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Welt-Aids-Tag 2017: "Viele denken, HIV-Positive sind alle abgemagert und sterben demnächst"

Aids ist auch 2017 im aufgeklärten Europa weiterhin ein Problem. Eine Kampagne zum Welt-Aids-Tag wirbt für einen offenen und toleranten Umgang mit Betroffenen wie Christoph, der möchte, dass die Diskriminierung von HIV-Positiven ein Ende hat.

Welt-Aids-Tag 2017 Kampagne

Christoph ist HIV-positiv. Er möchte ein positives Beispiel sein und fordert zum Welt-Aids-Tag 2017 ein Umdenken der Gesellschaft im Bezug auf an Aids erkrankten Menschen. 

Am 1. Dezember ist Welt-Aids-Tag. Die gute Nachricht vorweg: Die Zahl der HIV-Infizierten in Europa ist leicht rückläufig, auch in Deutschland. Die schlechte Nachricht: In Europa erkrankten im vergangenen Jahr dennoch mehr als 29.000 Menschen an der Immunschwächekrankheit. Doch damit nicht genug.

Tausende Menschen wissen oft jahrelang nichts von ihrer Erkrankung. Entsprechende Diagnosen kämen häufig Jahre zu spät, sodass Betroffene sich bereits in einem Stadium befänden, indem die Immunschwäche nicht mehr aufzuhalten sei. 

Dadurch hätten Patienten weitaus schlechtere Aussichten und das Risiko einer Ansteckung steige, erklärte ECDC-Direktorin Andrea Ammon. "Im Schnitt dauert es drei Jahre von der Infektion bis zur Diagnose - was viel zu lang ist." Wird eine HIV-Infektion nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, entsteht daraus die Immunschwächekrankheit Aids.

Für mehr Aufklärung - vor allem für Nicht-Infizierte

Auf der Website Welt-Aids-Tag.de sprechen betroffene Menschen offen über ihre Erkrankung. Der Konsens aller: Keiner möchte mit dem seit den 70er-Jahren gleichgebliebenen Stereotypen des HIV-Positiven verglichen werden. Einer der Gesichter der Kampagne ist Christoph. Er hat das HI-Virus und vergleicht seinen Status in der Gesellschaft mit dem Film "Philadelphia", in dem Tom Hanks einen an Aids erkrankten Homosexuellen spielt: "Viele denken auch 2017 noch, HIV-Positive sind alle abgemagert, müssen 20 Tabletten am Tag nehmen und sterben demnächst – wie Tom Hanks in 'Philadelphia'."

So habe Hollywood einen Stereotypen erschaffen, dessen Folgen bis heute noch nachwirkten. Vor allem durch das Bild von HIV-Infizierten in der Popkultur haben viele Menschen Berührungsängste mit Aids-Erkrankten. Dass Betroffene mittlerweile ein komplett normales Leben führen können , geht dabei oft unter. "Wenn jeder jedem weitersagt, dass man mit HIV ein ganz normales Leben führen kann, wissen es bald alle und die Sache ist erledigt. Ich will, dass HIV kein Stigma mehr ist und dass Diskriminierung aufhört", sagte Christoph der Website des Welt-Aids-Tag im Interview.

Welt-Aids-Tag 2017: positiv zusammenleben

In diesem Jahr steht der 1. Dezember unter dem Motto "Positiv zusammenleben". Der Welt-Aids-Tag 2017 soll für eine Solidarität und einen offenen Umgang mit den Erkrankten in der Gesellschaft sorgen. Vorurteile gegen Infizierte sollen ausgeräumt werden. Heutzutage ist Aids längst kein "verfrühtes Todesurteil" mehr, Betroffene könnten ein langes und erfüllendes Leben inklusive Sexualität und Familienplanung genießen, so die Deutsche Aids Hilfe. Deutschlandweit sind aktuell 88.400 Menschen an Aids erkrankt. 

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fk mit DPA

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