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Streit um Honorare: Ärzte kündigen "heißen Herbst" an

Der Konflikt um Ärztehonorare eskaliert. Nachdem Spitzenvertreter der Ärzte am Montag die Verhandlungen platzen ließen, müssen Patienten bereits in dieser Woche mit ersten Protestmaßnahmen rechnen.

Im Streit um höhere Honorare für niedergelassene Mediziner droht Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery den Krankenkassen mit einer Protestwelle. "Wenn die Kassen nicht einlenken, werden sie einen heißen Herbst erleben", sagte Montgomery den "Ruhr Nachrichten". Der Druck werde Schritt für Schritt erhöht, geplant sei eine "Eskalationsstrategie". Eine Notfallversorgung für die Patienten solle aber sichergestellt werden.

Die Gesellschaft müsse entscheiden, was für eine medizinische Versorgung sie sich leisten wolle, so Montgomery. Die vorgeschlagenen Erhöhungen für die rund 150.000 niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten seien "nur ein Tropfen auf den heißen Stein". Sie bedeuteten für die niedergelassenen Ärzte massive Verschlechterungen.

Keine Gefährdung für die Patienten

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, bestätigt die Entschlossenheit im Konflikt mit den Krankenkassen um mehr Geld. "Dabei wollen wir die Versorgung der Patienten nicht gefährden, sondern andere Maßnahmen finden", sagte Köhler am Dienstag im ZDF-"Morgenmagazin". Die KBV fordert 11 Prozent mehr, die Krankenkassen bieten 0,9 Prozent an.

Am Montag hatte Köhler überraschend die Verhandlungen mit den Krankenkassen verlassen. "Wir suchen verzweifelt nach einer Lösung", sagte er im ZDF und äußerte Unmut über die Kassen: "Wir fühlen uns zunehmend von unserem Vertragspartner diffamiert und angegriffen." Die Krankenkassen verunglimpften den Berufsstand der Ärzte, sagte Köhler.

"Wir müssen reagieren, auch wenn es uns schwerfällt", sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes der Pneumologen, Andreas Hellmann, laut einer gemeinsamen Erklärung freier Ärzteverbände am Dienstag.

270 Millionen Euro mehr Honorar

Punktuell würden die Protestmaßnahmen schon diese Woche in den ersten Praxen umgesetzt. Flächendeckende Maßnahmen erfolgten noch im September. Am Vortag hatten die Verbände noch mitgeteilt, zunächst die Mediziner in einer Urabstimmung über Praxisschließungen und Warnstreiks entscheiden zu lassen.

Hintergrund des Streits ist, dass die rund 130.000 niedergelassenen Ärzte im kommenden Jahr mit 270 Millionen Euro mehr Honorar nur einen Bruchteil der von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) geforderten 3,5 Milliarden Euro erhalten sollen. Montgomery nannte die Forderung nach elf Prozent höheren Honoraren als keinesfalls überzogen.

ins/DPA / DPA

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