Schweinegrippe Wie gefährdet sind Schwangere?

Bei Schwangeren ist die Abwehr geschwächter - das Infektionsrisiko steigt
Bei Schwangeren ist die Abwehr geschwächter - das Infektionsrisiko steigt
© Colourbox
Eine Frau ist in Schottland an der Schweinegrippe gestorben, drei Tage zuvor hatte sie per Frühgeburt ein Baby zur Welt gebracht. Angesteckt hatte sie sich, als sie im siebten Monat schwanger war. Nun stellen sich werdende Mütter die Frage: Wie groß ist die Gefahr durch das Grippevirus für mich und mein Kind?
Von Ulrike Schäfer

Das erste Todesopfer der Schweinegrippe in Europa war eine 38 Jahre alte Frau aus Schottland, die erst vor kurzem ein Baby zur Welt gebracht hatte. Im siebten Monat ihrer Schwangerschaft hatte sie sich mit dem H1N1-Virus angesteckt. Wie die Zeitung "The Times" berichtete, sei das Baby wegen der Erkrankung der Mutter zu früh zur Welt gekommen. Ist das Virus für Schwangere besonders gefährlich?

Wie Experten bestätigen, ist die Influenza nicht erst seit dem Ausbruch der Schweinegrippe eine Gefahr für schwangere Frauen. Auch die saisonale Grippe, die alljährlich vor allem in der Zeit von Dezember bis April auftritt, stellt ein Risiko für werdende Mütter dar. "In der Schwangerschaft ist die Abwehr geschwächter", erklärt Bernhard Fleischer, Facharzt für Innere Medizin am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg. Schwangere stecken sich daher leichter an und sollten die empfohlenen Hygienemaßnahmen - etwa häufiges und gründliches Händewaschen - besonders ernst nehmen.

Problematisch für Mutter und Kind ist vor allem das mit der Grippe einher gehende Fieber: "Eine hoch fieberhafte Erkrankung ist in der Schwangerschaft immer ungünstig", sagt Fleischer. Sie könne etwa zu vorzeitigen Wehen oder Schwierigkeiten bei der Versorgung des Kindes führen. Auch die europäische Arzneimittelbehörde (Emea) weist auf mögliche nachteilige Auswirkungen der Grippe auf das Ungeborene, vor allem im ersten Schwangerschaftsdrittel, hin: Die Hyperthermie (Überwärmung) könne neben Entwicklungsstörungen des Fötus auch zu einer Fehlgeburt führen. Hält sich das Fieber mehr als 24 Stunden lang über 39 Grad, müssen daher fiebersenkende Maßnahmen ergriffen werden. Schwangere dürfen dabei auch zum Grippemittel Tamiflu greifen. Maria Hoeltzenbein, Ärztin beim Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie in Berlin, betont allerdings, dass die Einnahme nur bei einer eindeutigen Indikation durch einen Arzt angezeigt ist. Tamiflu zur Prophylaxe einzunehmen sei nicht ratsam. "Die neuen Grippemittel sind noch nicht ausreichend untersucht, es gibt zu wenig Daten", gibt die Ärztin zu bedenken. Ein unkritischer Gebrauch von Tamiflu sei daher nicht zu empfehlen.

Keine Routine-Impfung von Schwangeren

Zu große Bedenken müssten Frauen aber nicht haben, beruhigt Fleischer: "Tamiflu ist eines der am besten verträglichen Arzneimittel." Es gebe keinen Hinweis darauf, dass es schaden könne. Auch in der Stillzeit sei nach bisherigen Erfahrungen der Übergang des Medikaments in die Muttermilch sehr gering. Bei der Emea heißt es ausdrücklich, dass während einer neuen Grippe-Pandemie der Nutzen des Grippemittels für die schwangere oder stillende Frau das Risiko überwiege.

Klappt alles, wie es sich Gesundheitspolitiker und Wissenschaftler vorstellen, wird voraussichtlich innerhalb der nächsten Monate ein Impfstoff gegen die Schweinegrippe verfügbar sein. Auch hier gibt es laut Fleischer aber nicht genug Daten, um eine Routineimpfung allen gesunden Frauen in der Schwangerschaft nahe zu legen. Das Robert-Koch-Institut verweist auf die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko) zur "normalen" Grippeimpfung: Demnach spricht eine Schwangerschaft nicht generell gegen eine Impfung, da es sich um einen Totimpfstoff handelt, der weniger Nebenwirkungen aufweist als Impfstoffe mit lebenden Erregern, die sich noch vermehren und die Krankheit auslösen können. In einigen Ländern wird eine Influenzaimpfung von Schwangeren jenseits des ersten Drittels generell empfohlen, wenn der zu erwartende Geburtstermin in die Influenzasaison fällt. In den ersten drei Schwangerschaftsmonaten rät die Kommission dagegen von einer Impfung ab, wenn sie nicht dringend angezeigt ist. Zu der Frage, ob die Dringlichkeit während einer bestehenden Pandemie gegeben ist, sollte der behandelnde Arzt befragt werden.

Alles in allem gibt es für schwangere Frauen keinen Grund in Panik zu verfallen, da sind sich die Experten einig. Fleischer stellt fest: "Die Schweinegrippe verläuft bislang milder als die saisonale Grippe. Wir haben keinen Grund anzunehmen, dass dieser Virus besonders gefährlich für Schwangere ist."


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