Vogelgrippe Tötung von Hühnern hat begonnen


Auf Rügen versuchen die Behörden mit allen Mitteln, die Ausbreitung der gefährlichen Vogelgrippe zu stoppen. Die ersten Geflügelbestände wurden gekeult. Kanzlerin Merkel machte sich unterdessen vor Ort ein Bild von der Lage.

Als Vorsichtsmaßnahme gegen eine Ausbreitung der Vogelgrippe hat auf Rügen die Tötung von Nutztieren begonnen. Nach bisherigen Untersuchungsergebnissen sei das hochpathogene H5N1-Virus noch nicht auf Hausgeflügel übergesprungen, auf der Grundlage einer "umfassenden Risikobewertung" habe man aber die vorsorgliche Tötung angeordnet, sagte der Landwirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus, in Schwerin.

Erste Spezialkräfte der Bundeswehr begannen auf der Ostseeinsel mit der biologischen Abwehr. Bundeskanzlerin Angela Merkel bezeichnete bei einem Besuch vor Ort die Lage als ernst und bot Hilfe des Bundes an. Bis Sonntagmittag wurde bei 59 toten Wildvögeln aus allen Regionen der Insel das auch für den Menschen gefährliche H5N1-Virus festgestellt.

Wie viele Nutztiere von der vorsorglichen Tötung betroffen sind, konnte Backhaus zunächst nicht sagen, da die Risikobewertung noch weiter laufe. Betroffen sei zunächst das Nutzgeflügel in näherer Umgebung der Fundstellen infizierter Wildvögel, vor allem Enten und Hühner. Zudem werden Haustierbestände getötet, in die nachweislich Menschen gelangten, die sich zuvor an Infektionsherden aufhielten.

Tierschutzbund kritisiert Tötung

Auf Rügen sind rund 800 Hausgeflügelbestände mit mehr als 400.000 Stück Geflügel verschiedenster Arten registriert. Der Deutsche Tierschutzbund kritisierte die Tötung. "Es gibt keinen vernünftigen Grund, jetzt mit den Massenkeulungen zu beginnen. Es liegt keine akute Infizierung der Tiere vor, auch für den Menschen gibt es keine neue Gefahr", erklärte der Präsident der Organisation, Wolfgang Apel.

Das gesamte Inselgebiet mit seiner Gesamtfläche von etwa 1.000 Quadratkilometern wurde zum Schutzgebiet erklärt. Ein Bundeswehr-Vorauskommando einer so genannten ABC-Einheit errichtete gemeinsam mit dem THW Seuchenschutzsperren auf dem Rügendamm und anderen ausgewählten Orten. Das bereits am Samstag eingetroffene Vorkommando sollte durch erfahrene Soldaten der ABC-Abwehrbataillone 805 in Prenzlau/Brandenburg und 610 in Albersdorf/Schleswig-Holstein verstärkt werden. Insgesamt sollten 40 Soldaten Amtshilfe leisten. Ihre vorrangige Aufgabe ist die Desinfektion von Fahrzeugen, Personen und Flächen. Zudem sorgen in den Krisenstäben in Schwerin und in Bergen auf Rügen Veterinäroffiziere für die Koordination.

Backhaus kritisiert "Umsetzungsdefizit"

Die angrenzenden Landkreise wurden zu Beobachtungszonen erklärt und die dortigen Krisenzentren aktiviert. Die Untersuchung toter Vögel konzentriere sich nicht mehr vorrangig auf Tiere der Insel, sagte Backhaus. Wichtig sei jetzt, Funde landesweit zu untersuchen, um möglichst schnell weitere Virenherde aufzuklären.

Bundeskanzlerin Merkel betonte, dass das Virus bis jetzt noch nicht bei Hausgeflügel nachgewiesen worden sei. Es gelte dies zu verhindern, erklärte die CDU-Politikerin, die sich zuvor etwa eine Stunde lang vom Krisenstab in Bergen hatte informieren lassen. Sie bot die Hilfe des Bundes und des Landes Mecklenburg-Vorpommern an, falls die vor Ort eingesetzten Hilfskräfte nicht ausreichen sollten. Auf Rügen waren Mitte der Woche die ersten Vogelgrippefälle in Deutschland gemeldet worden.

Virus erreicht Frankreich

Dagegen ist das Virus H5N1 nun erstmals auch in Frankreich nachgewiesen worden. Nach Angaben des Pariser Agrarministeriums vom Samstag wurde es in einer toten Wildente im östlichen Département Ain gefunden. Österreich ordnete am Samstag landesweite Stallpflicht an, nachdem auch in Wien ein mit H5N1 infizierter Schwan verendete.

Die bedrohliche Tierseuche hat zudem Indien erreicht. Dort wurde das H5N1-Virus erstmals bei toten Vögeln in einem Dorf rund 300 Kilometer von Bombay entfernt festgestellt, bestätigte das Tierseuchen-Institut der Stadt Bhopal. Mindestens 50 000 Hühner seien dort gestorben. Nach einem Bericht des Nachrichtensenders NDTV werden fünf Menschen aus der Region wegen Vogelgrippe-Symptomen untersucht. Bestätigte Fälle bei Menschen wurden aber nicht bekannt.

AP/DPA AP DPA

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