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Vogelgrippe: Virus könnte Menschen mögen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Anhaltspunkte, dass das aggressive Vogelgrippevirus H5N1 leichter auf den Menschen übertragen werden könnte. Dies haben Untersuchungen an Virenproben aus der Türkei ergeben.

Das National Institute for Medical Research in London hat im Auftrag der WHO Virenproben von zwei an Vogelgrippe-Opfern in der Türkei genetisch analysiert und Mutationen gefunden. Es gebe aber noch keine Anzeichen dafür, dass sich das Virus von Mensch zu Mensch übertragen lasse, hieß es.

Bislang noch Vermutungen

Die Untersuchungen hätten ergeben, dass die in der Türkei genommen Viren-Proben ähnliche Mutations-Merkmale aufwiesen, wie sie bereits 2003 in Hongkong und 2005 in Vietnam festgestellt wurden. Danach bindet sich diese Virusformen leichter an eine menschliche als an eine Vogelzelle. Bisher handelt es sich nach WHO-Angaben nur um Vermutungen, die nun weiter erhärtet werden müssten.

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"Diese Veränderungen haben keine Einfluss auf die potenzielle Bedrohungslage für den Menschen", sagt Dr. Michael Pfleiderer, Fachabteilungsleiter für Grippeimpfstoffzulassung des Paul-Ehrlich-Institutes.

"Influenzaviren verändern sich ständig. Viele H5N1-Isolate aus Menschen und Vögeln haben sich bislang unterschieden." Laut Pfleiderer sind die Mechanismen noch nicht erforscht, die ein Influenzavirus gefährlicher für den Menschen machen. Anhaltspunkte dafür liefern könnte das Virus der Spanischen Grippe, die 1918/1919 eine weltweite Pandemie mit vielen Millionen Toten hervorgerufen hatte. Wissenschaftler forschen nach Übereinstimmungen zwischen der Spanischen Grippe und dem Vogelgrippevirus, um herauszufinden, was die krankmachenden genetischen Eigenschaften sind.

Kinder scheinen gefährdeter zu sein

"Man kann nicht sagen, es fehlen noch eine oder zwei Mutationen, dann wird aus dem Vogelgrippevirus ein Pandemievirus, das von Mensch zu Mensch übertragen wird", sagt Pfleiderer. Was sich laut Dr. Pfleiderer jedoch abzuzeichnen scheint: Die Auswertung der bisherigen H5N1 Fälle beim Menschen in Asien und der Türkei zeigt, dass Kinder dem Virus offenbar bessere Voraussetzungen für eine Infektion bieten und somit beim direkten Kontakt mit infizierten Tieren gefährdeter sind.

Die drei Todesfälle in der Türkei scheinen diesen Verdacht zu bestätigen: Zwei 14- und 15-jährige Brüder, sowie ihre 11-jährige Schwester waren dem Vogelgrippevirus erlegen, nachdem sie sich an Hühnerköpfen infiziert hatten.

Insgesamt geht die WHO in der Türkei nun von 18 bestätigten Fällen mit dem H5N1-Virus aus. Dazu gehört auch ein am 7. Januar gestorbenes zwölfjähriges Mädchen, bei dem man zunächst nicht wusste, welcher Virustyp für ihren Tod verantwortlich war. Weltweit geht die WHO derzeit von 147 bestätigten Fällen aus. Die Organisation behält ihre derzeitige Alarmstufe bei.

Hersteller und Behörden, wie z.B das Paul-Ehrlich-Institut arbeiten an einem menschlichen Impfstoff gegen die Vogelgrippe. Dabei verfolgt man die Strategie, eine möglichst schnelle und wirksame Immunisierung zu erreichen. Dies ist allerdings erst möglich, wenn das Pandemievirus identifiziert ist und in die Impfstoffproduktion eingesetzt werden kann.

Bis dahin wird es Todesopfer geben. Das Robert-Koch-Institut schätzt die Zahl auf 50.000 bis 150.000 Tote.

"Diesen Preis wird man zahlen müssen", sagt Pfleiderer. "Wir wollen eine möglichst effektive Immunisierung. Die allgemeine Anwendung, zum Beispiel von Impfstoffen anhand des jetzigen H5N1-Virus, macht unserer Ansicht nach derzeit keinen Sinn."

Jens Lubbadeh mit Agenturen

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