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Schlafstörungen Stiftung Warentest hat rezeptfreie Schlafmittel untersucht – warum die Experten von Melatonin abraten

Frau liegt nachts wach und kann nicht schlafen
Bei Ein- und Durchschlafproblemen können rezeptfreie Schlafmittel kurzfristig helfen.
© stefanamer / Getty Images
Wenn der Schlaf fehlt, wird der Tag ungemütlich. Rezeptfreie Schlafmittel können bei Ein- und Durchschlafproblemen helfen. Welche Mittel Stiftung Warentest empfiehlt und von welchen sie abrät.

Nach links drehen, nach rechts drehen, auf den Rücken oder auf den Bauch und wieder von vorne – viele Deutsche finden nachts keine Ruhe. Laut einer Umfrage von Statista schläft ein Viertel der Befragten sehr schlecht oder schlecht. Schäfchen zählen oder eine warme Milch mit Honig dürfte jeder, der nicht schlafen kann, schon ausprobiert haben – doch bei manch einem ist jeder Trick wirkungslos. Schlafmittel können eine kurzfristige Hilfe sein. Stiftung Warentest hat rezeptfreie Mittel getestet und rät vom Wirkstoff Melatonin ab.

Treten Schlafprobleme akut auf, haben sie meist eine konkrete Ursache wie einen Trauerfall oder besonders viel Stress. Die schlaflosen Nächte sind nach dieser Phase auch wieder vorbei. Von einer Schlafstörung (Insomnie) sprechen Mediziner:innn erst, wenn die Probleme mindestens schon einen Monat bestehen und Ein- und Durchschlafprobleme in drei oder mehr Nächten die Woche auftreten. Für den Alltag ist dies sehr belastend und die Probleme sollten bei Ärzt:innen abgeklärt werden.

Schlafmittel ohne Rezept als kurzfristige Lösung bei Schlafproblemen

Die Stiftung Warentest rät zu einem Schlaftagebuch. Hier können Betroffene auflisten, wann sie ins Bett gegangen, wann sie aufgestanden sind, wann sie wach waren, was sie tagsüber gemacht haben, was sie kurz vor dem Schlafengehen gemacht haben und welche Medikamente sie genommen haben. So lassen sich Muster erkennen und Verhaltensweisen oder Angewohnheiten aufdecken, die den Schlaf rauben. Außerdem sei ein solches Tagebuch auch hilfreich für den Arztbesuch.

Rezeptfreie Schlafmittel können eine kurzfristige Lösung bei Schlafproblemen sein. Früher wurden die Wirkstoffe Diphenhydramin und Doxylamin zur Behandlung von Heuschnupfen eingesetzt – heute macht man dies nicht mehr, weil sie müde machen. Deswegen können sie bei Schlafproblemen helfen. Doch: Die Mittel dürfen nur kurzfristig eingesetzt werden – maximal zwei Wochen am Stück. Es kann sich sonst ein Gewöhnungseffekt einstellen und Nebenwirkungen wie Schwindel oder Verwirrtheit können auftreten.

Stiftung Warentest hält sechs Mittel mit diesen Wirkstoffen für geeignet. Das günstigste Mittel von "Schlafsterne" mit dem Wirkstoff Doxylamin kostet 4,59 Euro für zehn Tabletten. Mit dem Wirkstoff Diphenhydramin kostet das günstigste Produkt 7,97 Euro für 20 Tabletten und ist von "Halbmond".

Stiftung Warentest: Baldrian-Pillen helfen nicht immer

Auch Baldrianpräparate können schlaffördernd wirken. In der Regel sind sie nicht apothekenpflichtig und finden sich auch in den Gesundheitsregalen der Drogerien. Die schlechte Nachricht: Nicht jede Baldrian-Pille hält, was sie verspricht. Auch gibt es zu vielen Zubereitungsformen und Herstellungsverfahren kaum klinische Daten, bemängelt die Stiftung Warentest.

Laut der Expert:innen helfen die Baldrian-Pillen aber nur, wenn sie bestimmte Baldrian-Trockenextrakte in ausreichend hoher Dosierung als Wirkstoff enthalten. 300 bis 600 Milligramm sollten enthalten sein. Die pflanzlichen Pillen haben auch Vorteile: Sie machen nicht abhängig und haben kaum Nebenwirkungen. Die Stiftung Warentest bewertet fünf Baldrian-Produkte als eingeschränkt geeignet. Das günstigste Präparat ist von Abtei "Baldrian Forte" und 30 Tabletten kosten 6,09 Euro.

Melatonin in Kapseln oder Spray ist umstritten – Warentester raten ab

Ob als Kapsel oder Spray – auch Mittel mit dem Wirkstoff Melatonin sind ohne Rezept erhältlich. Die Stiftung Warentest rät von der Einnahme solcher Schlafmittel auf eigene Faust ab. Denn: Die Melatonin-Pillen kommen häufig als Nahrungsergänzungsmittel auf den Markt. Das bedeutet, dass die Hersteller das Produkt lediglich beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit anzeigen müssen. Sie müssen also nicht die Wirksamkeit nachweisen oder mögliche Nebenwirkungen angeben.

Melatonin ist ein Hormon, das der Körper auch selbst herstellt. Am Abend, wenn es dunkel wird, schüttet der Körper mehr Melatonin aus und wir werden müde. Das Hormon regelt also den Tag-Wach-Rhythmus. Schlafexpert:innen warnen davor, freiverkäufliche Schlafmittel mit Melatonin auf einer Ebene mit Kräuterzusätzen oder Vitaminen zu sehen. Eine US-amerikanische Studie zeigt, dass die Einnahme nicht ungefährlich ist. Unter anderem wurden Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Magenkrämpfe mit der Einnahme melatoninhaltiger Schlafmittel in Verbindung gebracht, wie der stern berichtete.

Neben rezeptfreien Schlafmitteln und Schäfchen zählen, gibt es noch andere Wege, um auch in Krisenzeiten gut zu schlafen. Neurowissenschaftler Dr. Christian Benedict hat im Gespräch mit dem stern fünf Tipps gegeben.

Den kompletten (kostenpflichtigen) Test von Stiftung Warentest finden Sie hier!


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