht beachtete Neben- und Wechselwirkungen der Grund. Leicht verständliche und gut lesbare Beipackzettel könnten helfen, viele dieser Fälle vermeiden, glauben die Ortskrankenkassen.

Beipackzettel schreckt Patienten ab

Das wissenschaftliche Institut der AOK hatte die Packungsbeilagen der 100 meistverordneten Arzneimittel 70 Testpersonen vorgelegt. Diese sollten die Lesbarkeit und Verständlichkeit der Beipackzettel bewerten. Zusätzlich wurden 1900 Personen zum Thema Packungsbeilagen befragt.

Demzufolge liest zwar die überwiegende Mehrheit der Verbraucher den Beipackzettel, mit den Informationen können die meisten offenbar aber wenig anfangen. 28 Prozent der Befragten haben schon einmal aufgrund der Packungsbeilage ein Medikament abgesetzt oder gar nicht erst genommen. Beinahe jeder zweite Befragte ist der Ansicht, Beipackzettel seien zu umfangreich, jeder fünfte findet sie unverständlich. 17 Prozent kritisierten außerdem, die verwendete Schrift sei zu klein.

"Beipackzettel senken die Wirksamkeit von Medikamenten. Viele der Patienten sind nach der Lektüre so verunsichert, dass sie die Arzneimittel in den Schrank legen und nicht mehr herausholen", fasst Hans Jürgen Ahrens, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, zusammen.

Bei der Präsentation der Studie stellte das wissenschaftliche Institut der AOK auch ein Beispiel für einen gut lesbaren und leicht verständlichen Beipackzettel vor. Für die Packungsbeilage des Medikaments mit dem Pseudonym "Clarum" wurde die Beilage eines häufig verordneten Präparats überarbeitet. Die Hauptunterschiede: größere Schrift, weniger Text, übersichtliche Aufteilung. Piktogramme heben die wichtigsten Informationen hervor.

Zulassung an Beipackzettel koppeln

Für die unverständlichen Beipackzettel machen Verbraucherzentralen und AOK die Hersteller und die Zulassungsbehörde verantwortlich. "Die Zulassung eines Medikamentes sollte nur in Kombination mit einem verständlichen und lesbaren Beipackzettel möglich werden. Dafür müssen Standards entwickelt und umgesetzt werden", forderte Hans Jürgen Ahrens.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte halte sich bei der Genehmigung von Beipackzetteln nicht an seine eigenen Empfehlungen. Demnach sind die Informationen "in einfacher, dem Durchschnittspatienten verständlicher Sprache abzufassen. Fachwörter sind ins Deutsche zu übersetzen." Auch Abkürzungen und überlange Sätze sollen den Empfehlungen zufolge nicht in den Packungsbeilagen auftauchen.

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