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Stern Logo Rauchen - Wege aus der Nikotinsucht

Weltnichtrauchertag: 370 Millionen Zigaretten pro Tag

Tabaksteuererhöhung, Gesundheitsappelle, offengelegte Zusatzstoffe haben nicht verhindert, dass im vergangenen Jahr mindestens 370 Millionen Zigaretten pro Tag in Deutschland geraucht wurden.

Wie das Statistische Bundesamt am Montag in Wiesbaden anlässlich des Weltnichtrauchertags weiter mitteilte, sank zwar die Zahl der versteuerten Zigaretten im vergangenen Jahr um fast ein Viertel gegenüber dem Höchststand von 2002 (398 Millionen) auf rund 305 Millionen pro Tag.

Trend zum losen Tabak

Die Zahl der Selbstgedrehten nahm im selben Zeitraum allerdings um gut die Hälfte auf 66 Millionen pro Tag zu (2002: 42 Millionen), wobei ein Gramm Feinschnitt für eine gedrehte Zigarette veranschlagt wurde. Bei den Zigarren und Zigarillos gab es eine Zunahme um ein Viertel von acht auf zehn Millionen. Zudem vermuten die Statistiker, dass wegen der Tabaksteuererhöhungen vermehrt geschmuggelte Zigaretten geraucht werden, wie Petra Martin vom Bundesamt sagte. Seit 2002 stabil ist der Konsum von Pfeifentabak mit zwei Tonnen pro Tag.

Rein rechnerisch kommen nach den offiziellen Zahlen auf jeden Einwohner - einschließlich Kinder - durchschnittlich vier Zigaretten pro Tag und eine Zigarre oder ein Zigarillo alle acht Tage.

Der Ärzteverband Marburger Bund appellierte zum Weltnichtrauchertag an die Mediziner in Deutschland, ihre Vorbildfunktion wahrzunehmen und auf das Rauchen zu verzichten. "Rauchen ist der Killer Nummer 1. Ärzte sollen Menschen retten und Krankheiten heilen", erklärte der Vorsitzende des Marburger Bundes, Frank Ulrich Montgomery. Erklärtes Ziel der Ärztevereinigung sei es zudem, dass alle 2.200 Krankenhäuser Deutschlands zur rauchfreien Zone werden. "Wir setzen dabei auf positive Anreize in den Kliniken", sagte der Verbandspräsident. Montgomery forderte erneut, nicht auf die geplante dritte Stufe der Tabaksteuererhöhung zu verzichten: "Die abschreckende Wirkung der Zigarettenverteuerung ist ein Sieg für die Gesundheit."

Zahnärzte wollen aufklären

Die Bundeszahnärztekammer ermunterte anlässlich des Weltnichtrauchertags Zahnärzte und ihre Teams, sich in der Raucherentwöhnung zu engagieren. Als die am häufigsten regelmäßig in Anspruch genommene Facharztgruppe in Deutschland hätten Zahnärzte einen besonders engen Kontakt zu ihren Patienten. "Daher eignen sich die zahnärztlichen Praxen besonders gut für die gesundheitliche Aufklärung, gerade auch beim Nikotinkonsum", erklärte der Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, Dietmar Oesterreich. Die Gesundheitsrisiken des Rauchens seien zwar hinlänglich bekannt, dennoch greife gut ein Drittel der Bevölkerung weiter regelmäßig zum krankmachenden Glimmstängel.

Der Verein Pro Rauchfrei forderte ein vollständiges Verbot aller Zusatzstoffe in Zigaretten. "Die Zigarettenindustrie setzt eine Vielzahl von Zusatzstoffen ein. Diese sind als solche ungefährlich, werden jedoch beim Rauchen in Krebs erregende, genverändernde und giftige Substanzen umgewandelt. Diese enorme Gesundheitsgefahr betrifft nicht nur den Raucher selbst, sondern alle Passivraucher", erklärte der Verein.

AP

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