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Arztbesuch: Rückenschmerzen? Bitte nicht sofort röntgen!

Rückenschmerzen sind ein Volksleiden – doch werden erschreckend oft falsch behandelt, wie eine neue Studie zeigt. Schuld daran sind ausgerechnet die Patienten.

Eine Frau leidet unter Rückenschmerzen.

Was tun bei Rückenschmerzen? Eine Studie zeigt: In Bewegung bleiben ist oft die beste Medizin.

Nur eine falsche Bewegung – und schon fährt der Schmerz in das Kreuz. Rückenschmerzen sind quälend und halten mitunter Tage, manchmal sogar Wochen an. Klar, dass viele Betroffene sofort einen Arzt aufsuchen, um die Ursache ihrer Symptome abklären zu lassen. Doch dort wird nicht allen Patienten geholfen - sondern erst einmal falsch behandelt, wie eine Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt.

In Deutschland wird demnach viel zu häufig und unnötig geröntgt. Viele der jährlich sechs Millionen Bildaufnahmen mit Röntgengeräten, Computertomografen (CT) und Magnetresonanztomografen (MRT) wären vermeidbar, heißt es seitens der Stiftung.

Ärzte handeln entgegen der Leitlinien

Jährlich 38 Millionen Besuche beim Haus- oder Facharzt aufgrund von Rückenschmerzen zählte die Stiftung. Bei 22 Prozent wurde eine Aufnahme vom Rücken bereits im ersten Quartal der Erstdiagnose angeordnet – entgegen den Empfehlungen der ärztlichen Leitlinien. Bei jedem zweiten Patienten wurde ein Bild veranlasst, ohne vorher konservative Therapieversuche etwa mit Schmerzmitteln oder Physiotherapie zu unternehmen.

Rund 85 Prozent der akuten Rückenschmerzen gelten als medizinisch unkompliziert. Die ärztlichen Leitlinien empfehlen bei Rückenschmerzen, bei denen es keine Hinweise auf gefährliche Verläufe wie Wirbelbrüche oder Entzündungen gibt, körperliche Aktivitäten so weit wie möglich beizubehalten, Bettruhe zu vermeiden und auf bildgebende Diagnostik – also Röntgen – zu verzichten.

Ärzte weichen davon jedoch häufig ab. So werden der Studie zufolge 43 Prozent der Betroffenen Ruhe und Schonung empfohlen. Zudem verstärkten Ärzte oft das Krankheitsgefühl der Patienten – fast jedem Zweiten werde vermittelt, dass der Rücken "kaputt" oder "verschlissen" sei.

Die kleine Yogapause: Erste Hilfe gegen Rückenschmerzen


Rückenschmerzen: Röntgen richtet mitunter mehr Schaden als Nutzen an

Doch auch die Patienten haben laut Bertelsmann-Stiftung oft falsche Erwartungen. Mehr als zwei von drei Versicherten (69 Prozent) meinen, dass der Arzt durch Röntgenaufnahmen, CT oder MRT die genaue Ursache des Schmerzes findet. Doch Ärzten gelingt dies bei höchstens 15 Prozent der Betroffenen. Ärzte sollten die überzogenen Erwartungen ihrer Patienten an die Untersuchung zurechtrücken, rät die Stiftung.

"Oft werden die Befunde der Bildgebung überbewertet", erklärte Jean-François Chenot von der Universität Greifswald und medizinischer Experte der Studie. Dies führe nicht nur zu unnötigen weiteren Untersuchungen und zur Verunsicherung des Patienten, sondern könne "sogar zur Chronifizierung der Beschwerden beitragen".


Italienischer Osteopath bitprojects

ikr / AFP

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