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116. Geburtstag: "Marlene Dietrich war ein einsamer Mensch"

Um die Jahrhundertwende in Berlin geboren, zog es Marlene Dietrich in die Welt. Sie sang vor US-Soldaten an der Front, stand in Männerkleidung auf der Bühne und wurde zum Sinnbild lasziver Weiblichkeit. Deutschlands "blonder Engel" schuf ein perfektes Bild, das sie teuer bezahlen musste.

Marlene Dietrich

Marlene Dietrich, 1936 

Marlene Dietrich wurde am 27. Dezember 1901 in Berlin-Schöneberg geboren - 116. Jahre alt wäre sie heute. Google ehrt den deutschen Weltstar anlässlich seines Geburtstags mit einem Google Doodle und erinnert an eine Frau, die hinter der glänzenden Fassade ein einsames Leben führte.

Als am 6. Mai 1992 die Nachricht von Marlene Dietrichs Tod durch die Welt ging, hatte sich die Schauspielerin schon lange von der Welt zurückgezogen. In ihrem Pariser Appartement blieb sie die meiste Zeit alleine, auch enge Freunde ließ sie nicht mehr zu sich.

"Marlene Dietrich war von Selbstzweifeln geplagt"

"Der Rückzug war der Preis, ein hoher Preis, den sie dafür zahlte, ihr perfektes Bild nicht zu beschädigen", sagt Eva Gesine Baur, Autorin der in diesem Jahr erschienenen Dietrich-Biografie "Einsame Klasse". "Sie dachte, sie sei nichts wert, als sie nicht mehr das Idol war, zu dem sie sich gemacht hatte - auch äußerlich." Die Filmdiva - Inbegriff lasziver Weiblichkeit und kühler Verführung - sei trotz vieler Freunde und noch mehr Liebhabern ein einsamer Mensch gewesen.

Google Doodle zu Marlene Dietrich

Google Doodle zum 116. Geburtstag von Marlene Dietrich

"Von außen betrachtet würde sie keiner für einsam halten, schon gar nicht, was Männer angeht. Im Besitz ihrer Tochter Maria Riva befindet sich eine Art Daily Reminder, in dem sie laut ihrem Enkel Peter Riva bis zu drei Liebhaber pro Tag aufgelistet hat", sagt die Biografin. Aber: "Niemand ist einsamer als ein extrem polygamer Mensch. Das Gefühl, einsam zu sein, erwächst auch aus dem Gefühl, unverstanden zu sein. Marlene war ihr ganzes Leben zutiefst verunsichert und von Selbstzweifeln geplagt", sagt die Autorin.

Freundschaften zu Remarque und Hemingway

"Die wenigen, die das verstanden haben, denen hat sie sich anvertraut: Männer wie Erich Maria Remarque, Friedrich Torberg und Ernest Hemingway." Der völlige Rückzug "der Dietrich" hatte mit ihrer Unsicherheit zu tun. "Sie war schon in den Erfolgsjahren der Grund für Marlenes Perfektionswahn: Sie fand sich weder schön noch schauspielerisch begabt", so Baur.

Am 27. Dezember 1901 in Berlin-Schöneberg geboren, galt "die Dietrich" jahrzehntelang als anbetungswürdige Femme fatale. Der vielleicht einzige deutsche Weltstar war 1929 mit dem Film "Der blaue Engel" von Josef von Sternberg auf einen Schlag berühmt geworden. Darin singt Marlene Dietrich das Lied "Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt". Zu ihren erfolgreichsten Filmen zählten "Herzen in Flammen" (1930), "Shanghai-Express" (1932) und "Der große Bluff" (1939).

In US-Uniform auf den Bühnen der Kriegsfront

1939 nahm die Schauspielerin, die 1929 mit von Sternberg nach Hollywood gegangen war, die US-Staatsbürgerschaft an.

Während des Krieges sang sie in amerikanischer Uniform vor US-Soldaten an der Front. Als Gegnerin des Nationalsozialismus lehnte sie Filmangebote der Nazis konsequent ab. Nach dem Zweiten Weltkrieg spielte sie große Charakterrollen zum Beispiel in "Eine auswärtige Affäre" (1947/48) und "Zeugin der Anklage" (1957).

Später startete Marlene Dietrich eine zweite Karriere als Sängerin. Mit rauchiger Stimme sang sie Lieder wie "Sag mir wo die Blumen sind". In den 60er und 70er Jahren zog sich der Star immer mehr aus der Öffentlichkeit zurück und ließ sich nie mehr fotografieren: "Man hat mich zu Tode fotografiert", sagte Marlene Dietrich.

Marlene Dietrich wurde zur Stilikone

Im Berliner Museum für Film und Fernsehen sind Teile des umfangreichen Dietrich-Nachlasses zu sehen. Zur "Marlene Dietrich Collection" gehören rund 3000 Filmkostüme und private Kleidungsstücke, 400 Hüte sowie 130 Überseekoffer, Hutschachteln und Kosmetikkoffer. Die Schauspielerin hinterließ allein 16.500 Fotos und 45.000 Blatt Korrespondenz. "Sie war sammelwütig", sagt Hans Helmut Prinzler, Filmwissenschaftler und ehemaliger Direktor des Berliner Filmmuseums.

Und welche Eigenschaften haben Marlene zu einem Weltstar und Mythos gemacht? "Es ist einerseits natürlich ihre schauspielerische Präsenz", sagt Prinzler. "Darüber hinaus war sie eine Stilikone". "Durch ihre Kleidung, ihre Bisexualität, war sie sehr weit vorn. Dass sie auch in Männerkleidung aufgetreten ist, war damals sehr ungewöhnlich. Und sie konnte nicht nur spielen, sondern auch singen."

sve / DPA
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