Zurückgezogenes Medikament Merck will Vioxx wieder verkaufen


Der US-Pharmakonzern Merck will angesichts neuer Erkenntnisse zu Schmerzmitteln erwägen, sein wegen Gesundheitsrisiken vom Markt genommenes Medikament Vioxx wieder zu verkaufen.

Ein Wiederverkauf sei möglich, wenn die US-Gesundheitsbehörde FDA zu der Einschätzung gelange, dass die Herzkreislaufrisiken des Arthritismittels Vioxx denen vergleichbarer verschreibungspflichtiger Schmerzmittel ähnlich seien, sagte am Donnerstag der Leiter der Forschungsabteilung von Merck & Co, Peter Kim. Derzeit untersucht ein Expertengremium der FDA die Gesundheitsrisiken von Schmerzmitteln wie Vioxx. Das Medikament gehört zur Gruppe der so genannten Cox-2-Hemmer. Der US-Konzern hatte Vioxx im September freiwillig weltweit vom Markt genommen, nachdem eine Studie mit dem Namen Approve eine Verdoppelung des Risikos für Herz- und Schlaganfälle bei Patienten aufzeigte, die Vioxx mindestens 18 Monate lang einnahmen.

Wiedereinführung, falls konkurrierende Medikamente sich als schädlicher erweisen

Die US-Gesundheitsbehörde nahm zu den Aussagen von Kim nicht Stellung. Paul Seligman, Direktor für Pharmakoepidemiologie und Statistische Wissenschaften bei der der FDA, sagte, es wäre voreilig, die Aussagen von Merck zu kommentieren. Es wird erwartet, dass ein Experten-Gremium an diesem Freitag entscheidet, ob Vioxx und die verwandten Schmerzmittel wie Celebrex und Bextra des US-Konzerns Pfizer verkauft werden sollten. Üblicherweise folgt die US-Gesundheitsbehörde dem Votum ihrer Experten-Gremien.

Neue Informationen über konkurrierende Schmerzmittel hätten die Bewertung von Vioxx seitens des Unternehmens geändert, sagte Kim. "Es ist angesichts dieser neuen Informationen nicht klar, dass die bei Approve beobachteten Herzkreislauf-Risiken einzig Vioxx in der Klasse ähnlicher Medikamente betrifft", sagte Kim. Zudem verursache in der Familie der Cox-2-Hemmer nachweislich nur Vioxx weniger ernsthafte Magenprobleme, als ein unter dem Namen Naproxen bekanntes älteres Schmerzmittel. Naproxen ist ein rezeptfreies Schmerzmittel, das etwa unter dem Markennamen Aleve von Bayer bekannt ist.

Europäische Arzneimittelbehörde will Cox-2-Hemmer einschränken

"Falls das Berater-Gremium und die FDA zu dem Schluss kommen, dass bei einigen Patientengruppen die Vorzüge die Risiken wettmachen, dann müssten wir die Implikationen dieser neuen Daten angesichts der einzigartigen Vorteile, die Vioxx bietet, in Betracht ziehen", sagte Kim.

Cox-2-Hemmer - auch Coxibe genannt - sollen Schmerzen so stark lindern wie ältere, nicht-verschreibungspflichtige Medikamente. Cox-2-Hemmer sind dabei aber in der Regel magenfreundlicher als die älteren Entzündungshemmer, zu denen neben Naproxen auch Ibuprofen gehört. Die europäische Arzneimittelbehörde EMEA hatte am Donnerstagabend angekündigt, den Gebrauch der Medikamente einzuschränken. Infarkt- oder Schlaganfallpatienten sollten Cox-2-Hemmer nicht verabreicht werden. Außerdem sollte jeweils die niedrigste Dosis und die kürzest mögliche Einnahmezeit verordnet werden.

Reuters


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