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Vioxx: Gefährliches Arthritismittel

Vioxx, ein häufig verschriebenes Arthritismittel, könnte in den USA bis zu 27.000 Herzattacken ausgelöst haben. Der Pharmakonzern Merck hatte das Medikament aus dem Verkehr gezogen.

Das "Wall Street Journal" präsentierte eine beunruhigende Studie, die von einem hochrangigen Mitarbeiter der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA geleitet worden war. Sie verglich das inzwischen gesperrte Medikament Vioxx von Merck & Co. mit einem vergleichbaren Arthritismittel, Celebrex von Pfizer Inc.

Schlaganfall- und Herinfarkt-Risiko durch Vioxx verdoppelt

Demnach hätten mehr als 27.000 Patienten vor schweren und zum Teil tödlichen Herzproblemen bewahrt werden können, wäre ihnen statt Vioxx das Mittel Celebrex verschrieben worden. Merck hatte Vioxx in der vergangenen Woche als Reaktion auf eine andere dreijährige Studie aus dem Handel gezogen. Sie war zu dem Schluss gekommen, dass selbst niedrige Dosen von Vioxx das Risiko für eine Herzattacke oder einen Schlaganfall verdoppeln, wenn das Mittel über mehr als 18 Monate eingenommen wird.

Merck hatte mit Vioxx, einem so genannten Cox-2-Hemmer, allein im vergangenen Jahr 2,5 Milliarden Dollar (2,03 Euro) Umsatz gemacht. Derweil ist in den USA bereits die erste Sammelklage gegen das Pharmaunternehmen eingegangen. Darin wird dem Konzern vorgeworfen, die Öffentlichkeit und Gesundheitsdienstleister nicht über die Risiken von Vioxx informiert zu haben. Der Konzern hat keine Verbindung zu der deutschen Merck KGaA.

EU-Behörde will alle Vioxx-ähnlichen Mittel überprüfen

Die europäische Gesundheitsbehörde will nach dem Rückruf des Arthritismittels Vioxx des US-Pharmaunternehmens Merck & Co. alle so genannten Cox-2-Mittel überprüfen.

Die Untersuchung werde zwei Wochen dauern, teilte die Behörde am Mittwoch mit. Daraufhin werde entschieden, ob weiterer Handlungsbedarf bestehe.

Knapp 960 Nebenwirkungsberichte zu Vioxx

Seit Zulassung des Arthrose- und Rheumamedikaments Vioxx in Deutschland vor fünf Jahren sind beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) 959 Nebenwirkungsberichte eingegangen. Dabei handele es sich um Nebenwirkungen aller Art, betonte ein BfArM-Sprecher am Montag und bestätigte einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus". In 26 dieser Fälle bestehe der Verdacht auf Herzversagen. Ein ursächlicher Zusammenhang sei aber nicht erwiesen. Dem gehe das Amt nun nach.

Bisher ist nach Angaben des Bundesinstituts noch kein Schlaganfall in den in Deutschland eingegangenen Berichten gemeldet worden. Auch stellten Herz-Kreislauf-Komplikationen nicht die häufigste gemeldete Nebenwirkung dar, sagte der Sprecher in Bonn. Knapp 960 Berichte seien bei einem so verbreiteten Mittel innerhalb von fünf Jahren "nicht übermäßig viel, aber auch nicht übermäßig wenig" Meldungen. Seit drei Jahren werde nun über Herz-Kreislauf-Komplikationen im Zusammenhang mit dem Medikament diskutiert. Das gebe dem behandelnden Arzt häufiger Anlass, einen Bericht über Nebenwirkungen zu verfassen.

DPA, Reuters

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