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Schweinegrippe: Schottisches Todesopfer war Mutter eines Frühchens

Erstmals seit Ausbruch der Schweinegrippe ist ein Mensch in Europa an einer Infektion mit dem Virus H1N1 gestorben. Es handelt sich dabei offenbar um eine 38 Jahre alte Frau aus Schottland, die erst vor Kurzem ein Baby zur Welt gebracht hatte.

Das erste Todesopfer der Schweinegrippe in Europa war vermutlich eine 38 Jahre alte Frau, die erst vor kurzem ein Baby zur Welt gebracht hatte. Wie britische Medien am Montag berichteten, sei das Kind am 1. Juni zwei Monate zu früh geboren worden. Ärzte hatten bisher nur bestätigt, dass das Opfer schon vor der Schweinegrippe-Infektion Gesundheitsprobleme gehabt habe.

Am Sonntag hatte die schottische Regierung mitgeteilt, dass ein Patient am Virus A H1N1 gestorben sei. In Schottland sind derzeit etwa 500 Menschen an der Schweinegrippe erkrankt, weltweit sind es fast 30.000 in 74 Ländern.

Die Frau war eine von zehn Patienten, die in dem Krankenhaus im schottischen Paisley nahe der Stadt Glasgow wegen der Schweinegrippe behandelt worden waren. Wie die Zeitung "The Times" berichtete, hat sich das Baby nicht angesteckt. Es sei aber wegen der Erkrankung der Mutter zu früh zur Welt gekommen.

Insgesamt sind in Schottland 498 Menschen an Schweinegrippe erkrankt. Erst am Sonntag kamen 35 weitere bestätigte Fälle hinzu. In Großbritannien sind es insgesamt mindestens 1250 Fälle. "Der heutige Todesfall ist zwar tragisch, aber ich möchte betonen, dass die Mehrzahl derjenigen, die H1N1 haben, relativ milde Symptome aufweisen", sagte die schottische Gesundheitsministerin Nicola Sturgeon.

Auch in Deutschland breitete sich die Schweinegrippe in den vergangenen weiter aus. Allein über das Wochenende wurden mehr als 60 neue Fälle bekannt. In Berlin wurde am Wochenende die Erkrankung einer 23-Jährigen aus dem Berliner Bezirk Treptow-Köpenick bestätigt. Das teilte die Gesundheitsverwaltung des Senats am Sonntag mit. In Düsseldorf stieg die Zahl registrierter Fälle nach Angaben der Stadt vom Sonntag auf 82. Unter den Neuinfizierten sind eine 24-Jährige, die aus New York zurückkehrte, und ein 29-Jähriger, der in Amsterdam war. In Brandenburg wurde die Erkrankung bei einem 33-Jährigen bestätigt, der von einer USA-Reise zurückgekehrt war. Auch in Niedersachsen wurde ein weiterer Fall registriert: Die Zehnjährige aus Hannover hatte sich bei ihrer Mutter angesteckt. Deutschlandweit liegt die Zahl der bestätigten Erkrankungen damit bei rund 170.

Nach letzten Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom Freitag wurden bislang 29.669 Fälle von Schweinegrippe in 74 Ländern registriert. 145 der Patienten starben. Todesfälle waren nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) bisher jedoch nur auf dem amerikanischen Kontinent aufgetreten, die meisten in Mexiko und häufig bei Menschen mit Grunderkrankungen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte als Reaktion auf die Pandemie in der vergangenen Woche die höchste Warnstufe sechs ausgelöst.

Virus nicht unterschätzen

Das Robert-Koch-Institut warnte vor einer Unterschätzung des Virus. Zwar verlaufen die Erkrankungen in der Regel nach wie vor mild. Man könne aber "keineswegs sagen, dass das Virus harmlos ist", sagte der stellvertretende Leiter der RKI-Abteilung Infektionsepidemie, Osama Hamouda, dem "Focus".

Offenbar gibt es auch immer mehr Fälle, bei denen die Infektion nicht eingeschleppt wurde, sondern in Deutschland erfolgte: In Berlin gehen die Behörden bei einer 23 Jahre alten Frau von einem ersten Schweinegrippe-Fall aus. Die Frau hat sich nicht im Ausland, sondern wahrscheinlich in Düsseldorf angesteckt. Mit dem Berliner Fall sind nun alle Bundesländer bis auf Bremen und das Saarland von der Krankheit betroffen. Die Infektionsschutzbeauftragte Berlins, Marlen Suckau, riet der Bevölkerung zur Anschaffung eines Mundschutzes: "Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, sich einen zu kaufen." Sie wies darauf hin, dass die Stadt auf eine mögliche Ausbreitung der Grippe gut vorbereitet sei. Aktuelle Berichte deuteten darauf hin, dass der Erreger A H1N1 zunehmend schwere Erkrankungen bei Menschen auslöse, "die keinen der Risikofaktoren aufweisen, die wir von der saisonalen Influenza kennen", sagte RKI-Experte Hamouda.

"Zu Panik besteht kein Anlass"

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt warnte vor überstürzten Aktionen. Mit der WHO-Warnstufe sechs wachse die Sorge vor der neuen Grippe, sagte die SPD-Politikerin der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Sorgen mache ich mir auch. Aber zu übereilten oder panischen Reaktionen besteht kein Anlass." Schmidt zeigte sich zuversichtlich, dass ab Herbst ein Impfstoff verfügbar sei. Am Freitag hatte der Pharmakonzern Novartis die erfolgreiche Entwicklung eines Impfstoffs bekanntgegeben. Der nordrhein-westfälische Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann warnte vor der Versorgung mit Grippemedikamenten über das Internet, da diese oft gefälscht seien. "Wer auf eigene Faust Selbstmedikation betreibt, schadet sich und riskiert, dass genau diese Medizin im Notfall wegen Resistenz-Bildungen nicht mehr wirkt", sagte der CDU-Politiker.

AP/DPA/Reuters / AP / DPA / Reuters