Statt deutsch-polnisches Grenzgebiet gibt es im Brandenburger "Polizeiruf 110" diesmal ganz viel Potsdam: Ein Überfall auf einen Goldschmied führt die Ermittler Vincent Ross (André Kaczmarczyk, 40) und Karl Rogov (Frank Leo Schröder, geb. 1961) in "Goldraub" (29. März, 20:15 Uhr, ARD) an diverse Schauplätze in der Landeshauptstadt. Bei dem Raub wurde eine historisch bedeutende Schmucksammlung gestohlen - mit tödlichem Ausgang. Was zunächst nach der Tat einer polnischen Diebesbande aussieht, entpuppt sich schnell als Familiendrama.
Darum geht es im "Polizeiruf 110: Goldraub"
In Potsdam wurde eine Goldschmiede-Manufaktur überfallen, der Besitzer wurde erschossen. Dass die beiden Täter Clownsmasken trugen, ruft das Team vom deutsch-polnischen Grenzgebiet auf den Plan: Die polnische "Clownsbande" treibt dort schon länger ihr Unwesen. Doch je tiefer die Kommissare Ross und Rogov in die Ermittlungen einsteigen, desto deutlicher wird, dass sich der Modus Operandi unterscheidet.
Dem Goldschmied wurde auch gar nichts entwendet - bis auf die historische Schmucksammlung der Familie Stolzenburg aus dem Potsdam-Museum, die erst am Morgen zur Restauration eingetroffen war. Während Rogov mit einem Mantrailer die Spur eines offenbar verletzten Täters verfolgt, ermittelt Ross im Umfeld des Ermordeten. Seine Ehefrau Bettina Michalski (Deborah Kaufmann), ebenfalls Goldschmiedin, steht unter Schock, der Stiefsohn Nico (Jakob Fliess) nicht so sehr. Als dann noch eine zweite Leiche auftaucht, ergibt sich eine auffällige Verbindung.
Lohnt sich das Einschalten?
Für alle mit Lust auf touristenbereinigte Bilder aus Potsdam ja, ansonsten eher nicht. Zu seicht ist dieser "Polizeiruf 110", zu blass bleiben die Ermittler, zu perfekt wird die Stadt inszeniert. Und viel zu schnell wird auch dem Letzten klar, wer wirklich hinter der Tat steckt. Visuelle Stadtführung statt spannender Whodunit-Krimi.
Dass die Ermittler statt im ländlichen Gebiet diesmal in der Landeshauptstadt Brandenburgs ermitteln, ist ein zentraler Bestandteil des Films. Denn immer wieder zeigt die Kamera die unterschiedlichen urbanen Milieus von Potsdam. In der perfekten Totale gibt es den Alten Markt, aber auch auf die Plattenbausiedlungen oder das Villenviertel richten sich die Kameras. Allerdings wirkt selbst die vermeintlich schlechtere Gegend unecht und steril, zu sonnig und geleckt.
Auch Potsdams Geschichte kommt durch den Aspekt der wertvollen Schmucksammlung aus dem Museum zum Tragen. "Gold" fungiere dabei laut Produzentin Heike Streich als "eine Klammer für das historische, barocke Potsdam und gleichzeitig die profane Gier und Besessenheit von Menschen im Hier und Jetzt". Nur kommt Letztere gar nicht gut zur Geltung, was auch an der wenig beeindruckenden Schauspielleistung aller Beteiligten liegt.
Und richtig vertieft wird das Thema sowieso nicht. Stattdessen wird oft ins Leere gestarrt oder mit einem Mantrailer-Hund durch die Gegend gerannt - oder vielmehr gemächlich gelaufen. Irgendwie alles etwas zu langsam. Natürlich ist die unaufgeregte Art zwischen den Ermittlern Ross und Rogov auch eine ihrer Kernkompetenzen, die leisen Zwischentöne und das tiefe Verständnis der vermeintlich ungleichen Charaktere füreinander. Aber etwas mehr Esprit darf es dann doch sein - sonst sind auch Netzhemd und Kajalstrich von Ermittler Ross nicht mehr spannend. Und der ewige und einzige Disput ums Rauchen schon dreimal nicht.