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Sucht im Alter: Nur noch mit Schlafpille

Sie rauchen, sie trinken, sie schlucken Tabletten: Viele ältere Menschen haben ein Suchtproblem. Besonders schlimm ist die Medikamentenabhängigkeit in Alten- und Pflegeheimen. Die Gefahren werden oft verharmlost.

"Als ich in den Vorruhestand ging, da ging das so richtig los mit dem Trinken. Früher war ich auf der Bank, da musste ich morgens pünktlich sein, mit Hemd und Schlips. Sonst wäre ich vielleicht schon früher abgestürzt." Dann kam die große Leere, viel unstrukturierte Zeit - und Manfred Kremer, Jahrgang 1936, wurde im Alter zum Alkoholiker. Mit diesem Schicksal ist er nicht allein: Alkohol, aber auch Tabak und vor allem Medikamente sind für viele ältere Menschen ein großes Problem, das nach Ansicht von Experten sträflich vernachlässigt wird.

"Viele sind der Ansicht, in dem Alter lohne sich Suchthilfe doch gar nicht mehr. Doch das Gegenteil ist der Fall", sagt Raphael Gaßmann von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). Zusammen mit der Barmer Ersatzkasse und dem Kuratorium Deutsche Altenhilfe hat die DHS ihre diesjährige Schwerpunktkampagne "Unabhängig im Alter - Suchtprobleme sind lösbar" gestartet, mit der sie Ärzte und Pflegedienste dazu bringen will, stärker als bisher auf Betroffene zuzugehen.

Männer trinken, Frauen schlucken Tabletten

Nach Ansicht der Experten werden Probleme oft verniedlicht: Schließlich habe ja auch Queen Mum bis ins hohe Alter ihr tägliches Gläschen Gin genossen. "Aber es geht nicht um das eine Glas", sagte Rüdiger Meierjürgen von der Barmer. "Aus einem Gläschen werden schnell zwei oder drei."

DHS-Schätzungen zufolge haben rund 400.000 Männer und Frauen ab 60 ein schwerwiegendes Alkoholproblem, riskant ist das Trinkverhalten bei rund 3,5 Millionen. Zwei Millionen Ältere rauchen und für bis zu zwei Millionen ist die Einnahme von psychoaktiven Medikamenten zur Gewohnheit geworden. Während Alkohol vor allem ein Männerproblem ist, greifen Frauen deutlich häufiger zur Tablette. "Aber genaue Zahlen sind schwer zu beschaffen, auch weil es kaum Studien zu diesem Thema gibt", beklagte der Altersmediziner Prof. Siegfried Weyerer vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit.

Eines scheint jedoch klar. "Abhängigkeit schränkt die Lebensqualität und die Selbstbestimmung im Alter stark ein", sagte Christine Sowinski vom Kuratorium Deutsche Altenhilfe. Besonders deutlich werde das bei der Medikamentenabhängigkeit. "In Krankenhäusern und Pflegeheimen wird viel zu unbedacht mit süchtig machenden Medikamenten umgegangen", kritisierte Sowinski. Viele Ältere gerieten so ohne ihr eigenes Zutun in einen Kreislauf der Sucht, da das langsame Ausschleichen abhängig machender Medikamente oft versäumt werde. "Dann stehen die Menschen plötzlich allein da mit einem Suchtproblem."

Für jedes Zipperlein eine Tablette

Vor allem die Ärzte, aber auch das Pflegepersonal seien hier in der Pflicht, betonte auch Weyerer. Eine halbjährige Berliner Studie aus den 90er Jahren habe gezeigt, dass ein Viertel der über 70-jährigen Heimbewohner Psychopharmaka einnehme, 13 Prozent sogar über sechs Monate hinweg die süchtig machenden Benzodiazepine. "Dabei müssen gerade im Alter die Dosen wegen des veränderten Stoffwechsels eigentlich verringert werden", betonte Weyerer. In Pflege- und Altersheimen, aber auch bei Hausärzten sei ein Umdenken erforderlich.

"Und wir müssen weg von dem verhängnisvollen Trend, dass für jedes Zipperlein gleich ein Medikament verordnet wird", forderte Sowinski. Oft seien Beratungsangebote und Hilfen für die Neustrukturierung des berufsfreien Alltags sinnvoller. "Und auch von manchem Mythos, zum Beispiel dem des wohligen Neun-Stunden-Schlafs, muss man sich im Alter schlicht verabschieden." Ein Grund für den Dauergebrauch von Schlafmitteln sei gelegentliches Wachliegen zumindest nicht.

Auch Ex-Banker Manfred Kremer hat die Leere nicht komplett aus seinem Leben streichen können, aber sein Dasein hat neue Konturen gewonnen - seit er vor sieben Jahren erstmals eine Selbsthilfegruppe aufsuchte, lebt er abstinent.

Andrea Barthélémy/DPA / DPA

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Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.