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Verunreinigtes Heparin: Blutverdünner vom Markt genommen

Verunreinigte Chargen des Blutverdünners Heparin führten in Deutschland bei vielen Patienten zu schweren Nebenwirkungen, in den USA starben mindestens 19 Patienten. Das Mittel eines Herstellers wurde bei uns jetzt vom Markt genommen. Die Spur führt nach China.

Allergische Schocks mit Atembeschwerden, niedrigem Blutdruck und Herzrasen: Diese Nebenwirkungen wurden im Zusammenhang mit dem Blutverdünner Heparin in den vergangenen Wochen in mehr als 80 Fällen beobachtet. Die Behörden ordneten daher beim Hersteller Rotexmedica den Rückruf des Medikaments an. Dessen Mittel ist offenbar verschmutzt. Todesfälle seien aber nicht bekannt.

In den USA starben mindestens 19 Menschen, die das Mittel verabreicht bekamen. Bei Hunderten traten schwere allergische Reaktionen auf. Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA nahm daraufhin das Heparin des Herstellers Baxter vom Markt. Die Basisstoffe des Medikaments werden aus tierischem Gewebe gewonnen. Sie stammen aus dem Schwein, vor allem aus der Darmschleimhaut und den Lungen der Tiere. "Das Arzneimittel selbst wir zwar in Europa oder den USA hergestellt, verschiedene Pharmakonzerne beziehen jedoch das Rohmaterial aus der chinesischen Provinz Jiangsu. Dies war bei Baxter der Fall - und ist es wohl auch bei Rotexmedica. Die Fälle hängen möglicherweise zusammen", sagt Axel Thiele vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm).

Billigere Variante betroffen

Bislang ist nach Angaben des Bundesinstituts nur eine billigere Variante, das sogenannte unfraktionierte Heparin, von Verunreinigungen betroffen. Heparin wird in hohen Dosen bei der Dialyse und bei Herzoperationen verwendet. Die meisten Fälle schwerer Nebenwirkungen seien von Dialysezentren gemeldet worden, sagt Thiele. Beim teureren und neueren fraktionierten Heparin würden Verschmutzungen offenbar durch intensivere Reinigungsprozesse verhindert. Doch die billigere Variante ist weit verbreitet: Allein in Deutschland gebe es zehn Hersteller von unfraktioniertem Heparin. Der Rückruf gilt bislang jedoch nur für das Unternehmen Rotexmedica im schleswig-holsteinischen Trittau.

In welcher Form die Medikamente verunreinigt sind, wissen die Behörden noch nicht. Wegen der chemischen Ähnlichkeit mit dem Wirkstoff ist die Kontamination nur schwer zu entdecken. Ein Heparin-Engpass ist in Deutschland laut Bfarm nicht zu erwarten.

AP/bub / AP

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