Rügen Die Fähre fährt wieder


Die Situation auf Rügen normalisiert sich - die Sperrmaßnahmen werden aufgehoben, und die Wittower Fähre ist wieder in Betrieb. Bundesweit werden die Schutzzonen um die Vogelgrippe-Fundorte allerdings vergrößert.

Zweieinhalb Wochen nach dem ersten Vogelgrippe- Nachweis auf der Insel Rügen werden die Sperrmaßnahmen am Seuchenherd um die Wittower Fähre heute aufgehoben. Vom Nachmittag an sollen der Fährverkehr wieder aufgenommen und die Seuchenmatten abgebaut werden, sagte Landrätin Kerstin Kassner (Linkspartei.PDS) in Bergen. "Die Lage hat sich deutlich entspannt." Zudem könne voraussichtlich am Samstag die Bundeswehr vollständig von der Insel abgezogen werden. Der Katastrophenalarm werde in Abstimmung mit dem Land und den Landkreisen Ost- und Nordvorpommern aber vorerst nicht aufgehoben.

In den letzten Tagen waren auf Rügen deutlich weniger verendete Tiere gefunden worden. Neben 48 Vögeln bargen die Helfer sechs Säuger. Die Säugetiere seien an die Labors zur Untersuchung gegangen, sagte die Landrätin.

Schutzzonen werden vergrößert

Nach der Infektion einer Katze auf Rügen mit dem hochpathogenen Virus H5N1/Asia gelten von diesem Wochenende an in Deutschland verschärfte Schutzmaßnahmen gegen die Vogelgrippe. Schutzzonen werden von drei auf zehn Kilometer rund um Vogelgrippe- Fundorte erweitert. Katzen und Hunde dürfen dort nicht mehr frei herumlaufen, hatte Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) in Berlin angekündigt. Der Zugang zu Betrieben werde eingeschränkt und die Erforschung der Tierseuche verstärkt. Nur wer zum Geflügelbetrieb gehört sowie Tierärzte sollen den Stall betreten dürfen.

Die Zahl der bestätigten Vogelgrippefälle stieg in Deutschland laut Seehofer auf 140. Allein auf der Ostseeinsel Rügen sei das gefährliche Virus H5N1 115 Mal nachgewiesen worden. An der Küste Mecklenburg-Vorpommerns seien elf Fälle registriert worden, in den vier anderen betroffenen Bundesländern - Schleswig-Holstein, Baden- Württemberg, Brandenburg und Bayern - insgesamt 14.

Vogelgrippe breitet sich weiter über Europa aus

Auch in anderen Ländern Europas meldeten die Behörden weitere Vogelgrippefälle. Im ostfranzösischen Département Ain wurden elf weitere Wildvögel mit dem Virus H5N1 aufgefunden. Bei einer Reihe von Wildenten, Wildschwänen und in einem Geflügelstall der Region war das Virus bereits nachgewiesen worden. In Österreich entdeckten Forscher seit dem ersten Auftreten der Tierseuche Mitte Februar 22 Infektionen. In der Schweiz bestätigte sich der erste Vogelgrippeverdacht. In Griechenland stieg die Zahl der nachgewiesenen Fälle bei Wildvögeln auf 19. In Rumänien wurden zwei Vogelgrippe- Fälle in bislang von der Seuche verschonten Gegenden festgestellt. Das H5- Virus wurde bei einer verendeten Wildgans in der ostrumänischen Stadt Buzau sowie bei Hühnern in einem Dorf im Bezirk Dambovita in den südöstlichen Vorkarpaten entdeckt. Obwohl eine Bestätigung des auch für den Menschen gefährlichen H5N1-Virus noch nicht vorliege, seien Quarantäne-Maßnahmen ergriffen worden.

Seehofer sprach sich für eine baldige Sondersitzung mit Agrar- und Gesundheitsministern der Länder aus. So könnten sich Bund und Länder besser auf Gefahren vorbereiten.

Trotz des vorhandenen Pandemie-Risikos durch die Vogelgrippe sieht der US-Seuchenexperte Adolpho Garcia-Sastre keine Gefahr einer verheerenden Epidemie wie 1918. Damals waren an der so genannten Spanischen Grippe weltweit 20 bis 50 Millionen Menschen gestorben. Garcia-Sastre hatte das verantwortliche Virus H1N1 kürzlich im Labor aus eingefrorenen Gewebeproben wieder zum Leben erweckt und untersucht. "Selbst wenn sich H5N1 zu einem für den Menschen gefährlichen Virus entwickelt, wird es dank neuer Medikamente wahrscheinlich nicht zu einer Katastrophe wie damals kommen", sagte der Virologe am Rande einer Fachtagung zu Grippeviren bei der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) in Braunschweig.

DPA DPA

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