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Biontech-Impfstoff zugelassen Allergien, mögliche Symptome: Was Sie zu Nebenwirkungen der Corona-Impfung wissen sollten

Der Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer erhält für die EU eine bedingte Zulassung
Der Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer erhält für die EU eine bedingte Zulassung
© Ariel Schalit/AP / DPA
Großbritannien und Nordamerika impfen bereits, nun hat auch die Europäische Kommission grünes Licht für den Biontech-Pfizer-Impfstoff gegeben. In den Zulassungsstudien wurde über leichte allgemeine Symptome berichtet. Zuletzt gab es auch einzelne Meldungen über allergische Reaktionen auf den Impfstoff – laut Experten ist beides kein Grund zur Sorge. 

Der Nutzen des Covid-19-Impfstoffs überwiegt mögliche Risiken: Zu dieser Beurteilung ist die Europäische Arzneimittel-Agentur Ema gekommen und hat grünes Licht für die Zulassung des Impfstoffs aus dem Hause Biontech und Pfizer gegeben. Auch die EU-Kommission und die Mitgliedsstaaten stimmten einer bedingten Zulassung des Impfstoffs zu. Somit können die Impfungen nun auch in der EU beginnen. In Studien mit mehr als 40.000 Probanden hatte der Impfstoff zuvor eine Wirksamkeit von rund 95 Prozent gezeigt.

In Großbritannien und Nordamerika kommt das Vakzin dank Notfallzulassung bereits seit einigen Tagen zum Einsatz. Vereinzelt gab es Meldungen über schwere allergische Reaktionen. Laut Experten sind diese allerdings kein Grund zur Sorge. Solche Reaktionen auf Impfstoffe seien "sehr selten", betonte der Infektiologe Leif Erik Sander in einer Konferenz des Science Media Center. Sie könnten grundsätzlich "bei jeder Impfung", wie auch bei Nahrungsmitteln oder anderen Medikamenten auftreten.

Allergiker sollen sich mit Arzt abstimmen

In Großbritannien erlitten zwei Personen des nationalen Gesundheitsdienstes allergische Reaktionen nach der Impfung. Beide hatten allerdings schwere allergische Vorerkrankungen und mussten Autoinjektoren mit Adrenalin bei sich tragen, falls sie einen immunologischen Schock erleiden sollten. Diese schweren Reaktionen zeigen sich in der Regel binnen weniger Minuten nach Kontakt mit dem Allergen.

In den Zulassungsstudien waren Menschen, die schon einmal einen allergischen Schock erlitten hatten, ausgeschlossen. "Das gibt es bei jeder Studie, das ist ganz normal", sagte die Virologin Sandra Ciesek vergangene Woche im NDR-Podcast "Das Coronavirus-Update". Es wird derzeit vermutet, dass die Personen auf einen Teil der Lipid-Nanopartikel reagiert haben könnten, auf den Stoff Polyethylenglycol oder PEG. "Wenn Sie eine schwere allergische Reaktion auf andere Impfstoffe oder injizierbare Therapien hatten, fragen Sie Ihren Arzt, ob Sie den Pfizer-Biontech-Impfstoff erhalten sollten", schreibt dazu die US-amerikanische Gesundheitsbehörde CDC.

Was bedeutet das für den Einzelnen? "Man muss dem Arzt, wenn man geimpft wird, mitteilen, was für Allergien vorliegen", so Ciesek. "Der wird prüfen, wie schwer diese Allergien waren und wird dann eine Einzelfallentscheidung treffen, ob eine Impfung sinnvoll ist oder nicht." Impfzentren sind zudem notfallmedizinisch auf diese seltenen Nebenwirkungen vorbereitet. Zeigen Patienten Anzeichen einer allergischen Reaktion, können Mediziner mit bewährten Therapien gegensteuern. 

Gute Verträglichkeit in Studien

Bei dem Impfstoff von Biontech/Pfizer handelt es sich um ein Vakzin auf mRNA-Basis. Der Impfstoff enthält lediglich den Bauplan für ein Virusprotein, das sogenannte Spike-Protein. In den Zulassungsstudien zeigte das Vakzin eine gute Verträglichkeit. Lebensbedrohliche Zwischenfälle gab es nicht. Als häufigste Nebenwirkungen wurden leichte allgemeine Symptome genannt, wie vorübergehende Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit, eine leicht erhöhte Temperatur und Schmerzen an der Einstichstelle. Nebenwirkungen wie diese sind nach einer wirksamen Impfung grundsätzlich zu erwarten.

Leif Erik Sander wertet diese milden bis moderaten Symptome nach der Impfung "als gutes Zeichen". Es zeige, dass das Immunsystem auf die Impfung anscheinend sehr ähnlich reagiere wie auf einen leichten viralen Infekt. "Ich denke, dass diese mRNA-Impftstoffe sehr gut in der Lage sind, eine natürliche Infektion für das Immunsystem vorzutäuschen oder nachzuahmen", so der Infektiologe. Mit einem richtigen Infekt seien diese Symptome allerdings nicht gleichzusetzen.

Hinweise auf mögliche unerwünschte und sehr seltene Wirkungen des Impfstoffs werden auch nach der Zulassung fortlaufend erfasst. In Deutschland ist dafür unter anderem das Paul-Ehrlich-Institut zuständig. Es hat auch die Entwicklung und EU-Zulassung des Biontech-Pfizer-Impfstoffes eng begleitet. Die Hersteller sind zudem verpflichtet, diesen Prozess zu unterstützen. Die Nutzen-Risiko-Bewertung erfolgt somit nicht nur vor der Zulassung, sondern auch kontinuierlich danach.

In der EU soll am 27. Dezember mit den Impfungen begonnen werden. Zunächst sind besonders vulnerable Gruppen sowie medizinisches Personal an der Reihe: über 80-Jährige, Bewohner von Altenheimen,  ambulante und stationäre Altenpfleger sowie Medizin-Personal mit besonderem Ansteckungsrisiko oder engem Kontakt zu gefährdeten Gruppen. In den darauffolgenden Monaten werden die Personengruppen, die Anspruch auf eine Impfung haben, fortlaufend erweitert. 

ikr

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