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mRNA-Impfstoffe Teuer und immer teurer: Biontech und Moderna ziehen den Preis für Impfstoffe an

Teure Impfstoffe
Die mRNA-Impfstoffe gelten als besonders wirksam, sind aber auch entsprechend teuer.
© skodonnell / Getty Images
Die Impfstoffe der Unternehmen Biontech/Pfizer und Moderna gelten als die besten, die es derzeit gegen das Coronavirus gibt. Das wissen auch die Hersteller. Sie haben ihre Preise nun noch einmal nach oben korrigiert.

Die Impfstoffe gelten als wichtigstes Mittel, um der Corona-Pandemie ein Ende zu machen. Und auch die Hersteller wissen um den Wert ihrer Entwicklung, allen voran Moderna und Biontech/Pfizer. Die Vakzine gelten als Superstars unter den Impfstoffen. Sie sind nicht nur die begehrtesten, sondern auch die teuersten auf dem Markt. Und sie werden immer teurer. Wie jetzt berichtet wird, haben die Unternehmen den Preis noch einmal angezogen – und zwar ordentlich.

Wie die "Financial Times" vermeldete, haben beide mRNA-Impfstoffhersteller in ihren jüngsten Verträgen mit der Europäischen Union höhere Preise dingfest gemacht. Demnach kostet eine Impfung von Biontech/Pfizer fortan etwa vier Euro mehr, nämlich rund 19 Euro. Und auch das Unternehmen Moderna, das ohnehin schon das teuerste Vakzin stellte, hat noch einmal verteuert von zuvor etwa 19 Euro auf rund 21,50 Euro. Wie die "New York Times" berichtet, lehnte die Europäische Kommission am Montag ab, sich zu den Preiserhöhungen zu äußern und berief sich auf Vertraulichkeitsklauseln.

Sonderstatus mRNA-Impfstoff

Clément Beaune, Minister für europäische Angelegenheiten in Frankreich, bestätigte den Anstieg der Preise in einem Interview mit "Radio France International" jedoch. Genaue Zahlen nannte er nicht. Stattdessen versuchte er sich in einer Erklärung. Da sich die Delta-Variante des Virus ausbreite, seien die höheren Preise gerechtfertigt. Schließlich handele es sich bei den Impfstoffen um ein anspruchsvolleres Produkt, das an die Variante angepasst sei. 

Dass die mRNA-Impfstoffe künftig das Rückgrat der Impfkampagne in der EU sein sollen, ist bereits länger bekannt. Beschlossen wurde das, nachdem die Vakzine, auf die ursprünglich gesetzt worden war, Astrazeneca und Johnson&Johnson, immer wieder Probleme bereitet hatten. "Wir müssen uns jetzt auf Technologien konzentrieren, die ihren Wert bewiesen haben: mRNA-Impfstoffe sind ein klarer Fall dafür", sagte die Präsidentin der Kommission, Ursula von der Leyen, im April. Im Mai unterzeichnete die EU einen dritten Vertrag mit Biontech/Pfizer. Außerdem wurde der Vertrag mit Moderna angepasst.

Eine Frau mit hellblauem Schutzanzug inklusiive luftdichter Haube arbeitet in einem Labor

Riesige Gewinnspanne

Für die Hersteller ist das lukrativ. Allein der Impfstoff von Biontech/Pfizer soll laut Unternehmen in den vergangenen drei Monaten mehr als 6,5 Milliarden Euro Umsatz gemacht haben. Am Ende des Jahres sollen es rund 28 Milliarden sein, so die Prognose. Kritikern ist das ein Dorn im Auge. So bemängelten jüngst die Aktivisten von The People´s Vaccine Alliance, dass die Hersteller ihre Stellung ausnützen, um möglichst viel Profit herauszuschlagen und damit die Impfstoffpreise unnötig in Höhe jazzen – zu Kosten von ärmeren Ländern.

Laut einer Analyse der Aktivisten gingen bisher mehr als 90 Prozent der mRNA-Impfstoffe an reiche Länder. Berechnet worden sei ihnen bis zu das 24-fache der geschätzten Betriebskosten. Die genauen Produktionskosten sind nicht bekannt. Die Schätzung beruht auf Studien über mRNA-Produktionstechniken, die von Public Citizen in Zusammenarbeit mit Ingenieuren des Imperial College durchgeführt wurden. Laut dieser Analyse belaufen sich die Produktionskosten für eine Dosis des Biontech/Pfizer-Vakzins auf etwa einen Euro und des Moderna-Impfstoffs auf etwa 2,40 Euro. Glaubt man dieser Schätzung, würde dies eine riesige Gewinnspanne bedeuten. Vergessen werden darf bei dieser Rechnung allerdings nicht, dass die Unternehmen auch die Entwicklungskosten wieder hereinholen müssen.

Quellen: New York Times, Financial Times, RFIOxfam

tpo

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